Eine Geschichte vom Anderssein und davon, dass Musik Mut macht

Claudia Natschläger, Leserartikel, 27.08.2012 16:00 Uhr

GALLNEUKIRCHEN. Humor gehört zum Leben wie das Salz in die Suppe. Und so lachen, scherzen und witzeln die sechs Mitglieder der diakonischen Trommelgruppe während ihrer Probenstets nach Herzenslust. Sobald jedoch der erste Klang eines Taktstockes in einem der Gebäudetrakte auf dem Linzer Berg widerhallt, dann sind die sechs anwesenden Musiker mit geistiger oder körperlicher Behinderung plötzlich nur noch eines: hochkonzentriert.

Ins Leben gerufen wurde die Trommelgruppe, welche einen wesentlichen Baustein im Rahmen der umfassenden, therapeutischen Angebotspalette des Diakoniewerkes bildet, bereits im Jahre 1996 vom Musiktherapeuten Stefan Vogt: „Seitdem studieren wir einmal in der Woche eineinhalb Stunden lang gemeinsam unsere Stücke ein.“ Mit Erfolg: Im Jahre 2003 gewannen die Musiker aus der Diakonie sogar den Austrian Music Emotion Award. „Diese Preisverleihung war für uns alle natürlich ein Riesenereignis“, erzählt Vogt mit reichlich Stolz in der Stimme. Doch die sechs Diakonieklienten Lukas Gallhammer, Thomas Reiter, Thomas Rössner, Christoph Kremser, Benjamin Ennikl und Markus Klambauer trommeln nicht nur: Von Bass und Akustikgitarre begleitet, tanzen die Männer im Alter zwischen 21 und 35 Jahren sogar selbst kreierte Tänze zu gesungenen Liedern, beispielsweise zu dem Titel „Liebe macht mich ganz“. Drei der Mitglieder gehören der Gruppe bereits seit dem Jahre 1997 an. Und auch andere Instrumente wie Rasseln und Holzsticks kommen während ihrer gemeinsamen Proben zum Einsatz. Dass der augenscheinlich unbändige Spaßder Gruppenteilnehmer an ihrer Musik nicht zuletzt auch einen überaus wertvollen, therapeutischenNutzen hat, liegt für Betreuer Vogt klar auf der Hand: „Die Konzerte ermöglichen es unseren Klienten mit Behinderungen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und ganz bewusst ihre eigenen Stärken zu zeigen - und dies fördert dann vor allem ihr Selbstbewusstsein.“ Viel Wert legen die Diakoniemitarbeiter darüber hinaus auf den persönlichen Entwicklungsprozess ihrer hauseigenen Musiker: „Wir wollen ganz gezielt auf die Bedürfnisse und vornehmlich auch auf die Wünsche unserer Klienten eingehen.“ Und da sich Wünsche und Bedürfnisse bekanntlich von Mensch zu Mensch unterscheiden, bieten die Mitarbeiter des Diakoniewerkes innerhalb ihrer Musik- und Tanztherapiesparte außerdem die Teilnahme an einer Tanzgruppe, einer Saxochordgruppe und einer Klangschalengruppe an. „Im Vergleich zu unserer Trommelgruppe besteht die Tanzgruppe zum Großteil aus Frauen - ganz typisch eben“, berichtet Vogt mit einem Lächeln. Doch nicht nur die Diakonieklienten, auch der Therapeut selbst profitiert tagtäglich maßgeblich aus der engen Zusammenarbeit mit seinen Trommlern: „Innerhalb der Gruppe habe ich viel dazugelernt, wenn es darum geht, sich akustisch ganz frei auszuleben.“ Musiktherapeutin Gerda Brock, welche die Gruppe seit zwölf Jahren zusätzlich betreut, ist nicht zuletzt immer wieder fasziniert von der Selbstbestimmtheit, dem Ideenreichtum und großem Engagement ihrer Schützlinge: „Es ist höchst beeindruckend und gleichzeitig berührend, wie unglaublich unbekümmert unsere Jungs stets auf die Bühne gehen.“ Eben dies sei durchaus nicht selbstverständlich, denn die sechs jungen Männer wurden allesamt mit dem Down-Syndrom geboren. Einige von ihnen müssen zudem mit einer Lernbehinderung oder mit Schwerhörigkeit zurechtkommen. „Deswegen mag so mancher ihnen eine derartige Professionalität zunächst gar nicht zutrauen“, vermutet Brock. Und doch: „Ich bin davon überzeugt, dass sich Menschen wie du und ich von dieser Truppe durchaus einiges abgucken können.“ Übrigens: Unter der Telefonnummer 07235/63251579 kann die Musikgruppe für externe Auftritte im Rahmen von Veranstaltungen und Festlichkeiten gebucht werden. Trommler Stefan Reiter jedenfalls freut sich bereits jetzt auf die nächste gemeinsame Probe: „Durch die Musik bin ich viel mutiger und letztlich ein richtig großer Mann geworden.“

Artikel weiterempfehlen:

+ Jetzt verfassen

Kommentar verfassen






Feuerwehr Jugendcamp in Kirchschlag

Feuerwehr Jugendcamp in Kirchschlag

KIRCHSCHLAG. Für über 600 Jugendliche ging am Sonntag das dreitägige Feuerwehr-Jugendcamp in Kirchschlag zu Ende. Feuer – Wasser – Erde – Luft war das Motto für ein Camp voller Spiele, Abendteuer ... weiterlesen »

Ritterliches Vergnügen

Ritterliches Vergnügen

OBERNEUKIRCHEN. Das Mittelalter stand kürzlich im Rahmen des Ferienprogrammes Sommer Aktiv³ der Marktgemeinde bei den Ritterspielen auf der Ruine Waxenberg im Mittelpunkt. weiterlesen »

Polizei: „Dienstposten, die es nur auf dem Papier gibt, helfen nicht mehr als Pappkameraden“

Polizei: „Dienstposten, die es nur auf dem Papier gibt, helfen nicht mehr als Pappkameraden“

URFAHR-UMGEBUNG. Das Innenministerium hat jetzt auf Anfrage der SPÖ die fehlenden Polizeikräfte auf allen oberösterreichischen Polizeidienststellen bekannt gegeben. In Urfahr-Umgebung fehlen insgesamt ... weiterlesen »

Betrunkener Autolenker kollidierte mit Leichtmotorrad

Betrunkener Autolenker kollidierte mit Leichtmotorrad

BEZIRK URFAHR-UMGEBUNG. Weil er einem Nachbarn zuwinkte, kam ein 49-Jähriger aus Zwettl an der Rodl am 23. Juli gegen 10.15 Uhr mit seinem PKW auf dem Güterweg Innernschlag, Gemeinde Zwettl, über die ... weiterlesen »

Bei Arbeiten über drei Meter hohe Mauer abgestürzt: schwer verletzt

Bei Arbeiten über drei Meter hohe Mauer abgestürzt: schwer verletzt

BEZIRK URFAHR-UMGEBUNG. Bei Arbeiten an einem alten Holzzaun in Puchenau stürzte am 21. Juli vormittags ein 62-Jähriger aus Kirchham über die drei Meter hohe Gartenmauer auf die darunter vorbeiführende ... weiterlesen »

Sommerpflege für die Haut

Sommerpflege für die Haut

BEZIRK URFAHR-UMGEBUNG/OBERÖSTERREICH. In den heißen Sommertagen benötigt der menschliche Körper intensive Feuchtigkeit. Behandlungen wie Fußpflege und Haarentfernung sind in der heißen Jahreszeit ... weiterlesen »

Gleitschirmfliegen: Clubmeisterschaft

Gleitschirmfliegen: Clubmeisterschaft

GRAMASTETTEN/OTTENSHEIM. Gerhard Steininger aus Ottensheim und Stefan Haider aus Gramastetten waren bei der Clubmeisterschaft des ersten Mühlviertler Gleitschirmclubs Hang Loose erfolgreich weiterlesen »

Ein Verletzter durch Blitzeinschlag in Einfamilienhaus

Ein Verletzter durch Blitzeinschlag in Einfamilienhaus

BEZIRK URFAHR-UMGEBUNG. Ein 47-Jähriger aus Waxenberg wurde bei einem Blitzeinschlag in ein Einfamilienhaus verletzt. weiterlesen »


Wir trauern