Beratungsstelle LENA: Hilfe zur Selbsthilfe für Sexualdienstleister

Martina Kettner, Leserartikel, 05.08.2011 09:14 Uhr
LINZ. Die Beratungsstelle LENA der Caritas ist seit rund 15 Jahren Ansprechpartner für Menschen, die in der Prostitution arbeiten oder gearbeitet haben. Vom Linzer Büro aus kümmern sich fünf Mitarbeiterinnen um die Anliegen Betroffener.„Unser Angebot richtet sich an Menschen, die in der Prostitution beziehungsweise den sexuellen Dienstleistungen arbeiten oder gearbeitet haben. Völlig unabhängig von Nationalitäten, Herkunftsländern, Religionszugehörigkeiten oder sexuellen Orientierungen und Identitäten“, erklärt Elke Welser, die Leiterin der Beratungsstelle LENA.Vertraulich und kostenlosDas Angebot richtet sich auch an jene, die zwangsweise oder nicht registriert in der Prostitution tätig sind. „Die Inanspruchnahme unserer Arbeit ist absolut freiwillig, kostenlos und vertraulich. Alle Mitarbeiterinnen unterliegen der Verschwiegenheitspflicht“, stellt Welser fest.Ziel der Arbeit ist die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Menschen in den Sexualdienstleistungen.„Wichtig ist uns auch die öffentliche, sachliche Information und Diskussion zum Thema, anstelle weiterer Diskriminierung, Stigmatisierung, Kriminalisierung, Skandalisierung und Ausgrenzung von Sexualdienstleistern“, betont Welser.Mobile BeratungIhre Basis hat LENA in einem behaglichen Altbaubüro in der Steingasse. Gespräche finden entweder dort oder direkt in der Arbeits- und Lebenswelt der Frauen statt, denn die Mitarbeiterinnen von LENA leisten auch regelmäßig aufsuchende Sozialarbeit in Laufhäusern, Bordellen und Clubs. „Wir legen großen Wert auf diese kontinuierlichen Besuche, die sehr gut angenommen werden“, erklärt Welser. „Manchmal kommt es auch vor, dass Frauen, wenn sie an einen anderen Arbeitsort wechseln, uns einladen auch dort einmal vorbeizuschauen“, erzählt Welser, die mit ihren Mitarbeiterinnen solchen Einladungen gerne folgt, wenn es die Kapazitäten zulassen. Auch am Linzer Gesundheitsamt ist LENA bei den wöchentlichen Pflichtuntersuchungen anzutreffen.Ein offenes Ohr für alleDas Angebot von LENA wird zu über 90 Prozent von Frauen wahrgenommen. „Das liegt daran, dass wir im Zuge der aufsuchenden Sozialarbeit fast ausschließlich Frauen antreffen. In Laufhäusern auch mehr und mehr Transgender-Persönlichkeiten, denen unser Angebot natürlich genauso wie Männern offensteht“, sagt Welser.Die Anliegen der Betroffenen, die mit LENA in Kontakt treten, sind vielfältig. Die fast 700 Einzelberatungen im vergangenen Jahr drehten sich unter anderem um Themen wie Recht, Beziehung, Suchtgefährdung, Gesundheit, Familie, Gewalt, Verschuldung und sexuelle Dienstleistungen. „Auch das Gefühl der Wertlosigkeit, Perspektivenlosigkeit oder Probleme beim Umstieg in ein anderes Berufsfeld sind Themen, die wir mit den Betroffenen gemeinsam bearbeiten“, erzählt Welser.Bei Bedarf vernetzt sich LENA auch mit anderen Sozialberatungsstellen und begleitet die Klienten zu Terminen. Um die Lebens- und Arbeitsbedingungen für Sexualdienstleister zu verbessern, müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. „Wünschenswert wäre die Einführung eines Erstgesprächs zu Beginn der Tätigkeit, um umfassend zu informieren. Die Ausgliederung der gesetzlichen Regelung des Themenbereichs Prostitution aus dem Polizeistrafgesetz ist ein erster Schritt zur Entkriminalisierung“, sagt Welser.Bedarf an einer Reform des Sexualdienstleistungsgesetzes sieht auch Landtagsabgeordnete Maria Buchmayr (Grüne), die die Arbeit von LENA unterstützt.„Die Mitarbeiterinnen von LENA leisten gesellschaftlich enorm wichtige Arbeit. Sie sind für Menschen da, die von unserer Gesellschaft nur allzu gern an den Rand gedrängt werden und - ebenso wie ihre Tätigkeit - oft mit Anzüglichkeit, Herabwürdigung oder Ignoranz bedacht werden“, sagt Buchmayr.Lesung im HerbstAus den Tagebuchtexten von Sexualdienstleistern liest die Schauspielerin Julia Ribbeck am Donnerstag, 13. Oktober, um 19.30 Uhr in der Stadtwerkstatt. „Worüber keiner offen sprechen möchte - darüber schreiben wir“, lautet der Titel der Lesung, mit der LENA Raum für Informationsaustausch schaffen und das Thema Prostitution reflektieren möchte. Im Anschluss an die Lesung gibt es die Möglichkeit zur gemeinsamen Diskussion.  KontaktCaritas für Menschen in NotBeratungsstelle LENASteingasse 25/2. Stock4020 LinzTel: 0732/775508www.lena.or.at
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