Galerie Steyrdorf feiert zwei Dekaden

Angelika Mitterhauser Angelika Mitterhauser, Tips Redaktion, 22.01.2013 09:00 Uhr

STEYR. 20 Jahre Galerie Steyrdorf – ein Jubiläum, das nicht nur auf das Werk eines standhaften Steyrer Künstlers zurückblickt, sondern auch den Impuls für künstlerische Synergien im historischen Stadtteil geben könnte.

Was vor zwanzig Jahren als Provisorium entstand, ist zur Institution geworden. Darauf kann Erich Fröschl stolz sein. „Ich bin der Längstdienende in Steyrdorf“, erzählt er, sich auf die wechselhafte Präsenz Kunstschaffender im malerischen Stadtteil beziehend. Um die jüngste Jahrtausendwende herum, war das Steyrdorf schon annähernd so etwas wie ein Künstler-Distrikt. Ein Kommen und Gehen der kreativen Geister prägen die Gassen um den Roten Brunnen aber nach wie vor. Was die Galerie Steyrdorf anbelangt, gehört sie klar zum harten Kern. Ihre Geburtsstunde kam 1993, als eine Ausstellung im Dunklhof scheiterte. Ihr Innenleben wuchs spontan, frei und ohne fixe Pläne. Wie jener kreative Kopf eben, der ihr Charakter einverleibt. „Mir ist die Unsicherheit gewissermaßen ein Trost“, beschreibt Fröschl sich selbst. Straßenzeichner in Venedig Vom Lehrberuf her ist Erich Fröschl Modellbauer; gelernt hat er in den Steyr-Werken Anfang der Siebzigerjahre. Aufgrund einer tragischen Familiensituation – seine Mutter starb, als er 15 Jahre alt war – blieb ihm zunächst verwehrt, was er sich eigentlich wünschte, nämlich eine Ausbildung zum Grafiker und Zeichner. Mit Ende der Lehrzeit ging Fröschl als Straßenzeichner nach Venedig; der Zivildienst brachte ihn zurück. Es folgte eine Teilnahme an der Sommerakademie Salzburg. Dass er an der Kunst-Uni Linz nicht aufgenommen wurde, nahm ihm nochmals den Wind aus den Segeln. Karl Mostböck erkannte jedoch sein Talent und wurde sein Mentor. Seit 1982 ist Fröschl freiberuflicher Künstler. Anfangs bildete Kunst am Bau den Schwerpunkt seiner Beschäftigung; er schuf Dekorationsmalereien für Hotels und Casinos, von Istanbul bis Aruba in der Karibik. Dann konstituierte sich die Edition Wehrgraben, erste Publikation waren die gesammelten Werke der Dora Dunkl, herausgegeben von Till Mairhofer. Fröschl stattete eine Vorzugsausgabe mit einer Radierung aus und gestaltete den Schutzumschlag. „Ich kannte Dora Dunkl persönlich, war oft im Dunklhof zeichnen. Meine Beschäftigung mit ihrer Literatur kam aber erst im Rahmen der Publikation.“ Fröschl kreierte infolge selbst eine Radiermappe zu Dora Dunkl, geprägt von den für die Schriftstellerin charakteristischen Themen Zeit und Vergänglichkeit. „Nachdem die Präsentation der Mappe im Dunklhof nicht möglich war, kam das Haus Sierninger Straße 14 ins Spiel.“ Unabhängigkeit Weil Fröschl die Eigenständigkeit von Galerien stets sympathisch war, wollte er vorerst einmal bleiben. Dann installierte er in der Galerie seine Radierwerkstätte. Es folgten Arbeitsstunden mit weiteren Künstlern, Ausstellungen. Die Galerie wuchs zum künstlerischen Fixpunkt Steyrs heran. Als Fröschl aus privaten Gründen einen Umzug nach Wien überlegt, kommt es zum Aufschrei. In seinem Tun bestärkt, bleibt er in Steyr. Schwerpunkt Druckgraphik Erich Fröschls bevorzugtes Metier ist die Druckgraphik. Die Motive sind vorwiegend gegenständlich, Zeit und Vergänglichkeit haben sich als ergiebige Inspirationsquellen erwiesen. „Als ich als junger Mensch meine Mutter verlor, kam ich von einem Dorf im Steyrtal in die Stadt, fühlte mich allein, verloren und fremd. Ich habe aber gelernt, dass die Umstände des Lebens bei aller Trauer und Grausamkeit auch etwas Interessantes, ja Schönes haben. Ich habe gelernt, den Dingen mit einem gewissem Fatalismus zu begegnen.“ Das spiegelt sich in Fröschls Kunst wider, wo auch eine welke Blume das Auge des Betrachters dank Ästhetik mit Tiefgang erfreut. Das ausgeprägte Bewusstsein über Leben und Schicksal bekräftigte Fröschls Zivildienst in einem Heim für schwerstbehinderte Kinder. Dort entdeckte er das Zeichnen als Form des Erzählens von Geschichten und des Begreifens der Welt. „Für mich liegt das Künstlerische darin, die Abnabelung vom Ursächlichen nicht ganz zu vollziehen, Kind zu bleiben und sich seine Naivität zu erhalten.“ Kräfte bündeln Seine Galerie versteht Fröschl als Ort des Austausches zwischen Künstlern und Betrachtern. Ein Anliegen von ihm ist es, die kreativen Energien im Steyrdorf verstärkt zu bündeln: „Kooperationen sind sinnvoll – Vielfalt bringt ein größeres Publikum.“ Veranstaltungen wie die landesweiten Tage des offenen Ateliers würden dies beweisen. „Ich versuche im Jubiläumsjahr mit einer Reihe von Ausstellungen einen Impuls dazu zu geben.“ Zur Bewerbung von 20 Jahren Galerie Steyrdorf (siehe Infobox) hat Fröschl kunstvolle Bierdeckel drucken lassen. Sie kommen in Steyrer Gaststätten auf die Tische. „Es sind schon jetzt Menschen damit in die Galerie gekommen und haben sie sich signieren lassen,“ so der Künstler lachend. Die Stadt Steyr ehrt Erich Fröschl heuer mit einer großen Ausstellung im Schloss Lamberg.     JUBILÄUMSPROGRAMM GALERIE STEYRDORF  25. Jänner (19 Uhr) bis 9. MärzJohannes Angerbauer-Goldhoff:„Goldene Zeit“ (Geöffnet: Do/Fr. 9 - 12 / 15 - 18 Uhr, Sa. 9 - 12 Uhr)15. März bis 27. AprilSusanne Theumer: Illustrationen zu Marlen Haushofers Roman „Die Wand“3. Mai bis 31. MaiErich Fröschl: „Leda und der Schwan II“, Präsentation der Radiermappe21. Juni bis 31. AugustFest zu 20 Jahre Galerie Steyrdorf - Künstler der Galerie13. September bis 5. OktoberExLibris - Kleingraphiken, Akademie für Angewandte Kunst Wien11. Oktober bis 16. NovemberAnton Watzl: Holzschnitte22. November - Jänner 2014Mayrhofer / Fröschl„Nachtwachen“ - Buchpräsentation

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