9/11: Die Betroffenheit ist spürbar
Helga Traxler, Jahrgang 1984, studiert an der Kunstuni Linz und verbrachte die vergangenen zwei Semester in Lissabon. Derzeit fotografiert sie für den Stylisten John Tan bei der Fashion-Week in Manhattan. Über ihre Arbeit vor und hinter den Kulissen der Modewelt führt sie ein Blog: www.photosalon-hgoesnyc.tumblr.com bzw. www.photosalonhelga.com Foto: Lilla Hatos
Tips: Was hast Du am 11. September gemacht?
Helga Traxler: Ich war bis am Abend daheim in Brooklyn/ Williamsburg. Abends war ich mit Freunden Essen. Von den Feierlichkeiten habe ich nicht wirklich was mitbekommen, aber die Betroffenheit hat man überall gespürt. Meine Eltern haben sich große Sorgen gemacht, weil Autobomben angekündigt waren. Diese Angst hat man auf jeden Fall gemerkt: Es war ruhiger auf den Straßen als sonst, viele sind daheimgeblieben. Ich habe mir aber keine großen Sorgen gemacht. Wenn was passiert, kann ich ja auch nichts dagegen machen.
Tips: Kannst Du dich an den 11. September 2001 erinnern?
Helga Traxler:Das war erstens mein Namenstag und zweitens habe ich an diesem Tag meinen Führerschein gemacht. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich daheim den Fernseher eingeschaltet habe. Diese Bilder sind noch immer im Kopf. Es ist unglaublich, dass das schon zehn Jahre her ist. Es fühlt sich an, als ob es gestern gewesen wär. Voriges Jahr war ich am Ground Zero. Die emotionale Stimmung dort lässt einen nicht kalt, auch wenn man persönlich nicht betroffen ist und jemanden verloren hat. In New York war es natürlich das Thema Nummer eins: Alle Zeitungen waren voll damit. Aber für mich sind das zwei Welten, die Katastrophe und die Fashion-Shows.
Tips: Hat die Mode- und Modelwelt, die man aus den Fernsehshows kennt, etwas mit der Realität zu tun.
Helga Traxler: Es kommt drauf an: Bei den ganz großen Designern läuft es sicher anders ab als bei uns. Ich fotografiere für den Stylisten John Tan, der Castings für die Shows macht. Ich porträtiere die Models, bevor die Designer sie auswählen, fotografiere Runways, Backstage und das ganze Drumherum. Es ist schon stressig, aber es herrscht eine angenehme Atmosphäre. Ich habe sicher ein Glück, dass ich gerade mit diesen Leuten zusammenarbeite, sie sind sehr zuvorkommend. Ich kriege aber auch nicht alles mit, was sich hier abspielt.
Tips: Du hast auch Anna Wintour getroffen. Wie war die Begegnung mit der Vogue-Chefin, die als eine der mächtigsten Frauen in der Modewelt gilt?
Helga Traxler: Alle waren ganz nervös und aufgeregt. Mein Stylist hat gemeint, ich soll ihr meine Visitenkarte geben. Das fand ich nicht ganz passend. Voriges Jahr, als ich das erste Mal für die Fashion-Week fotografierte, war ich anfangs von jeder Kleinigkeit überwältigt. Es macht mir noch immer viel Spaß. Aber wenn man mal weiß, wie man mit der Situation umzugehen hat, merkt man, dass alle nur mit Wasser kochen. Es sind ganz normale Leute.
Tips: Die Modewelt gilt als sehr oberflächlich. Kommt für Dich die Kunst nicht zu kurz?
Helga Traxler: Mode ist sicherlich schnelllebig und in gewisser Weise auch oberflächlich. Es wird eine Unmenge an Geld ausgegeben, aber das ist halt das Business. Super finde ich, dass man einen Einblick bekommt und Kontakte knüpfen kann. Die Moderichtung will ich schon beibehalten. Meine eigene fotografische Arbeit möchte ich aber nicht in den Hintergrund stellen und abseits vom Job Details ablichten, die ich für mich verwenden kann. Ideal wäre ein Mittelweg zwischen Kunst und Mode. Vor allem zum Geld verdienen.
Tips: Was kommt nach New York?
Helga Traxler: Das Thema der Masterarbeit steht fest, in den nächsten zwei Semestern muss sie fertig werden. Wo, das weiß ich noch nicht. Hierzubleiben wäre naheliegend, ich habe ein Visum für fünf Jahre. New York steht ganz hoch im Kurs, nicht nur wegen der Fashion-Week sondern wegen der Stadt an sich. Es macht Spaß, unterwegs zu sein. Man lernt viele nette Leute kennen. Andererseits: Die echten guten Freunde sind daheim
WINDHAAG. Zwei große Ereignisse, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, richten das weltweite Interesse auf New York: der zehnte Jahrestag der Terroranschläge und die Mercedes Benz Fashion Week, eine...
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