Digitale Fotografie - Warum ein Stativ meist unabdingbar ist

Maria Sanchez, Leserartikel, 25.10.2016 08:33 Uhr

Stative sind viel mehr als nur die Frage nach der Mobilität. Ein Stativ als ständigen Begleiter auf Fotoausflügen möchten vor allem Einsteiger häufig nicht auf sich nehmen. Packmaß und die zusätzliche Last schrecken ab. Doch ohne eine geeignete Stabilisationsmöglichkeit gehen gerade zu interessanten Uhrzeiten fantastische Fotogelegenheiten verloren. Neben der Optimierung von Schärfe und Bildqualität eröffnen sich völlig neue, künstlerische Aspekte.

Einsatzbereich nicht nur bei schlechten Lichtbedingungen

Bei ausreichendem Tageslicht wirkt ein Stativ meist völlig überflüssig. Lange Telebrennweiten und lichtschwache Gläser können aber schnell zu Lasten der Bildqualität gehen. Weit entfernte Tiere und Arbeiten in Bodennähe wie bei Ausflügen ins Makrouniversum fallen darunter. Rasch wird der ISO-Wert aufgrund zu langer Belichtungszeiten für den Handbetrieb massiv erhöht. Bei günstigen Bridgekameras mit kleinen Sensoren erweist sich diese Notlösung oft als nicht praktikabel. Hier ist spätestens bei angehender Dämmerung Schluss.

Ein stabilisierender Unterbau ermöglicht bei unbewegten Motiven wie Landschaften oder Architektur die Nutzung der niedrigsten ISO-Stufe und somit dem besten Rauschverhalten und Dynamikumfang. So lassen sich zum Beispiel vielfältige Details in der Nachbearbeitung aus Nachtaufnahmen in den dunklen Schattenbereichen extrahieren. Unter malerischer Verwendung einer Taschenlampe im Dunkeln entstehen mystisch anmutende Schriftzeichen und Formen in der Luft.

Ein Graufilter, oft als Neutraldichtefilter bezeichnet, bietet ähnliche Gestaltungsmöglichkeiten unter strahlendem Sonnenschein. Die künstliche Verdunklung der Linse in Kombination mit langer Belichtungszeit verzaubern Wasserfälle oder Rauch in märchenhafte Nebelstriche. Oder das Fußvolk belebter Stadtplätze verschwindet und offenbart die Schönheit der Szenerie ohne störende Passanten. Ein Stativ bietet also rund um die Uhr interessante Anwendungsmöglichkeiten.

Tragefähigkeit und Ausbau müssen stimmen

Kameras haben je nach Sensorklasse und Objektiv ein stark variables Gewicht. Einfache Bridgekameras lassen sich aufgrund ihrer fixen Konstruktion in der Hinsicht sehr leicht einschätzen. Wechselsysteme wie Micro Four Thirds, APS-C und besonders das Vollformat haben äußerst schwere Telefestzooms oder Festbrennweiten. Bei wuchtigen Vollformatkalibern sind Auflagegewichte von mehreren Kilogramm keine Seltenheit, wenn es in den Telebereich geht. Die Hebelwirkung ist dabei noch nicht berücksichtigt. Eine zu geringe Standfestigkeit oder schwache Kugelköpfe provozieren das Abkippen der Kamera oder sogar den Sturz des Stativs. Ein kleiner Haken unten an der Mittelsäule kann oft zum Beschweren der Ausrüstung dienen. Vor allem bei windigem Wetter ist dies sehr empfehlenswert.

Lange, dünne Teleskopstangen neigen schnell zum Wackeln. Ebenso gaukeln lange Mittelsäulen eine hohe Flexibilität vor, verstärken aber die Ausklingzeit von Erschütterungen enorm. Optimale Ergebnisse sind bei eingezogener Säule und niedriger Aufbauhöhe zu erwarten. Abhängig von Körpergröße gibt es meist unterschiedliche Auszugshöhen im Angebot. Viele Stative besitzen drei Beine und wirken daher oft etwas unflexibel, wenn die Zeit zum Ablichten eines spontanen Motivs knapp bemessen ist. Ein Einbeinstativ stellt einen guten Kompromiss für schnelllebige Momente dar und dient als mobiler Wackelschutz für Sportaufnahmen oder der Tierfotografie während Spaziergängen.

Werkstoffe und ihre grundsätzlichen Eigenschaften

Auf den ersten Blick scheint alles perfekt: Die Kamera wurde gewissenhaft angebracht und ein automatischer Countdown soll kleine Schwingungen durch Betätigung des Auslösers ausgleichen. Trotzdem lässt das Ergebnis manchmal den erhofften Schuss an Schärfe missen. Grund dafür kann eine mangelnde Dämpfung von Vibrationen durch die Bedienung, Windstöße oder Mechanik der Kamera sein. Extreme Zeitwerte und für Erschütterung anfällige Umgebungen beeinflussen die Zuverlässigkeit zusätzlich. Die Wahl des richtigen Materials je nach Anwendungsbereich ist daher unverzichtbar.

Als Werkstoff ist Aluminium hauptsächlich in niedrigen Preisregionen vertreten. Diese Stative sind relativ schwer, aber dafür günstig in der Produktion. Carbon überzeugt durch sein geringes Eigengewicht, reduziert Schwingungen effektiver und ist deutlich angenehmer in der Handhabung zur kalten Jahreszeit. Kohlenstofffasern leiten Wärme und Kälte schlechter als Metall. Unterkühlte Handflächen durch das Anfassen eisiger Stativbeine bleiben so aus. Für echte Naturfreunde bieten Holzstative die wohl besten Dämpfungseigenschaften. Diese sind aber in der Regel teurer und von der Funktionalität weniger gut ausgestattet als die Verwandtschaft aus Carbon und Aluminium. Übermäßiger Kontakt mit Feuchtigkeit und Schmutz kann zudem das naturbelassene Material schädigen.

Bildquelle: © Deeashley - pixabay.com

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