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Nach dem Fasching kommt das Fasten – eine Zeit der Selbstreflexion

Katharina Jocher aus Linz, erstellt am 22.02.2012, 17:00 Uhr


Fastenzeit heißt nicht, nichts zu essen.      Foto: Sigrid Rossmann/pixelio.de

Diätologin Jacqueline Karlinger  

MELK. Am Aschermittwoch startete nach dem Trubel des Faschings die Zeit der Besinnung und der Beginn der Fastenzeit. Doch Fasten hat nicht nur mit Ernährungsverzicht zu tun.

„Fasten: sich für eine bestimmte Zeit ganz oder teilweise der Nahrung enthalten oder auf den Genuss bestimmter Speisen verzichten“, so steht es im Duden. In der Westkirche beginnt die Fastenzeit oder auch Passionszeit mit dem Aschermittwoch und gilt als Vorbereitung für das höchste Fest im Kirchenjahr. 40 Tage – die Sonntage werden nicht gezählt – soll dem Leidensweg Jesu und seinem Wirken gedacht werden. Auch in anderen Religionen hat der Brauch des Fastens einen hohen Stellenwert. Im Gegensatz dazu steht das Heilfasten – welches gerade in Zeiten des Wellness beliebt ist.
 
Unterschiede beim Fasten
„Man muss unterscheiden zwischen dem ,totalen Fasten‘ – das heißt, das Essen ganz wegzulassen – und dem spirituellen Fasten, bei dem man zum Beispiel auf Alkohol verzichtet und sich wieder bewusst auf das Essen konzentriert“, erklärt Jacqueline Karlinger, Diätologin aus Bergland. Die junge Niederösterreicherin, welche am Sozialmedizinischen Zentrum Süd in Wien tätig ist, weist jedoch darauf hin, dass das „totale Fasten“ ohne ärztliche Anleitung nicht zu empfehlen ist. „Wichtig ist auf jeden Fall ausreichend zu trinken. Sollte das Fasten zur Gewichtsreduktion dienen, ist es nicht sinnvoll gar nichts zu essen. Besser wäre eine eiweißreiche Kost“, führt Karlinger weiter aus. Der Grund dafür liegt in dem raschen Muskelabbau, der ansonsten stattfindet. Beginnt man wieder normal zu essen folgt das, was allgemein unter dem „Jo-Jo-Effekt“ bekannt ist. Schwangere oder Stillende, Kinder, Ältere und chronisch Kranke sollten auf das Fasten jedoch ganz verzichten.
 
Alternative
Eine Alternative zum Fasten sind sogenannte „SOD-Tage“.Gemeint ist damit, dass an solchen Tagen lediglich Salat, Obst und Dünstgemüse verzehrt wird. Auch hier ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von zwei bis drei Litern pro Tag Pflicht. „Diese SOD-Tage können gelegentlich eingebaut werden. Manche Menschen behaupten, sich dadurch leichter zu fühlen“, so die Diätologin. Ein typischer Tag beginnt zum Beispiel mit einem Apfel zum Frühstück. Zu Mittag isst man ein halbes Kilo Gemüse – gedünstet, als Salat oder Suppe. Als Jause könnte man eine Banane verzehren und am Abend wieder ein halbes Kilo Gemüse. Für alle, die keine Freunde des Fastens sind, kommt hier die gute Nachricht: „Meiner Meinung nach ist jedoch eine ausgewogene, gesunde Mischkost besser. Hierbei gibt es keine Verbote. Es ist alles erlaubt – jedoch mit Maß und Ziel. Geht es um die Gewichtsreduktion kommt man an Bewegung jedoch nicht vorbei. Langfristig abnehmen funktioniert nicht, wenn ich nur aufs Essen schaue“, erklärt Jacqueline Karlinger.
 
Spirituelles Fasten
Pater Martin Rotheneder aus dem Stift Melk hat einen anderen Zugang zu dem Thema: „Es besteht kein Zweifel, dass das Fasten eine grundmenschliche, spirituelle Erfahrung beinhaltet und dass das Fasten sinnvoll ist. Meistens hängt Fasten mit Reduzieren zusammen und das Sich-Einschränken ist hart und schwer“, erklärt er. Das Fasten hat aber nicht gezwungenermaßen etwas mit dem Essen zu tun: „Es gibt viele Dinge, die wir fast suchtvoll genießen, wie zum Beispiel das Fernsehen oder das böse Reden über andere – da können Sie sicher Dinge einsetzen, die sie selbst betreffen. Es geht aber beim Fasten auch um ein Mehr. Magersüchtige könnten die Fastenzeit zum Anlass nehmen, mehr zu essen. Übermüdete könnten sich vornehmen mehr zu schlafen. Wo Menschen verbissen und wortkarg unterwegs sind, sollten sie die Chance nützen, um mehr miteinander zu reden“, so der Pater.
Für ihn geht es nicht darum, beim Fasten rasch Kilos zu verlieren – dies wäre die falsche Motivation: „Dass sich im Inneren des Menschen etwas auftut, das ist der Sinn des Fastens. Wenn Sie in der kommenden Fastenzeit vorhaben zu fasten, dann stellen Sie sich selbst die Frage: Was möchte ich? Möchte ich ,nur‘ abnehmen, beim Äußerlichen bleiben oder wage ich ein wenig mehr, nämlich den Schritt ins Innere“, gibt der Pater noch als Tipp.
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