Schmugglerserie: Erstrebenswerte Anstellung bei der Zollwache

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 12.05.2012

GRENZLAND. In Zeiten, als noch geringe Möglichkeit bestand, eine Staatsanstellung zu erlangen, war die Anstellung bei der Zollwache sehr erstrebenswert.

Darüber berichtete auch der ehemalige Schriftsetzer der Pressvereinsdruckerei in Rohrbach, Leopold Sieß. Er war gebürtiger Aschacher und schloss 1870 in Wels die Schriftsetzerlehre ab. Anschließend leistete er den damals verpflichtenden dreijährigen Militärdienst ab, der ihn auch zu Einsätzen gegen die Aufständischen in Bosnien führte. Nachdem er sich dabei im Kampf außergewöhnlich gut bewährte, wurde er mit der Großen Silbernen Tapferkeits-Medaille ausgezeichnet. Diese Auszeichnung bevorzugte ihn bei der Erlangung einer sicheren Staatsanstellung in der Zollwache. Enttäuscht von der schlechten Bezahlung wandte er sich aber wieder seinem erlernten Beruf zu.Für die wirtschaftlichen Verhältnisse der Staatsbeamten damals ist folgender Spruch bezeichnend: Sie haben am Monatsersten nichts, auch am letzten nichts, aber was sie bekommen, das ist wirklich fix. Leopold Sieß betätigte sich daneben auch schriftstellerisch und gilt seither als der erste Erzähler von Mühlviertler Sagen in der Lokalzeitung. Nach dem Zerfall der Mo-narchie am Ende des Ersten Weltkrieges waren es ehemalige Soldaten, die zur Zollwache aufgenommen wurden und sich über ihre schlechte Bezahlung keineswegs beklagten. Sie hatten in der Notzeit nach dem Krieg weder Arbeitslosigkeit noch Inflation zu befürchten. Nach dem Anschluss an NS-Deutschland im Jahr 1938 mussten die älteren Zollbeamten an der Ostgrenze des Deutschen Reiches Dienst verrichten, während die jüngeren zur Wehrmacht eingezogen wurden. Am Ende des Zweiten Weltkrieges besetzte der neu errichtete Staat Österreich ein Jahr lang keine Grenzen. In dieser Zeit warb zum Eintritt in die Zollwache die Finanzlandesdirektion bei ehemaligen Soldaten, die aus der Gefangenschaft heimgekehrt waren. Die Sowjets beherrschten daher im Mühlviertel seit August 1945 allein die Bayerngrenze. Erst im Juni 1946 tauchten in Kollerschlag die ersten „Finanzer“ auf. Sie hießen Burger, Hofer und Schedlberger. Abteilungsleiter war Johann Huber. Sie trugen eine auffällig gelbe Uniform. Die Russen erlaubten ihnen keine Bewaffnung. Zehn Jahre verstrichen, ehe im Sommer 1955 die Zollwache wieder allein Herr über die Grenze wurde. In diesem Jahr erhielt Österreich den Staatsvertrag und war seit 1938 endlich wieder ein freier Staat.   Hinweis: Wer noch Geschichten vom früheren Leben an der Grenze weiß, wendet sich an: Franz Saxinger, Kollerschlag,Tel. 0676/528 7025E-Mail: [email protected]  

Artikel weiterempfehlen:

Kommentare sind für diesen Beitrag deaktiviert.




Fußballturnier: Es geht wieder um den Audi-Cup

Fußballturnier: Es geht wieder um den Audi-Cup

ALTENFELDEN. Zum sechsten Mal wird am Wochenende der Granitland Audi-Cup auf dem Altenfeldner Fußballplatz ausgetragen. weiterlesen »

Lern- und Spaßwochen für Kinder im Mühlviertel

Lern- und Spaßwochen für Kinder im Mühlviertel

ROHRBACH. Die Familienakademie Mühlviertel organisiert im Bezirk Rohrbach Lern- und Spaßwochen für Kinder, um den Lernstoff in den Hauptgegenständen in lockerer und lustiger Atmosphäre aufzufrischen. ... weiterlesen »

Lernen in Bewegung: Im Kosmotorik-Park holte sich das Gymnasium neue Ideen

Lernen in Bewegung: Im Kosmotorik-Park holte sich das Gymnasium neue Ideen

ROHRBACH-BERG. Anregungen für einen bewegten Unterricht am Gymnasium holten sich Schüler der fünften Klassen im Kosmotorik-Park in Traunkirchen. weiterlesen »

Weite Heimreise aus Bolivien zur MaPaKi-Fiesta zahlt sich aus

Weite Heimreise aus Bolivien zur MaPaKi-Fiesta zahlt sich aus

HASLACH. Den Charakter eines Familienfestes bekommt die MaPaKi-Fiesta, die am 29. und 30. Juli im Pfarrzentrum Haslach steigt. Martin Berndorfer, Gründer und Motor der Hilfsorganisation Maya Paya Kimsa, ... weiterlesen »

Schreckliches Szenario entpuppte sich als Unfall mit Schrottautos

Schreckliches Szenario entpuppte sich als Unfall mit Schrottautos

ROHRBACH-BERG. Ein umgekippter Lastwagen, mehrere kaputte PKWs auf der Straße oder im Seitengraben: Als die Feuerwehr Rohrbach gestern zu einem Unfall auf der B38 gerufen wurde, bot sich den Kameraden ... weiterlesen »

Alle Ausflugsziele auf einen Blick: Freizeitmagazin umfasst die ganze Region Donau-Böhmerwald

Alle Ausflugsziele auf einen Blick: Freizeitmagazin umfasst die ganze Region Donau-Böhmerwald

BEZIRK ROHRBACH. Auf die unzähligen Ausflugsziele, die es im Bezirk zu entdecken gibt, wollen die acht Wirte der Gastroszene Donau-Böhmerwald aufmerkam machen. Sie arbeiten an einem Freizeitmagazin, ... weiterlesen »

Nach Jobbörse konnten drei von zwölf Stellen in der Gastronomie besetzt werden

Nach Jobbörse konnten drei von zwölf Stellen in der Gastronomie besetzt werden

ROHRBACH-BERG. Die erste Jobbörse Gastronomie hat sich ausgezahlt: Mehr als 30 Bewerber absolvierten 43 Bewerbungsgespräche bei acht Gastronomiebetrieben aus dem Bezirk Rohrbach. Drei der insgesamt zwölf ... weiterlesen »

Breitband wird in ländlichen Regionen zur Überlebensfrage

Breitband wird in ländlichen Regionen zur Überlebensfrage

BEZIRK ROHRBACH. Die Digitalisierung kann sich nur voll entfalten, wenn auch die Rahmenbedingungen passen, ist man bei der Wirtschaftskammer überzeugt. Gerade in ländlichen Regionen wird die Versorgung ... weiterlesen »


Wir trauern