Erste Hilfe für die Seele

Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 20.03.2012

ROHRBACH. Sterben gehört zum Leben dazu. Und trotzdem rechnet keiner mit dem Tod eines geliebten Menschen. Das KIT-Team des Roten Kreuzes kann in solchen Fällen die Trauer nicht abnehmen – aber es begleitet zumindest durch die ersten schweren Stunden. Und leistet damit Erste Hilfe für die Seele.

Manchmal brauchen Menschen jemanden zum Reden, wenn sie eine schlimme Nachricht bekommen haben; manchmal sitzen sie einfach nur da und schweigen. „Es gibt kein Rezept, wie Trauerarbeit abläuft. Aber so unterschiedlich Menschen auch trauern oder auf dramatische Erlebnisse reagieren, gibt es doch Wegmarken“, sagt Bernhard Tandler, Bezirkskoordinator des Kriseninterventionsteams (KIT) des Roten Kreuzes. So wissen er und seine KIT-Kollegen, dass in den ersten vier bis sechs Stunden die menschliche Psyche besonders wackelt. „Unsere Aufgabe ist es deshalb, die Leute zu begleiten, wenn sie nicht selbständig die nächsten Schritte setzen können.“ Bis diese Phase überwunden ist, bleiben die speziell ausgebildeten Mitarbeiter bei den Betroffenen.„Ich bin oft beeindruckt, wie stark manche Leute sind“, meint Tandler, „die Einsätze bei uns im ländlichen Raum laufen auch runder, sie können früher abgeschlossen werden, als im städtischen Bereich.“ Das mag zum einen in der Verwurzelung im Glauben und in Ritualen liegen, zum anderen am funktionierenden sozialen Netzwerk. „Nachbarn und Verwandte kommen zusammen und trauern gemeinsam“, bestätigt sein Stellvertreter Franz Geretschläger. Er ist seit über zehn Jahren, seit es das KIT-Team in Rohrbach gibt, dabei.Jeder Fall ist tragischFragt man ihn nach besonders dramatischen Situationen, braucht er nicht lange überlegen: „Jeder einzelne Fall ist schlimm – ob nun ein Kind stirbt oder das Haus abbrennt.“ Er erinnert sich an jeden einzelnen Einsatz, schließlich seien es sehr intensive Begegnungen. Diese aufzuarbeiten, zu reflektieren und dann wegzulegen ist daher wichtig für den persönlichen Seelenfrieden der KIT-Mitarbeiter. „Das muss man in unserem Beruf sowieso lernen“, sagt Geretschläger, der als Dienstführender der RK-Ortsstelle Rohrbach arbeitet. Tandler, Ethik- und Psychologielehrer an der Tourismusschule Bad Leonfelden, ergänzt: „Wir haben einen sehr pragmatischen Zugang zu unserer Tätigkeit – das liegt vielleicht auch an der Routine. Aber Sterben gehört eben zum Leben dazu. Unsere Arbeit ist oft nicht ganz einfach, aber wir fühlen uns dazu berufen.“ Und jeder Einsatz bringe immense Lebenserfahrung.Nur positive RückmeldungenAuch wenn der Einstieg stets schwierig ist – „wir kommen ja nicht als geladene Gäste“, so Tandler – wird der Dienst gut angenommen. „Die meisten sind froh, eine neutrale Person an ihrer Seite zu haben“, schildern die beiden. Wobei sie auch ihre Grenzen kennen: Bei Gewaltverbrechen etwa braucht es Professionisten. „Wir sind dann das Bindeglied zum psychosozialen Notdienst“, erklärt Tandler. Geretschläger dazu: „Wir können ein Pflaster drüberpicken, aber fürs Nähen sind wir nicht mehr zuständig.“Information:17 freiwillige Mitarbeiter (davon drei Notfallseelsorger) gehören zum Kriseninterventionsteam Rohrbach. Sie werden über die Bezirksleitstelle via SMS alarmiert; wer den Einsatz nehmen kann, meldet sich. Knapp einmal pro Woche werden sie durchschnittlich gerufen – am häufigsten zur Überbringung von Todesnachrichten, aber auch bei Suiziden, bei allen medizinischen Notfällen, zur Betreuung nach einem Überfall oder bei der Verlust der Lebensgrundlage.

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