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„Fotografien sind ganz nett, aber Malerei ist viel, viel besser“

Tips Redaktion   Valerie Himmelbauer aus Linz, Tips Redaktion, erstellt am 25.07.2012, 00:00 Uhr


Sean Scully stellt 44 Gemälde und sieben seiner Fotografien im Lentos aus. F: Sean Scully  

Nach mehr als zehn Jahren kehrt einer der international anerkanntesten zeitgenössischen Maler Sean Scully mit einer Ausstellung ins Linzer Kunstmuseum Lentos zurück. 44 Gemälde und sieben Fotografien des Künstlers erwarten bei der Retrospektive im großen Saal.
Scullys großformatige, manchmal mehrteiligen Gemälde und seine Bild-in-Bild-Kombinationen gehören zu den Ikonen der abstrakten Malerei des 20. und 21. Jahrhunderts. Einen umfangreichen Querschnitt durch das Schaffen des in Irland geborenen, heute in New York City, Barcelona und Bayern lebenden Künstlers bietet das Lentos bis 7. Oktober. Bereits 1997 fand in der Neuen Galerie der Stadt Linz (heute Lentos Kunstmuseum Linz) die erste österreichische Einzelausstellung von Sean Scully statt. „Eine Ausstellung wie diese Retrospektive von Sean Scully hat es bis jetzt in Österreich noch nicht gegeben. Trotz seiner internationalen Bedeutung wurde er in Österreich bis jetzt noch nicht genug gewürdigt. Deshalb holen wir dies mit der aktuellen Schau nach. Es ist eine große Ausstellung, die in dem großen Saal im Obergeschoss so richtig zur Geltung kommt“, freut sich Lentos-Direktorin Stella Rollig über die Ausstellung. Ein Werksverzeichnis mit über 1200 Gemälden machte die Auswahl schwer, erst mit der Unterstützung des Künstlers wurden die gezeigten Werke für die Ausstellung in Linz ausgewählt. „Ich möchte mich auch noch einmal für die nicht übliche Großzügigkeit und Unterstützung von Sean Scully bedanken. Er hat uns ein Gemälde geschenkt. Bislang hatte das Lentos ein Scully-Bild. Heute wären seine Bilder, selbst für den Lentos-Freundeskreis, der das erste Scully-Bild erworben hat, nicht mehr erschwinglich“, so Rollig und erzählt über den Künstler: „Sean Scully gibt kein mediatisiertes Bild wieder, sondern das erlebbare Bild interessiert ihn. Oft wird in seinem Zusammenhang von Melancholie gesprochen – Tod, Trennung, das Leben kommen in seinen Werken vor, aber immer durch Zuversicht unterstützt. Scullys Werk ist ein warmes Werk, mit Emotionen aufgeladen, mit seiner Erfahrung, Lebensbejahung und das macht seine Werke aus, sie sind nämlich seltene Vorkommnisse bei abstrakter, geometrischer Malerei“.

Persönliche Note
Stolz ist auch Kuratorin Brigitte Reutner, denn bei der Ausstellung handelt es sich, wie auch der Name belegt, um eine Retrospektive – eines seiner ersten Werke ist ebenso wie das Schlüsselwerk aus 1969 ausgestellt sowie auch neue oder noch nie ausgestellte Bilder bis ins Jahr 2008. „Scullys Weiterentwicklung ist in unserer Ausstellung besonders gut erkennbar. Geometrische, abstrakte Malereien setzte er zu Beginn mit der Methode von Abdeckbändern um. Gezeigt werden zudem aktuelle, großformatige Arbeiten des Künstlers auf dem Material Aluminium, das für eine besondere Qualität in der Malerei steht“, erzählt Reutner begeistert und erklärt weiter: „Während den Vorbereitungen zur Ausstellung haben wir den Künstler um seine persönlichen Statements zu jedem einzelnen Bild gebeten, die im Saal nachzulesen sind. Dadurch erhält die Ausstellung einen besonders persönlichen Charakter.“

Geometrische Kunst
In Scullys Frühwerk erzeugt ein Rastersystem, in dem sich Farbstreifen mehrfach überlagern, ungewöhnliche, optische Effekte. Harte Kanten werden malerisch unterwandert, Konturen verschwimmen ineinander, ein Flimmern ist erkennbar. Zu den neueren Serien des Künstlers zählen „Wall of Light“ und „Cut Ground“, in denen der Farbe als Medium des Lichts eine gesteigerte Bedeutung zukommt. „Meine Werke sind mit einer großen Sensibilität ausgestattet, sie könnten von einem Mann oder einer Frau geschaffen worden sein. Sie haben einen sanften Touch. Ich male extrem romantisch, mit sanften Ecken. Sie sind Teil der Beziehung, wie die Welten aufeinanderstoßen“, so Sean Scully. Scully wählt seine Farben aus dem Gedächtnis nach Dingen, die er gesehen und selbst erfahren hat. Der exakte Farbton entsteht in Nass-in-Nasstechnik direkt auf der Leinwand. Zwischen 1990 und 2002 entstanden während der Reisen des Künstlers zudem Fotografien, von denen sieben in der Lentos-Ausstellung als Ergänzung zu den Malereien gezeigt werden. Die Fotos von frontal gesehenen Häuserfassaden schaffen eine Verbindung zwischen der realen Dingwelt und den abstrakten Gemälden des Künstlers. „Ich habe keine großformatigen Fotografien gemacht, das muss auch nicht sein. Bei meinen Fototouren bin ich interessiert an Bauten, denen man die Zeit ansieht, es geht nicht um großartige Architektur. Dadurch ergeben sich starke Beziehungen von den Fotografien und den Kleinformaten. Heute fotografiere ich meist mit meiner Handykamera, es sind Impressionen und Expressionen meiner Interessen. Es sind Fotografien, die wie Zeichnungen aussehen. Fotografien sind ganz nett, aber Malerei ist viel, viel besser“, so der Künstler.

Tierische Begegnung
Wer sich wundert, warum direkt unter dem Kunstwerk „Grey Wolf, 2007“ im Lentos ein Miniaturwolf wacht, findet im Saaltext dazu die persönliche Erklärung: „Ich fuhr durch die Pyrenäen in Frankreich und musste eine Toilettenpause einlegen. Als ich im finsteren Wald stand, schaute mich ein Wolf an. Ich wollte dem kurzen Moment der Freundschaft, den ich mit dem wunderschönen Tier hatte, Tribut zollen. Das ist der graue Wolf“, so Sean Scully. Die Entstehung des Gemäldes wurde anhand des Films „Grey Wolf“ von Hans A. Guttner dokumentiert. Die Uraufführung des Filmes findet im Lentos am 26. Juli um 19 Uhr statt, im Anschluss führt Kuratorin Brigitte Reutner durch die Ausstellung. Unter http://app.lentos.at kann man sich ein mobiles Service für Smartphones zur Ausstellung downloaden.
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„Fotografien sind ganz nett, aber Malerei ist viel, viel besser“

Scullys großformatige, manchmal mehrteiligen Gemälde und seine Bild-in-Bild-Kombinationen gehören zu den Ikonen der abstrakten Malerei des 20. und 21. Jahrhunderts. Einen umfangreichen Querschnitt durch das...
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