Manfred Kielnhofers „Wächter der Zeit“ auf Ausstellungstour in Kassel

Valerie Himmelbauer Valerie Himmelbauer, Tips Redaktion, 25.07.2012

Mit seinen bekannten Kunstwerken „Wächter der Zeit“ bietet der Linzer Künstler Manfred Kielnhofer viel Interpretationsspielraum für den Betrachter. Derzeit befinden sich einige seiner Kunstwerke als Mahnmal vor dem Eingang der größten internationalen Kunstausstellung „Documenta“ in Kassel.

Mehrere leere, beleuchtete Hüllen in Form eines Mönches, einer geheimnisvollen verhüllten Gestalt oder vielleicht doch eher eines Geistes halten zurzeit im Namen von Manfred Kielnhofer Wache und zwar direkt vor dem Eingangstor der internationalen Kunstausstellung „Documenta“. Mit dem Friedrichsplatz in Kassel als Ausstellungsort hat der Künstler einen Platz gewählt, an dem jeder Besucher der Kunstausstellung vorbeikommt. „Früher war die Idee hinter dem Wächter der Zeit, dass er auf die Menschen aufpassen soll, mittlerweile bin ich der Meinung es gibt schon viel zu viele Menschen. Er soll doch lieber auf die Welt aufpassen, die immer häufiger von den Menschen zerstört wird“, erzählt der Künstler Manfred Kielnhofer. Seine Kunstwerke, die beleuchteten Hüllen in Menschenform aus gestärktem Kunstharz und Stoff, sollen Mahnmal, Erinnerung und Aufforderung an die Menschen sein, etwas zu ändern, bewusst zu leben, und stumm an Dinge erinnern, die man nicht vergessen sollte. Auf seinen internationalen Foto- und Ausstellungstouren, die sich gerade bis nach Kassel in Deutschland, Basel in der Schweiz, und demnächst nach Venedig in Italien erstrecken, setzt er seine Figuren in Szene, die seine Botschaft überbringen sollen:„Der Mensch hat heutzutage zu viel Macht und damit kann er die Welt zugrunde richten“, so der gesellschaftskritische Künstler. Zurzeit befinden sich einige seiner Wächter vor den Toren der internationalen Kunstausstellung „Documenta“ in Kassel. „Ich habe angesucht, ob ich meine Figuren aufstellen darf, mein Ansuchen wurde abgelehnt. Schließlich habe ich die Veranstalter informiert, dass ich meine Skulpturen trotzdem aufstellen werde, als Projekt. Nachdem es keine weitere Antwort oder Ablehnung gab, hab ich mein Vorhaben einfach in die Tat umgesetzt“, so der Objekt- und Lichtkünstler.Wächter als MahnmalZufälligerweise habe sich an dem Wächter-Standort eine Occupy-Bewegung angesiedelt, die sich mit einem Zeltlager direkt vor dem Eingang der Documenta niedergelassen habe. „Da ich die Anliegen der Besetzer gegen die Macht der Banken demonstrieren und ihre Kritik an der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich sowie die Enteignung der Bevölkerung gut nachvollziehen kann und mich mit diesen Anliegen identifzieren kann, habe ich gefragt, ob sie einen meiner Wächter zu sich ins Camp aufnehmen wollen“, so Kielnhofer. Der Wächter der Zeit unterstützt deshalb bis zum Ende der internationalen Kunstausstellung in Kielnhofers Namen die Anliegen der Occupy-Gruppe. Auch von Documentaleiterin Carolyn Christov-Bakargiev wurden die Figuren gutgeheißen und an dem Standort Friedrichsplatz bis 16. September akzeptiert. Insgesamt 40 Wächter, von denen auch einige in Linzer Galerien zu bewundern sind, habe der Künstler bis jetzt angefertigt.Mögliche Ähnlichkeiten zu religiösen Inhalten, die auf das Erscheinungsbild und die Form der Wächter zurückzuführen wären, sind vom Künstler insofern beabsichtigt, dass er Deutungsspielraum für seine Betrachter gerne zulässt. Von Religion hält Kielnhofer aber nichts: „Je mehr Religion einwirkt, umso mehr Probleme gibt es. Ich bin gegen die Religion allgemein, es gibt viele Nachteile dadurch. Aber jeder soll in meine Figuren hineininterpretieren was er will. Manche sehen einen Katholiken, andere einen Mönch, andere ein Gespenst. Ein Kind interpretiert wieder ganz etwas anderes in meine Figuren hinein, da es noch nicht vorbelastet ist“, so der Künstler.

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