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„Ich habe hier hervorragende Leute um mich“

  Walter Horn aus Ried, Tips Redaktion, erstellt am 17.07.2012, 17:00 Uhr


Heinz Fuchsbichler steht gleich zu Beginn der Saison vor wichtigen Aufgaben. (Foto: GEPA)  

RIED IM INNKREIS. Von Altach über die Vereinigten Arabischen Emirate zur SV Ried: Mit der Verpflichtung des 44-jährigen Heinz Fuchsbichler hat Manager Stefan Reiter einen Überraschungscoup gelandet. Zum Saisonstart führte Tips ein Gespräch mit dem „Neuen“.
Tips: Haben Sie sich schon im Innviertel eingelebt?
Fuchsbichler: Das war kein Problem. Im Innviertel fühlt man sich gleich wohl.
 
Tips: Nach den Vereinigten Arabischen Emiraten liegt Vorarlberg ja quasi „ums Eck“. Werden Sie jetzt zum Pendler?
Fuchsbichler:Die Familie kommt am Wochenende nach Ried. Ich habe zwei schulpflichtige Kinder, die möchte ich nicht aus ihrem Umfeld reißen.
 
Tips: Hatten Sie schon Kontakt mit den Fans?
Fuchsbichler: Nein, aber ich möchte das unbedingt, denn Ried hat die besten Fans. Der Kontakt ist mir sehr wichtig, aber wir haben ein sehr dichtes Programm, sodass es sich bis jetzt einfach nicht ausgegangen ist.
 
Tips: Wie stark ist die Liga in den Emiraten im Vergleich zu Österreich? Kann man das vergleichen? Was sind die größten Unterschiede?
Fuchsbichler: Schwer zu sagen. In Österreich wird ein höheres Tempo gespielt, aber das ist auch klimatisch bedingt; bei 40 Grad und 70 bis 80 Prozent Luftfeuchtigkeit fällt das Laufen schwerer. In den Teams spielen sehr starke Ausländer aus Top-Ligen und sehr viele Nationalspieler aus afrikanischen Ländern. Nur die ganz großen Namen sind ältere Spieler.
Große Unterschiede gibt es bei der Menschenführung, dort ist vieles von der Religion geprägt. Zum Beispiel wird vor dem Spiel und auch in der Halbzeit gebetet, das muss man respektieren. Im Allgemeinen funktioniert der Umgang auf einem sehr guten Niveau, Respekt wird großgeschrieben.
 
Tips: Wie ist die Vorbereitung gelaufen?
Fuchsbichler:Die Vorbereitung war absolut in Ordnung, wir konnten unser Programm komplett durchziehen. Es hat sich auch keiner verletzt. Aber wir sind schon froh, dass es jetzt losgeht.
 
Tips: Worauf haben Sie den Schwerpunkt beim Training gelegt?
Fuchsbichler: Wenn man nur wenig Zeit zur Verfügung hat, muss man viel physisch arbeiten. Aber wir konnten von einem guten Niveau starten, weil die Spieler gut aus dem Urlaub zurückgekommen sind. Daran sieht man, dass sie eine gute Einstellung haben. Wir haben auch taktisch gearbeitet. Wichtig war, die neuen Spieler zu integrieren und anzupassen. Das hat ganz gut funktioniert.
 
Tips: Sind Sie mit dem Kader zufrieden? Braucht die SVR noch Verstärkungen oder wird dieser Kader reichen?
Fuchsbichler: Ein Trainer möchte immer Verstärkungen haben. Aber es müssten echte Verstärkungen sein. Ich wäre froh, wenn wir mit diesem Kader das Auslangen finden, dann hat jeder Spieler die Chance, zu Einsätzen zu kommen. Neuverpflichtungen muss man sich sehr gut überlegen, das kann auch nach hinten losgehen. Wenn, dann müsste der Spieler zu 100 Prozent passen und es müsste der Bedarf da sein.
 
Tips: Die Saison beginnt gleich mit mindestens zwei englischen Wochen. Kann das ein Problem werden?
Fuchsbichler: Ich hoffe nicht. Die Kaderqualität ist o.k., aber wir sind nicht so breit aufgestellt, dass wir jede Position doppelt besetzen können. Ich hoffe, dass sich niemand verletzt. Wir haben 15 bis 18 Spieler auf gleichem Niveau, da kann ich bedenkenlos jeden bringen. Die anderen sind junge Spieler, die noch aufgebaut werden.
 
Tips: Wie würden Sie den Charakter der Mannschaft beschreiben?
Fuchsbichler: Der Charakter ist sehr gut. Das einzige Problem, wenn man es überhaupt so nennen kann, ist, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben. Die Führungsspieler müssen sich erst herauskristallisieren, einige Spieler müssen den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung setzen. Bei uns ist das auf mehrere Schultern verteilt, aber es entwickelt sich gerade eine gute Hierarchie.
 
Tips: Und was für ein Trainertyp sind Sie?
Fuchsbichler: Je nach Situation. Ich halte nichts davon, wenn ein Trainer herumschreit. Das nützt sich schnell ab. Respekt ist wichtig. Wenn es nötig ist, kann ich aber auch laut werden. Bei mir hat man Freiheiten, aber nur die, die dem ganzen Gefüge helfen.
 
Tips: Sie haben einmal gesagt, dass Sie früher oft zu viel selbst gemacht haben. Besteht diese Gefahr in Ried, wo sehr viel Wert auf Teamarbeit gelegt wird, auch noch?
Fuchsbichler: Nein, absolut nicht. Ich habe hier hervorragende Leute um mich, die mir viel Arbeit abnehmen. Stefan Reiter macht die ganze Arbeit mit den Transfers; ich bin unglaublich froh, dass ich das nicht machen muss. Gerhard Schweitzer ist ein hervorragender Mann. Da muss ich nicht nachschauen, sondern weiß, dass der einen perfekten Job macht. Michi Angerschmid ist das Bindeglied zwischen Amateuren und Kampfmannschaft, er kennt alle und ist sehr wichtig für uns. Auch Tormanntrainer Werner Penz arbeitet sehr selbstständig, was gut ist, weil ich nie Torwart war. Ich weiß auch, dass die medizinische Abteilung funktioniert. Ich kann mich also gezielt auf meine Dinge konzentrieren. Bei Taktik und Aufstellung habe ich natürlich die letzte Entscheidung, ich halte ja auch den Kopf dafür hin. Aber im Laufe der Woche diskutieren wir natürlich auch über gewisse Positionen.
 
Tips: Nach dem Cupspiel in Kufstein geht es gleich in die Europa League und drei Tage später zur Admira. Wie bereiten Sie sich auf diese Spiele vor?
Fuchsbichler: Gerhard Schweitzer war in Weißrussland und hat das Spiel von Soligorsk gegen die weißrussische Spitzenmannschaft Bate Borisov gesehen und wird das Video aufbereiten. Zeitgleich war ich mit Michi Angerschmid in Wien und habe die Admira gegen Nitra gesehen. Jeweils am Tag vor dem Spiel werden wir der Mannschaft genau sagen, was sie erwartet.
 
Tips: Was wissen Sie über Schachtjor Soligorsk?
Fuchsbichler: Doch schon einiges. Wir haben die letzten Spiele verfolgt, vor allem das gute 1:1 gegen den Tabellenführer BATE Borisov. Schachtjor ist eine robuste, kampfkräftige und schnörkellose Mannschaft, die ein 4-2-3-1 spielt und ein paar Nationalspieler und russische Legionäre hat.
 
Tips: Die Weißrussen stehen mitten in der Meisterschaft. Ist das ein großer Nachteil für die SVR?
Fuchsbichler: Das wird man sehen. Der Meisterschaftsrhythmus kann ein Vorteil sein, aber wir hatten Testspiele gegen starke Gegner – das kann also keine Ausrede sein.
 
Tips: Wie hoch schätzen Sie die Aufstiegschancen ein?
Fuchsbichler: Das kann man noch nicht sagen. Wir haben alles aufbereitet und werden sehen, wer uns zur Verfügung steht.
 
Tips: Haben Sie die EM im Fernsehen verfolgt? Sehen Sie neue Trends und haben Sie für sich etwas „mitgenommen“?
Fuchsbichler: Ja, aber ich habe nicht so viele neue Dinge gesehen. Nationalmannschaften sind immer abhängig von der Verfassung der Spieler nach einer langen Saison. Wenn dann zwei oder drei, wie bei Deutschland, oder gleich mehrere, wie bei den Niederlanden, ihre Leistung nicht bringen, wird es schwer. Die Spiele waren alle auf einem sehr hohen und engen Niveau, oft waren Einzelaktionen entscheidend. Taktisch habe ich nicht viel Neues gesehen.
 
Tips: Seit dem Ende der Zeit von Didi Constantini wird im österreichischen Fußball vermehrt über Taktik und Systeme diskutiert. Was halten Sie davon?
Fuchsbichler: Im Endeffekt ist das für mich etwas eigenartig. Für mich waren schon 1990 Viererkette, Pressing und Videoanalyse gang und gäbe. Dass man 22 Jahre später noch immer darüber diskutiert, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Taktik ist das tägliche Brot, aber es kommt natürlich auch darauf an, welche Spieler man zur Verfügung hat. Bei manchen Teams steht die Taktik an erster Stelle, aber Balotelli und Cassano sind das Gegenbeispiel, die haben alle Freiheiten.
Wenn Constantini gesagt hat, dass Taktik nicht wichtig sei, und die Mannschaft gewonnen hat, hieß es: „Endlich haben die Spieler Freiheiten“. Wenn sie verloren, lag es am fehlenden System. Egal, was du machst, es ist immer von den Resultaten abhängig.
 
Tips: Ried hat ja quasi das 3-3-3-1 „erfunden“, zuletzt aber auch mit anderen Systemen gespielt. Wird es da Änderungen geben?
Fuchsbichler: Jedes System hat Vor- und Nachteile, aber es ist ein großer Unterschied, ob wir im Ballbesitz sind oder der Gegner oder ob man im Rückstand liegt oder führt. Ich werde auch in Kufstein anders spielen als in Soligorsk. Das 3-3-3-1 hat viele Vorteile, besonders in der Offensive. Aber wir müssen flexibel sein.
 
Tips: Die SVR hat gerade in den letzten Jahren sensationelle Erfolge gefeiert. Erhöht das den Druck auf Sie? Schwebt noch der Schatten von Paul Gludovatz über dem Verein?
Fuchsbichler: Nein. Aber Hut ab vor den Erfolgen, die Gludovatz und sein Team hier gefeiert haben. Ich würde es sofort unterschreiben, wenn ich daran anschließen könnte. Die Meisterschaft fängt aber bei null an. Wenn es gut läuft, ist die letzte Saison schnell vergessen. Wenn es schlecht läuft, wird es auf mich geschoben. Aber wenn man als Trainer damit nicht umgehen kann, ist man falsch am Platz.
 
Tips: Die Meisterschaft beginnt mit dem Auswärtsspiel bei Admira, dann folgen die Heimspiele gegen Wolfsberg und Innsbruck, die „Großen Vier“ kommen erst später. Halten Sie das für eine günstige Auslosung?
Fuchsbichler: Für eine gefährliche. Admira auswärts: Die sind lauf- und spielstark, haben eine Supersaison hinter sich, spielen wie wir in der Europa League. Da wäre mir ein anderer Gegner lieber. Dann geht es zuhause gegen den Aufsteiger, das ist immer eine undankbare Aufgabe. Aber wir spielen gegen jeden Gegner vier Mal, da ist die Reihenfolge letztlich egal.
 
Tips: Welche Ziele haben Sie sich gesetzt? Was ist die Pflicht, was ist die Kür?
Fuchsbichler: Im Cup wollen wir natürlich zu 100 Prozent die nächste Runde erreichen. In Weißrussland möchten wir ein gutes Resultat, mein Wunsch ist natürlich ein Auswärtstor. Und dann müssen wir zur Admira. Nach diesen drei Spielen werden wir gemessen. Wir müssen erst mal diese Hürden überspringen, dann unterhalten wir uns weiter.
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