Miriam Gfellner nimmt als erste österreichische Athletin an den „World Dwarf Games“ teil

Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 16.05.2017 17:55 Uhr

PEUERBACH/KANADA. Die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten, ist für die 1,29 Meter große Miriam Gfellner aus Peuerbach alltäglich. Als erste österreichische Kleinwüchsige wird die 23-Jährige im August an den „7th World Dwarf Games“ teilnehmen, der Weltsportspiele der Kleinwüchsigen von 4. bis 12. August in Guelph, Kanada. Mit ihrem Antritt bei den Spielen will die Peuerbacherin ein Zeichen setzen für mehr Akzeptanz und Toleranz in der Gesellschaft.

Die kleinwüchsige Miriam Gfellner aus Peuerbach hat ein großes Ziel vor Augen: Neben 350 Startern aus der ganzen Welt wird die 23-Jährige als erste österreichische kleinwüchsige Sportlerin bei den „World Dwarf Games“ antreten. Sie möchte „Türen öffnen“, erklärt die Peuerbacherin. Denn derzeit sei es so, dass es von österreichischen Behindertenverbänden kaum Unterstützung für Kleinwüchsige gäbe, für Blinde oder Menschen im Rollstuhl jedoch schon. Das käme laut Gfellner zum einen daher, dass sich bisher Kleinwüchsige kaum für den Sport interessiert haben und wohl auch deshalb so, da sie in der Gesellschaft oft vergessen werden. „Ein Rollstuhl-WC bringt mir zum Beispiel nichts“, erklärt die 23-Jährige. Und wenn ihr im Bus kein Sitzplatz angeboten wird, weiß sie: „So behindert bin ich dann auch wieder nicht“.

Weiter Zeichen setzen

Sie möchte dennoch weitere Zeichen setzen und auf internationaler Bühne als Vorbild fungieren. „Es soll auch andere Kleinwüchsige motivieren und ihnen zeigen, dass nichts unmöglich ist. Das ist auch mein Motto. Sonst wäre ich nicht so weit gekommen“, meint die Peuerbacherin. „Als Erste muss ich mit dem Kopf durch die Wand, das ist zwar hart, aber es macht mir Spaß“. Zu den Spielen kam die Peuerbacherin durch ihren Freund, der in Irland lebt und ebenfalls an dem Sport­event teilnimmt. Dort sei Kleinwüchsigen-Sport bereits etabliert.

 

Im Wasser sind alle gleich

Seit Februar trainiert die 23-Jährige regelmäßig zwei bis vier Mal in der Woche in Wels und Wien. Ihre Hauptdisziplinen sind Brust- und Rückenschwimmen. Als „Ausgleich“, wie sie sagt, tritt die Peuerbacherin zusätzlich bei Boccia und Kugelstoßen an. Warum es der Schwimmsport wurde, ist für Miriam Gfellner einfach: „Ich war schon immer sehr mit dem Wasser verbunden. Ohne Schwimmflügerl schwimme ich zwar erst seit ich sieben bin, aber im Wasser sind alle gleich. Da ist es egal ob man groß oder klein ist, es kommt auf die Technik an“, erklärt die Peuerbacherin.

 

Kleinwüchsigkeit als Türöffner

Miriam Gfellner wurde mit Achondroplasie geboren, die häufigste der mehr als 200 Kleinwuchsformen. „Ich bin dabei mit 1,29 Meter relativ groß“, erklärt die Sportlerin und meint schmunzelnd: „Mein Freund ist kleiner als ich“. Ihre Größe entspricht in etwa jener eines achtjährigen Kindes. Die Peuerbacherin wünsche sich nicht oft, größer zu sein, denn es hätte auch Vorteile, die Welt aus einer anderen Sichtweise zu erleben. „Es ist ein Türöffner in vielen Bereichen. Ich habe schon viele Menschen getroffen, die mich unterstützt haben, aber nicht aus Mitleid, sondern aufgrund meiner Persönlichkeit“, erklärt die 23-Jährige, die selbst mit dem Auto fährt. „Behindertenparkplätze sind super, aber auch notwendig“.

 

Schreckliche Ehrlichkeit

Wenn die Peuerbacherin mit Freunden verreist, heißt es für sie nach vorne denken: „Reisen in Gruppen stresst mich“, erklärt Gfellner. „Ich muss immer überlegen, welche Pausen kann ich einlegen, wie viele Stufen muss ich überwinden?“. Auch Bankomaten seien ein Problem. „Besonders die mit Touch­-screen. Abgesehen von der Privatsphäre verdrücke ich mich da ständig“. Der öffentliche Raum hätte jedenfalls genug Barrieren für sie parat. „Auch Sitze in Bussen und U-Bahnen sind problematisch, da ich meine Füße nicht unterstellen kann. Wenn ich am Gang sitzen würde und der Bus bremst, kann es sein, dass ich durch den ganzen Bus fliege“. Auch Kinder seien oft schrecklich ehrlich, meint Gfellner. „Sie verstehen meist nicht, warum ein erwachsener Mensch so klein sein kann. Da bricht ein Weltbild für sie zusammen. Für die Kinder ist es aber auch ganz nett, dass sie auf Augenhöhe mit Erwachsenen sein können“. Die 23-Jährige bringt den Kindern im Kindergarten Peuerbach die englische Sprache näher. „Das ist das Schönste für mich. Diese Kinder werden hinausgehen, toleranter und Vorbilder sein können. Ich hoffe, dass ich ihnen mehr lerne als nur Englisch“. Die Eltern sollten ihren Kindern beibringen, dass es große und kleine Menschen gibt. So könnte man die Grundakzeptanz steigern, meint Gfellner.

 

Sponsoren gesucht

Seit ihrer Kindheit ist die 23-Jährige beim Bundesverband Kleinwüchsiger Menschen und ihre Familien (BKMF) dabei, von dem sie unterstützt werde. Für ihr großes Vorhaben ist die Peuerbacherin aber auf Spenden angewiesen. Auch Sachspenden werden gerne angenommen. Großen Rückhalt findet Miriam Gfellner bei ihren Eltern und ihrem Bruder: „Sie stehen immer hinter mir, egal welche Ideen ich mir in den Kopf setze“.

 

 

 

Spendenkonto

Bundesverband kleinwüchsige Menschen und ihre Familien

IBAN: AT55 6000 0000 9209 2222

BIC: BAWAATWW

Verwendungszweck: „WDG17 Miriam“

 

Neuigkeiten von Miriam Gfellner gibt es auf Facebook unter Amazing Miriam: Austria„s 1st dwarf athlete. Dort berichtet sie über ihren Weg zu den Dwarf Games.

 

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