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Eine Geschichte vom Anderssein und davon, dass Musik Mut macht

Tips Redaktion   Claudia Natschläger aus Vorderweißenbach, Tips Redaktion, erstellt am 27.08.2012, 16:00 Uhr


Hier ist Rhythmus gefragt: Thomas Reiter, Christoph Kremser, Lukas Gallhammer und Betreuer Stefan Vogt (v. l.) tanzen und musizieren gemeinsam. Fotos: Landeck

Eingespieltes Team: Thomas Rössner, Thomas Reiter, Christoph Kremser, Markus Klambauer und Lukas Gallhammer musizieren gemeinsam im Takt.  

GALLNEUKIRCHEN. Humor gehört zum Leben wie das Salz in die Suppe. Und so lachen, scherzen und witzeln die sechs Mitglieder der diakonischen Trommelgruppe während ihrer Probenstets nach Herzenslust. Sobald jedoch der erste Klang eines Taktstockes in einem der Gebäudetrakte auf dem Linzer Berg widerhallt, dann sind die sechs anwesenden Musiker mit geistiger oder körperlicher Behinderung plötzlich nur noch eines: hochkonzentriert.
Ins Leben gerufen wurde die Trommelgruppe, welche einen wesentlichen Baustein im Rahmen der umfassenden, therapeutischen Angebotspalette des Diakoniewerkes bildet, bereits im Jahre 1996 vom Musiktherapeuten Stefan Vogt: „Seitdem studieren wir einmal in der Woche eineinhalb Stunden lang gemeinsam unsere Stücke ein.“ Mit Erfolg: Im Jahre 2003 gewannen die Musiker aus der Diakonie sogar den Austrian Music Emotion Award. „Diese Preisverleihung war für uns alle natürlich ein Riesenereignis“, erzählt Vogt mit reichlich Stolz in der Stimme. Doch die sechs Diakonieklienten Lukas Gallhammer, Thomas Reiter, Thomas Rössner, Christoph Kremser, Benjamin Ennikl und Markus Klambauer trommeln nicht nur: Von Bass und Akustikgitarre begleitet, tanzen die Männer im Alter zwischen 21 und 35 Jahren sogar selbst kreierte Tänze zu gesungenen Liedern, beispielsweise zu dem Titel „Liebe macht mich ganz“. Drei der Mitglieder gehören der Gruppe bereits seit dem Jahre 1997 an. Und auch andere Instrumente wie Rasseln und Holzsticks kommen während ihrer gemeinsamen Proben zum Einsatz. Dass der augenscheinlich unbändige Spaß
der Gruppenteilnehmer an ihrer Musik nicht zuletzt auch einen überaus wertvollen, therapeutischen
Nutzen hat, liegt für Betreuer Vogt klar auf der Hand: „Die Konzerte ermöglichen es unseren Klienten mit Behinderungen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und ganz bewusst ihre eigenen Stärken zu zeigen - und dies fördert dann vor allem ihr Selbstbewusstsein.“ Viel Wert legen die Diakoniemitarbeiter darüber hinaus auf den persönlichen Entwicklungsprozess ihrer hauseigenen Musiker: „Wir wollen ganz gezielt auf die Bedürfnisse und vornehmlich auch auf die Wünsche unserer Klienten eingehen.“ Und da sich Wünsche und Bedürfnisse bekanntlich von Mensch zu Mensch unterscheiden, bieten die Mitarbeiter des Diakoniewerkes innerhalb ihrer Musik- und Tanztherapiesparte außerdem die Teilnahme an einer Tanzgruppe, einer Saxochordgruppe und einer Klangschalengruppe an. „Im Vergleich zu unserer Trommelgruppe besteht die Tanzgruppe zum Großteil aus Frauen - ganz typisch eben“, berichtet Vogt mit einem Lächeln. Doch nicht nur die Diakonieklienten, auch der Therapeut selbst profitiert tagtäglich maßgeblich aus der engen Zusammenarbeit mit seinen Trommlern: „Innerhalb der Gruppe habe ich viel dazugelernt, wenn es darum geht, sich akustisch ganz frei auszuleben.“ Musiktherapeutin Gerda Brock, welche die Gruppe seit zwölf Jahren zusätzlich betreut, ist nicht zuletzt immer wieder fasziniert von der Selbstbestimmtheit, dem Ideenreichtum und großem Engagement ihrer Schützlinge: „Es ist höchst beeindruckend und gleichzeitig berührend, wie unglaublich unbekümmert unsere Jungs stets auf die Bühne gehen.“ Eben dies sei durchaus nicht selbstverständlich, denn die sechs jungen Männer wurden allesamt mit dem Down-Syndrom geboren. Einige von ihnen müssen zudem mit einer Lernbehinderung oder mit Schwerhörigkeit zurechtkommen. „Deswegen mag so mancher ihnen eine derartige Professionalität zunächst gar nicht zutrauen“, vermutet Brock. Und doch: „Ich bin davon überzeugt, dass sich Menschen wie du und ich von dieser Truppe durchaus einiges abgucken können.“ Übrigens: Unter der Telefonnummer 07235/63251579 kann die Musikgruppe für externe Auftritte im Rahmen von Veranstaltungen und Festlichkeiten gebucht werden. Trommler Stefan Reiter jedenfalls freut sich bereits jetzt auf die nächste gemeinsame Probe: „Durch die Musik bin ich viel mutiger und letztlich ein richtig großer Mann geworden.“



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Eine Geschichte vom Anderssein und davon, dass Musik Mut macht

Ins Leben gerufen wurde die Trommelgruppe, welche einen wesentlichen Baustein im Rahmen der umfassenden, therapeutischen Angebotspalette des Diakoniewerkes bildet, bereits im Jahre 1996 vom Musiktherapeuten Stefan Vogt: „Seitdem...
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