Zehn Jahre nach dem Hochwasser steht die Dankbarkeit im Mittelpunkt

Katherina Held, Leserartikel, 09.08.2012 10:54 Uhr

BEZIRK. Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, dass sich der Bezirk von einer nie dagewesenen Naturkatastrophe bedroht sah. Was sich wie das Drehbuch eines Hollywood Films liest, war traurige Realität, die zahlreiche Familien um ihr Hab und Gut brachte.

In der Nacht von 6. auf 7. August 2002 gehen starke Unwetter nieder. Straßenzüge werden gesperrt, unzählige Keller müssen ausgepumpt werden. Beim Stausee Dobra wird verstärkt Wasser abgelassen. Noch glaubt man an lokale Unwetter, niemand ahnt etwas von der bevorstehenden Katastrophe. Am 7. August gehen im Wald¬iertel die starken Niederschläge unvermindert weiter. Für alle Feuerwehren des Kamptales gilt erhöhte Alarmstufe, von den Kraftwerken im Bereich Ottenstein müssen weitere Wassermengen abgelassen werden. Eine Flutwelle droht über das Kamptal hereinzubrechen. Rund 2000 Freiwillige Feuerwehrmitglieder sind im Einsatz. In der Nacht zum 8. August kommt es tatsächlich zur befürchteten Flutwelle. Der Bezirk erlebt eine noch nie da gewesene Naturkatastrophe. Innerhalb weniger Stunden ergießt sich die Normalregenmenge eines ganzen Monats, insgesamt regnet es ein Drittel der Jahresniederschlagsmenge. Die Wassermassen spülen Straßen und Brücken weg, Menschen werden in Häusern eingeschlossen. Gars steht unter Wasser, die Telefonnetze brechen zusammen. Die Bevölkerung wird aufgefordert, bei medizinischen Notfällen die örtliche Feuerwehr zu kontaktieren, die über Funk Hilfe herbeiholen kann. Am 9. und 10. August haben die Regenfälle etwas nachgelassen – das Wasser im Kamptal zieht sich teilweise zurück und erst jetzt wird das Ausmaß der Katastrophe sichtbar. Im oberen Kamptal sind die Aufräumungsarbeiten voll im Gange. Kräfte aus dem Burgenland, der Steiermark und sogar aus Tschechien kommen zu Hilfe. Tausende Freiwillige helfen der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten, die teilweise vor den Trümmern ihrer Existenz steht. Mit Hochleistungspumpen wird versucht, das Wasser einigermaßen zu entfernen. Die Hilfsbereitschaft ist enorm, nicht nur von Feuerwehren aus ganz Österreich, auch private Helfer kommen mit Schaufeln und Besen in das Krisengebiet. In Spitzenzeiten sind über 7000 Feuerwehmänner gleichzeitig im Einsatz. Noch sind die Kräfte gut motiviert, niemand kann sich vorstellen, dass das noch nicht das Ende der Katastrophe war.Neuerliche starke Regenfälle am 11. August lassen eine zweite Flutwelle befürchten. Frustration macht sich unter den Helfern breit, die Aufräumungsarbeiten waren bereits gut vorangeschritten. Da die elektronischen Systeme ausgefallen sind, werden die Pegelstände des Kamp von den Feuerwehren abgelesen.12. August, ein Ende der Regenfälle ist nicht in Sicht. Im Kamptal kommt es zu einigen kritischen Situationen bei drohenden Dammbrüchen, die aber glimpflich enden. Am 13. August bereitet eine potentielle Überflutung aus Tschechien Sorgen: Beim Stausee Vranov werden größere Wassermassen abgelassen, die Pegel steigen und damit wird die Situation immer schwieriger. Drosendorf wird zum Katastrophengebiet erklärt. In den Abendstunden beginnt im Kamptal der Pegelstand zu sinken, erneut starten dort die Aufräumarbeiten.14. August, nach einer Woche Katastropheneinsatz liegen die Nerven der zahlreichen Einsatzkräfte und der Bevölkerung blank.Bis 18. August gehen die Pegelstände zurück, ein großes Aufat¬men macht sich breit, die Katastrophe ist überstanden.Zehn Jahre später sind die Nachwirkungen immer noch zu spüren, bei jedem Starkregen macht sich die Angst breit. Trotzdem steht vorallem die Dankbarkeit im Vordergrund. Dankbarkeit gegenüber den zahlreichen unermüdlichen Einsatzkräften und Freiwilligen, die den Betroffenen zur Seite standen. GedenkgottesdienstSo auch in Steinegg. Zweimal musste die kleine Ortschaft am Kamp evakuiert werden. Die Blaulichtorganisationen arbeiteten unermüdlich, der Zusammenhalt unter der Bevölkerung war groß. Am 4. August 2012 trafen sich Einwohner und Abgeordnete der umliegenden Feuerwehren im Gasthaus Dunkler um sich in einem Gedenk- und Dankesgottesdienst der Katastrophe und der damaligen Hilfestellung zu besinnen. Besonders bedankten sich Ortsvorsteher Klemens Kofler und Altenburg-Bürgermeister Markus Reichenvater bei den Feuerwehrleuten. „Man darf nicht vergessen, dass sie unter Einsatz ihres Lebens gearbeitet haben“, betont Kofler. Auch BR Thomas Nichtawitz, Leiter des Verwaltungsdienstes im Bezirksfeuerwehrkommando, ist mit der Leistung der Florianijünger zufrieden. „Ich bin stolz auf unsere Mannschaft, die damals unermüdlich gekämpft hat“, betonte er bei seiner Rede, in der er auch auf die Tatsache hinwies, dass die Feuerwehren nun besser auf eine etwaige Katastrophe vorbereitet wären. „Wir haben viel daraus gelernt!“ So wurde etwa niederösterreichweit das Prognosemodell verbessert, Höhenmodelle erstellt und Großeinsatzgerätschaften angeschafft.Trotz allem spricht Bürgermeister Reichenvater wohl allen aus der Seele als er abschließend seinen Wunsch für die Zukunft ausspricht: „Viele Jahrzehnte ohne Katastrophen!“

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