Hochwasser 2002: „Die Hilfe der Menschen vergisst man nie“

Michaela Primessnig, Leserartikel, 08.08.2012 13:08 Uhr

MAUTHAUSEN. Bis zum Jahr 2002 kannte man hier an der Aist kein Hochwasser. Zur Katastrophe führte im idyllischen Dorf an der Grenze zu Naarn ein Unfall. Durch den Dammbruch wurde das ganze Gebiet unter Wasser gesetzt.

Gerade hatte Monika Greisinger mit ihrem Mann damals das ganze Haus saniert. „Ich wollte, dass wir in der Pension alles schön haben“, so die heute 64-Jährige. Die ganze Abfertigung ihres Mannes, der vor einem Jahr verstorben ist, wurde zusammengekratzt, die Heizung neu gemacht, die Fassade neu gestaltet. „Ich habe mir das erste Mal in meinem Leben eine neue Küche geleistet“, erinnert sich Monika Greisinger. Doch dann passierte das, womit in dieser Siedlung keiner gerechnet hätte. Der Damm brach und überflutete das ganze Wohngebiet an der Aist. „Meinen Mann hat das schwer getroffen. Der wollte das Ganze gar nicht mehr aufbauen. Hätten uns nicht so viele Leute Mut gemacht, wäre das alles nicht möglich gewesen.“Nachdem die Familie mit den Helfern nach einigen Tagen wieder alles so weit sauber gemacht hatte, der nächste Schlag. Inzwischen wurde der Damm zur Donau geöffnet und von dort kam nun das nächste Hochwasser. Insgesamt vier Meter hoch stand nun das Wasser. „Darin schwamm alles Mögliche, vor allem aber jede Menge Öl und Holz.“Gebrauchte Möbel, ein bisschen Geld und Unterstützung beim AufräumenInzwischen bei Freunden einquartiert, begann Familie Greisinger mit den Aufräumarbeiten erneut. „Mein Mann hat zwischendurch bei anderen geholfen, weil wir am Anfang ja gar nicht zu unserem Haus konnten.“ Wodurch sich die Greisingers aber immer wieder motivieren konnten, war die Unterstützung der vielen Menschen. „Wir haben Möbel bekommen, ein Mann aus Schwertberg hat mir sogar ein altes Auto geschenkt. Wieder andere kamen einfach vorbei und steckten mir einen Geldschein in die Hand. Es gab einfach so viele Helfer. Das vergisst man nie.“Rund 50 Prozent der Kosten für den Wiederaufbau konnten von den Geldern der Versicherung und den Förderungen abgedeckt werden, alles neu kaufen war aber bei Weitem nicht drin. „Ich hab mir dann ein Heft angelegt und alle aufgeschrieben, von denen wir was bekommen haben und die uns geholfen haben“, zeigt sich die Bewohnerin des Aistweges noch heute dankbar.Dorf trifft sich, um an das Katastrophenjahr zurückzudenkenAm kommenden Wochenende will sich das ganze Dorf zusammensetzen und zurückdenken. „Jeder hatte damals so viel zu tun, dass er gar nicht mitbekommen hat, was beim Nachbarn alles passiert ist“, so Franz Fürst. Erst bei der Suche nach manchen Dingen kam man wieder ins Gespräch. „Ich hab mal einen Gartensessel geputzt. Da kam ein Nachbar und fragte, ob ich den Tisch auch zufällig habe“, so Greisinger, die sich an den seltsam komischen Moment zurückerinnert.Warum hier alles so gekommen war damals und ob vielleicht falsche Entscheidungen getroffen wurden, wollen die Betroffenen heute gar nicht beurteilen. „Was mich fasziniert ist, dass sich die Natur wieder alles so schnell gerichtet hat danach. Bei uns sind rund 100.000 Liter Öl herumgeschwommen, aber eigentlich hat alles wieder zu Wachsen begonnen“, zeigt sich Franz Fürst noch heute beeindruckt.

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