Geschichte als tragbare Chance sehen
Der Autor Johannes Kammerstätter (l.) berührte die Gäste mit jiddischen Liedern,Willfried Wiesbauer begleitete auf der Harmonika.
Der Schauspieler Erwin Leder las Texte aus der Trilogie.
Der Zeitzeuge und gebürtige Scheibbser Fred Antscherl erzählte.
von VERONIKA GRUBER
Neben persönlichen, politischen und religiösen Motiven waren
dem Autor die Bekanntschaften, zu denen die intensive Recherche führte, das Kennenlernen von Menschen und der Gewinn an Verständnis sehr wichtig. Die Forschung zog bald weite Kreise, es gelang, Nachkommen der betroffenen Familien und Überlebende in verschiedensten Ländern, darunter die USA, Schweden, Südamerika, Australien oder auch Neuseeland, zu kontaktieren. „Als Katalysator darf man nicht stören“, umschreibt Johannes Kammerstätter, dem einhellig ein „liebevoller, humanistischer Blickwinkel“ attestiert wird, seine feinfühlige Vorgehensweise.
Ein besonderer Gast war der aus London angereiste gebürtige Scheibbser Fred Antscherl, der im Alter von acht Jahren aus seiner Heimat fliehen musste. Eindrucksvoll schilderte er Kindheitserlebnisse und warum er sich als erster bei Johannes Kammerstätter gemeldet hatte, um seine Arbeit zu unterstützen.
Maßgeblich am Erfolg des Projekts beteiligt war auch der Wieselburger Dieter Lahnsteiner.
Der Eigentümer der Agentur „papercomm“ gründete einen gleichnamigen Verlag, um die umfangreiche Arbeit von Johannes Kammerstätter zu veröffentlichen. Lahnsteiner übernahm die Leitung des Projekts und koordinierte auch die Kontakte zu Politik, Institutionen und Unterstützern. Die Website zur Trilogie wurde von Schülern der IT-HTL Ybbs programmiert, enthalten ist darin auch ein Forum, das als Informations- und Austauschwerkzeug zur Verfügung steht. Johannes Kammerstätter sieht seine Arbeit als Initialzündung für weitere Projekte: „Zunächst bin ich über die große Zustimmung zu dieser Arbeit und die außerordentlich positive Resonanz sehr glücklich. Geschichte soll damit nicht nur erhalten werden, sondern auch als Mahnmal für die Zukunft bestehen. Besonders die Jugend liegt mir diesbezüglich sehr am Herzen.“ In diesem Sinne sind internationale Schulprojekte, Wanderausstellungen und die Einrichtung des Robert-Mahler-Zentrums in Ybbs geplant. Johannes Kammerstätters Opus Magnum ist nun selbst ein wertvoller Teil unser aller Geschichte, ein kulturelles Erbe, das als ein Standardwerk auch über die Region hinaus Eingang in die Bücherschränke finden sollte.
http://www.tragbaresvaterland.at/
Mit der Vorstellung des dreibändigen Werks „Tragbares Vaterland“ ist der erste Teil der langen und intensiven Forschungsarbeit Johannes Kammerstätters zur Geschichte der Mostviertler Juden und ihrer...
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