Assistierter Suizid - Büchse der Pandora?

Assistierter Suizid - Büchse der Pandora?
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  • 05. Okt 2022
  • 19:00
  • Linz,
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Der assistierte Suizid unter dem Aspekt der Selbstbestimmt Leben-Bewegung Vortrag und Diskussion mit Erwin Riess Mi. 05. Oktober 19:00 Uhr Ursulinenhof Linz Saal B

Seit 1.1.2022 ist der sogenannte „assistierte Suizid“ auch in Österreich erlaubt, wenn auch mit wesenlich stärkeren Auflagen als beispielsweise in den Benelux-Ländern. So dürfen nur volljährige Personen den assistierten Suizid in Anspruch nehmen und die vorangehende Beiziehung von mindestens zwei Ärzt:innen, darunter ein/eine Palliativmediziner/in ist zwingend vorgeschrieben. Auch darf in Österreich keine Werbung für den assistierten Suizid betrieben werden, anders als beispielsweise in der Schweiz, wo der oder die Sterbewillige unter zahlreichen Geschäftsangeboten und Sterbemodellen wählen kann.

Befürworter:innen des „Rechts auf einen selbstbestimmten Tod“ klagen über die Hürden schon beim assistierten Suizid und wollen auch die Sterbehilfe, d.h. die gezielte Beendigung des Lebens durch eine andere Person straffrei gestellt wissen, wenn der Tötung der ausdrückliche Wunsch der sterbewilligen Person vorangeht.

Gegner:innen des assistierten Suizids und insbesondere der Sterbehilfe kommen nicht nur aus kirchlichen Kreisen oder der Kirche nahestehenden Einrichtungen, auch Mediziner:innen, kritische Geister, die einen Dammbruch bzw. das Öffnen der Büchse der Pandora befürchten und vor allem auch Aktivist:innen der Behindertenbewegung (Indepent Living Movement) befürchten, dass künftig Schmerzgrenzen überschritten werden könnten, denen zufolge Menschen aufgrund ihrer Erkrankung, Behinderung, ihrer fortschreitenden ökonomischen Nutzlosigkeit mit mehr oder weniger sanftem Druck zum Ausscheiden aus dem Leben gebracht werden sollen.

Der Vortrag des Schriftstellers und langjährigen Aktivisten in der Selbstbestimmt Leben-Bewegung Erwin Riess wird aber über die Fragestellungen zum „assistierten Suizid“ hinaus Stellung beziehen zur Lage behinderter Menschen in Österreich, zu wiederholten Anläufen, das sogen. Pflegegeld abzuschaffen und durch Zuweisungen an parteinahe Hilfsorganisationen zu ersetzen, zur „Pflegereform“ und sicherlich auch dazu, dass die Ratifizierung der UN-Konvention für Menschen mit Behinderung durch Österreich im Jahr 2008 viel Papier entstehen ließ, jedoch wenig Wirksamkeit im Sinne der tatsächlichen Gleichstellung bedeutete.