Regisseurin Irmgard Paulis: „Ein Theaterstück muss mich bewegen und Sinn machen“

Ilona Fürtbauer, Leserartikel, 22.08.2012 08:08 Uhr

WINDISCHGARSTEN. Die Schauspielerin Irmgard Paulis führt bei „Der Aufstand“, einem Stück über den oberösterreichischen Bauernkrieg vom Theaterverein „frei-wild.“ in Molln, Regie. Tips sprach mit der sympathischen 69-Jährigen über ihr Leben und die Beweggründe, dieses Libretto Gertrud Fusseneggers für die Theaterbühne zu adaptieren.

„Heimat ist keine konkrete Region – dort wo Berge sind fühle ich mich wohl. Mit neun Jahren war ich erstmals auf dem Linzer Haus auf der Wurzeralm. Seitdem Liebe ich die Berge und diese Gegend“, erzählt Schauspielerin und Regisseurin Irmgard Paulis, die in Windischgarsten ihre Wurzeln fand.Im Alter von drei Jahren flüchtete sie mit ihren Eltern von der Slowakei nach Linz. Der weitere Weg führte die heute 69-Jährige in die Großstadt: In Wien studierte sie Theaterwissenschaften und Schauspiel. Die Faszination zu den darstellenden Künsten manifestierte sich bereits in jungen Jahren: „Mein erstes Theatererlebnis hatte ich mit sechs Jahren. Dort habe ich mir mit meinen Eltern in Linz die Zauberflöte angesehen. Bei der Zeile “Dies Bildnis ist bezaubernd schön,...„ fand ich das Bild einfach zu klein – daran erinnere ich mich noch genau, weil es mich störte, dass ich das Motiv nicht erkennen konnte. Vor einigen Jahren habe ich in Klagenfurt bei “Die kleine Zauberflöte„ Regie geführt – in meiner Inszenierung habe ich das Bildnis dann größer gemacht“, schmunzelt die Windischgarstnerin. Als Schauspiel-Schülerin durfte Irmgard Paulis eine erkrankte Burgtheaterschauspielerin bei einer Probe auf der Bühne vertreten. Dieses Erlebnis hat sie gefesselt: „Ich habe zugesehen, zugesehen und nochmals zugesehen.“ Nach Deutschland verschlug es Irmgard Paulis eher durch Zufall: „Ich bin mit einem Kollegen nach Düsseldorf gefahren, da er dort vorsprechen wollte. Mit einem Vertrag bin ich dann wieder heimgekommen.“ Von der Schauspielerin zur Vollblut-Regisseurin Von diesem Zeitpunkt an stand sie in vielen deutschen Theatern auf der Bühne und war auch im TV präsent. Sie spielte unter anderem neben Rainer Werner Fassbinder im Film „Baal“, sowie in der TV-Serie Salto Mortale in der Rolle der „Jenny“ an der Seite von Gustav Knuth und Joseph Offenbach mit. Letzterer riet ihr: „Schau, dass du in die Provinz gehst und spiel in Theater-Klassikern mit“, berichtet Paulis: „Er war davon überzeugt, dass dies die größte Chance sei, am meisten zu lernen.“ Nur kurze Zeit später schlüpfte die junge Aktrice in die Rolle der Viola in William Shakespeares „Was ihr wollt“ in Kiel. „Ich habe die Starlett-Flausen aufgegeben, sowie die Zuwendung zu Film und Fernsehen und habe mich aufs Schauspiel-Theater konzentriert – und das 24 Jahre lang.“ Im GRIPS-Theater in Berlin machte sie bei „Mensch Mädchen“ auch die ersten „Ausflüge“ in die Regie. „Ich wurde als Schauspielerin bei den Proben zu “Das hältste ja im Kopf nicht aus„ unruhig und habe gemerkt, ich will die Seite wechseln“, verrät Paulis. Seitdem war sie nur mehr als Regisseurin tätig, – bis zum 26 Juni 2009: An diesem Tag feierte „frei.wild“ das Theaterstück des Kirchdorfer Regisseurs Franz Horcicka im Hoisn-Haus in Molln seine fulminante Premiere und Irmgard Paulis ihre Rückkehr auf die Bühne. Über Tips zum Theaterverein „frei-wild.“ in Molln „2003 habe ich mir mit meiner Tochter in Windischgarsten einen Grund gekauft. Wenn ich alt bin und nicht mehr soviel arbeite, dachte ich, will ich dort wohnen, wo es schön ist“, erzählt Paulis. Um sich vollends wohlzufühlen brauchte es aber noch mehr: „In meinem Beruf habe ich ständig mit Menschen zu tun. Wenn ich nicht die Möglichkeit zum netzwerken habe, kann ich nicht zufrieden Leben. Eines Tages las ich in Tips, dass in Molln die Theatergruppe “frei-wild.„ gegründet wurde und fürs Wildererdrama Mitwirkende sucht – daraufhin hab“ ich mich gemeldet und seitdem bin ich dabei. Die Theatergruppe ist eine wunderbare Gemeinschaft voll Engagement, Hilfsbereitschaft und Freude. Es ist ein Geschenk mit so einer Gruppe zu arbeiten.„ Wie kam es nun aber dazu, dass Irmgard Paulis das Operetten-Libretto “Der Aufstand„ von Gertrud Fussenegger zum Schauspiel macht? “In der Nähe meines Hauses stieß ich auf ein Marterl in Edlbach, dessen Inschrift ich früher nicht richtig deuten konnte: „An Tag habens gspürt, den andern voran. Ja dös is a Sach, dö“s Lebns kosten kann. - Anton Matosch„. Dieses Marterl von Rudolf Kusché aus Windischgarsten ist 1976 aus dem selben Anlass entstanden, als Fusseneggers Libretto “Der Aufstand„ als Oper uraufgeführt wurde: 350 Jahre OÖ Bauernkrieg 1626. Mich hat der Spruch sehr bewegt: Es ging den Bauern nicht vordergründig darum, keinen Zehent mehr zu zahlen oder Frohnarbeit zu leisten, es geht um fundamentale Menschenrechte, Menschenwürde und Anerkennung und zutiefst demokratische Ansichten. Das wichtigste an einem Stück ist für mich der Sinn, und dass mich die Arbeit bewegt. Dass das bloße Einfordern fundamentalster Menschenrechte schon das Leben kosten konnte hat mich sehr berührt – deshalb wollte ich es umsetzen“, erzählt Paulis: „Wenn man das Wissen einer solchen Geschichte mit sich trägt, dann wird der Wohnsitz erst zur Heimat. So auch für mich. Dafür bin ich sehr dankbar.“   THEATER-STÜCK Der AufstandZeitloses Schauspiel über den oberösterreichischen BauernkriegAufführungen: 19. bis 21. und 25. bis 27. Oktober 2012, je 20 UhrNationalparkZentrum MollnInfo: www.frei-wild-molln.at

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