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Junge Studentin arbeitet für drei Monate bei Straßenkinder-Projekt

Katherina Held aus Horn, erstellt am 22.02.2012, 12:00 Uhr


 

RÖSCHITZ/NAIROBI. Im Jänner startete Kerstin Krottendorfer aus Röschitz ihr Abenteuer in Afrika. Gemeinsam mit einer Studienkollegin absolviert sie ihr Berufspraktikum in Nairobi.
Die 21-Jährige studiert im 4. Semester in Linz an der Fachhochschule im Bachelorstudiengang Soziale Arbeit. Noch bis Anfang April ist Krottendorfer in South B, in Süden Nairobis. „Ich wollte eigentlich schon nach der Matura für ein paar Monate nach Afrika oder Lateinamerika, doch leider ergab sich nichts und so beschloss ich ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen. Danach begann ich in Linz zu studieren und im Rahmen des Studiums bot sich die Chance meinen Wunsch zu erfüllen. Gemeinsam mit meiner Studienkollegin Manuela Hiebl entschied ich mich für das Land Kenia, und dass wir unser Praktikum über die DKA-Dreikönigsaktion machen", erzählt die Studentin.

Sozialarbeit im Slum

Krottendorfer arbeitet im Mukuru Slum Development Project (MSDP), welches eine der Institutionen ist, die für den Mukuru Slum (Armenviertel) und die angrenzenden informellen Siedlungen zuständig ist. Dort ist sie dem sogenannten „Halfway House" Projekt zugeteilt. „Im Halfway House sind etwa 20 Burschen im Alter von acht bis 16 Jahren, die zuvor auf der Straße gelebt haben. Die Burschen sind insgesamt sechs Monate im Halfway House und werden nach dem Aufenthalt wenn möglich wieder in ihre Familien integriert oder in anderen Projekten untergebracht. Gemeinsam mit den Eltern wird versucht, dass die Burschen wieder in die Schule gehen und ihnen somit eine Möglichkeit auf eine gute Zukunft gegeben. Sie können eine informelle Schule besuchen und haben ein Beratungsangebot. Natürlich haben sie im Gegensatz zur Straße einen Platz zum Schlafen, wo sie täglich warmes Essen bekommen."

Im Laufe ihres Praktikums ist die Studentin nicht nur für die Freizeitgestaltung der Burschen zuständig, sie ist auch bei der Integration der jungen Männer in die Familien, bei Beratungsgesprächen und bei der Erledigung von organisatorischen Dingen mit dabei.

Untergebracht sind die Studentinnen gemeinsam mit zwei weiteren Österreicherinnen und einer Schweizerin im Hospitality House der DKA. Versorgen müssen sie sich selber. Dort gefällt es Krottendorfer sehr gut: „Wenn man am Abend nach Hause kommt, hat man immer jemanden mit dem man reden kann. Ich glaube, dass ist besonders wichtig, dass man sich über bestimmte Vorkommnisse austauscht!"

Beeindruckt ist Krottendorfer nicht nur von der Landschaft Kenias, auch von den Einwohnern fühlt sie sich gut aufgenommen. „Die Leute in Kenia sind alle sehr nett und zuvorkommend. Als Weißer zieht man allerdings sehr viel Aufmerksamkeit auf sich und man wird oft angesprochen. Das kann natürlich auch sehr anstrengend sein."

Noch vermisst die Röschitzerin ihre Heimat nicht. „Ich kann für mich sagen, dass die drei Monate genau richtig sind. Man kann sich in diesem Zeitrahmen gut an das Leben hier gewöhnen und lernt die Kultur kennen." Länger würde sie allerdings nicht bleiben wollen, denn dann wäre der Abschnittsschmerz von ihrem Freund, „der leider nicht in den Koffer gepasst hat", zu groß.

Besonders auffallend ist für Krottendorfer die große Armut die in Kenia herrscht. „Es gibt hier sehr viele Arbeitslose (etwa 80 Prozent). Das Leben ist für arme Menschen sicherlich sehr hart. Leider gibt es davon sehr viele."

Ein weiterer grober Unterschied herrscht in der Stellung der Frauen. „Von ihnen wird erwartet, dass sie für Kinder, Kochen, Waschen und Haus zuständig sind und der Mann der Hauptverdiener ist. Ein Thema in diesem Zusammenhang ist die Polygamie. Obwohl es in den letzten Jahren nicht mehr so gängig ist, haben die Männer oftmals mehrere Frauen und somit auch sehr viele Kinder. Das Problem dabei ist aber, dass der Ehemann die eine Frau einfach zurück lässt und sich eine andere sucht. Somit muss sie schauen, wie sie sich, mit meistens mehr als vier Kindern, alleine durchschlägt."

Berührende Momente

Trotz der großen kulturellen Unterschiede hat Krottendorfer schon viele unvergessliche Momente erlebt. „Das schönste Erlebnis war bis jetzt in der Arbeit. Da in den letzten Wochen gerade die Reintegration in die Familien stattgefunden hat und die Burschen wieder die Schule beginnen, sind sie sehr stolz darauf, wenn sie zum ersten Mal ihre Schuluniform anziehen können und sich auf den Weg in die Schule machen. Es ist sehr berührend zu sehen, wie sie nach einer harten Zeit auf der Straße wieder ins normale Leben zurückgehen und die Chance auf eine gute Zukunft bekommen.

 
 



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