Der Biber macht die Bauern narrisch

Petra Hanner Petra Hanner, Tips Redaktion, 17.04.2017 06:00 Uhr

BEZIRK ROHRBACH. Der Biber macht es sich im Bezirk gemütlich. Es könnte fast idyllisch sein, doch für viele Landwirte bedeutet es nicht nur ein Ärgernis wegen der angenagten und gefällten Bäume, es ist auch gefährlich. Die Bauern fühlen sich mit diesem Problem von den Behören im Stich gelassen.

Beim Lokalaugenschein an der Steinernen Mühl zwischen Helfenberg und Haslach wird es offensichtlich: Ein angenagter Baum nach dem anderen. Und doch ist das nicht das einzige Problem, mit dem die Landwirte kämpfen. Auf einem Fleck Wiese direkt neben dem Fluss ist Erdreich eingefallen. Der Grundbesitzer erzählt: „Hier hat der Biber eine Höhle in die Uferwand gebaut, die eingesackt ist. Mit dem Traktor bin ich schon mehrmals über solche Höhlen gefahren, die plötzlich nachgeben. Gott sei Dank ist bisher noch nichts Schlimmes passiert aber was, wenn der Traktor umstürzt, in die Michl reinfällt und vielleicht noch Öl austritt? Das wäre eine Katastrophe!“ Tatsächlich befinden sich entlang des Flussufers viele Wege.

„Werden an den Pranger gestellt“

Er und einige seiner Nachbarn hätten sich schon zig-Male bei der Bezirkshauptmannschaft und beim Land beschwert, doch sie würden nur von einem zum Nächsten verwiesen. „Wir werden nicht richtig ernst genommen und wenn wir dann etwas tun um den Biber zu vertreiben werden wir an den Pranger gestellt“, kritisieren die Landwirte.

Sachliche Diskussion nötig

Verständnis für die Situation der Bauern hat der Biber-Koordinator des Landes Oberösterreich, Bernhard Schön: „Es ist natürlich ein Ärgernis für die Landwirte. Der Biber ist streng geschützt und ihn einfach verschwinden lassen, das geht nicht. Die Bezirkshauptmannschaft kann auch nicht mehr tun als der rechtliche Rahmen zulässt und da schaukeln sich die Emotionen schon mal auf. Wir müssen versuchen, die Diskussion wieder auf eine sachliche Ebene zu bringen und dann so schnell wie möglich die Probleme lösen.“ Ansprechpartner für die Bauern seien zu allererst die Bezirksbeauftragten an den Bezirkshauptmannschaften. Bei Problemen mit den Bibern sind sie angewiesen, die Schäden vor Ort zu begutachten und Maßnahmen vorzuschlagen.

Es dem Biber ungemütlich machen

Geeignete Maßnahmen seien beispielsweise Gitter und Anstriche bei Baumstämmen. Das Mittel zum Anstreichen gibt es vom Land OÖ gratis. Auch Elektrozäune rund um Felder halten den Biber fern. Wenn es der Gewässerschutz erlaubt, können Steinschlichtungen an Uferböschungen es dem Biber schwerer machen, Höhlen zu bauen. Auch das Fällen der Bäume und Sträucher entlang des Ufers ist erlaubt, solange es sich nicht um ein Schutzgebiet handelt. „Allerdings ist das eine weniger weitsichtige Maßnahme, denn dann verlagert sich das Problem nur.“ Für die betroffenen Landwirte gibt es auch die sogenannte Biberprämie, die mit 100 Euro pro betroffenen Hektar und pro Jahr fünf Jahre lang ausbezahlt wird. Schön ist sich bewusst: „Das ist kein echter Schadenersatz aber zumindest eine kleine Anerkennung für die Duldung des Bibers.“

Mit Biber leben lernen

Die Probleme mit den Mulden durch eingefallene Biberhöhlen sind dem Biberkoordinator bekannt. Hier kann er nur empfehlen: „Langsam fahren, wenn möglich Abstand zum Gewässer halten und das Risiko einkalkulieren. Auch wenn es ärgerlich ist, die Landwirte werden lernen müssen, mit dem Biber zu leben.“

 

Link zum Merkblatt für Bibermanagement in OÖ: Land Oberösterreich

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