Beschäftigungs-Projekt „fairwurzelt“ schafft neue Perspektiven für arbeitslose Frauen

Thomas Lettner Thomas Lettner, Tips Redaktion, 19.04.2017 20:00 Uhr

ST. PÖLTEN. Seit 1996 bietet das Frauenprojekt „fairwurzelt“ arbeitssuchenden Frauen aus dem Bezirk St. Pölten und Melk zur Überbrückung Jobs in der Gartenarbeit, Landschaftspflege und in der Produktion von Bio-Kräuterprodukten mit dem Ziel der Unterstützung bei der weiteren Arbeitsplatzsuche.

Im vergangenen Jahr lag die Vermittlungsquote der Frauen, die anschließend nach fairwurzelt wieder einen Arbeitsplatz fanden, bei 55 Prozent. Gefördert wird das Projekt vom AMS NÖ und vom Land NÖ. Ähnlich wie andere sozialintegrative Unternehmen wie GESA oder Emmaus ist fairwurzelt ein Mitglied des Dachverbands „arbeit plus“ (vorher NÖB).

Arbeiten in der Garten- und Landschaftspflege

Um vom Arbeitsmarktservice an fairwurzelt vermittelt zu werden, müssen die Frauen langzeitbeschäftigungslos, also zumindest zwölf Monate arbeitslos gemeldet sein. „Als gemeinnütziger Verein erledigen wir Arbeiten für Firmen und Privatkunden in der Garten- und Landschaftspflege wie beispielsweise Unkraut jäten, Rasenmähen, Laubrechen oder typische Pflegetätigkeiten auf Grünflächen“, erklärt Barbara Seyrl, die im Juli Mitgründerin Erna Sieberer als Projektleiterin nachfolgen wird.

Hilfe beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt

Die Frauen, die oft nach langer Zeit wieder in einem Dienstverhältnis stehen, bewirtschaften auch den 3000 Quadratmeter großen Kräutergarten des Vereins in Afing (Gemeinde Neidling), wo sie Kräuter anbauen und Kräuterprodukte wie Gewürzsalze, Chutneys, Tees oder Gewürzmischungen herstellen. Im Winter werden Recyclingprodukte unter anderem aus Tetra Pak oder Kaffeeverpackungen, Taschen und andere kreative Produkte hergestellt, die auch am alljährlichen Frühlingsmarkt verkauft werden (der nächste findet am 22. April ab 10 Uhr in Afing statt).

Tipps für Bewerbungen

Neben der praktischen Arbeit werden die Frauen beim Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt unterstützt wie etwa durch sozialpädagogische Begleitung für persönliche und soziale Themen, Bewerbungstrainings und durch sonstige Unterstützung bei der Jobsuche, oder sie besuchen Firmen und Organisationen wie die Arbeiterkammer.

Das 5-Stufenmodell

fairwurzelt bietet ein Stufenmodell an. In der Stufe 1, der sogenannten Clearingphase, passiert die Erstabklärung in Bezug auf psychische, physische Gesundheit, Finanzen oder Betreuungspflichten. Dabei wird entschieden, welche Stufe als nächster Schritt am besten passt. Die Stufe 2 (stundenweise betreute Beschäftigung) dient dem langsamen Einstieg bei zumindest zehn Stunden Anwesenheit pro Woche. In Stufe 3, dem Arbeitstraining, werden die Fähigkeiten der Teilnehmerinnen bei 25 Stunden Trainingszeit pro Woche gefördert. In Stufe 4, dem Transit-arbeitsplatz, erhalten die Frauen ein Teil- oder Vollzeitdienstverhältnis, soziale Begleitung und Unterstützung im Bewerbungsprozess. In der Stufe 5, der Nachbetreuung, werden sie nach dem Ausstieg aus Stufe 4 individuell weiter unterstützt.

Unterstützung für Opfer von Gewalt

„Eine Teilnehmerin kann bis zu zwei Jahre bei uns bleiben. Wir haben auch einen Pensionsantrittsplatz für drei Jahre. Dauerarbeitsplätze gibt es aber nicht“, berichtet Seyrl. Obwohl bei fairwurzelt die Bekämpfung der Frauenarbeitslosigkeit im Vordergrund steht, hat das Projekt für sie auch andere Vorteile. „Es gibt viele Frauen, die sich in diesem speziellen Rahmen erst öffnen und bereit sind zum Beispiel über ihre Erfahrungen mit Gewalt zu sprechen. Hier bekommen sie Unterstützung, Probleme anzugehen, einen Arbeitsplatz mit fairem Gehalt und gewinnen an Selbstvertrauen, um sich wieder als ein aktiver Teil der Gesellschaft zu fühlen.“

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