Die Corona-Pandemie als Herausforderung im Alltagsleben für Hörgeschädigte

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Tanja Auer Tips Redaktion Tanja Auer, 19.01.2022 10:45 Uhr

ALKOVEN/LINZ. Als sich Corona in Österreich ausbreitete, infizierten sich bald auch die ersten hörbeeinträchtigten Menschen. Informationsbeschaffung und Lockdowns waren eine große Herausforderung. Vereine wie die Gemeinschaft Eltern und Freunde Hörgeschädigter in Alkoven und die Barmherzigen Brüder in Linz arbeiten daher auf Hochtouren, um barrierefrei Lösungen und Begleitung bieten zu können.

Gehörgeschädigt zu sein bedeutet Hürden im Alltag zu haben, die sich gesunde Menschen nicht vorstellen können. Beim Elternabend, in der Schule oder beim Kinderarzt – jede Situation hat einen eigenen Lösungsweg. Die Pandemie hat das Leben von hörbeeinträchtigten Menschen jedoch vor massive Herausforderungen gestellt.

Die neue Normalität

Rund 10.000 gehörlose Menschen gibt es in Österreich. Bewegungen von Kopf, Hand und Lippen sind für stark Hörbeeinträchtigte wesentlich, um sich verstehen und verständigen zu können. Mit Fortschreiten der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen, wie der Maskenpflicht, spitzte sich die Situation in den gefährdeten Gruppen jedoch zu. Vor allem Kinder waren Leidtragende. „Die Maskenpflicht ist ein sehr schwieriges Thema. Als hörbeeinträchtigter Schüler tut man sich sehr schwer damit herauszufinden was Mitschüler oder Lehrer im Unterricht sagen, wenn der Mund bedeckt ist. Auch der Störlärm der Hörgeräte, also die Vielzahl an Hintergrundgeräuschen, ist nicht zu unterschätzen“, erzählt Stefan Langfellner, der seit 2017 als Obmann der Gemeinschaft Eltern und Freunde Hörgeschädigter in Alkoven agiert. „Durch die soziale Isolation ist die Gefahr für psychische Probleme bei Kindern stark erhöht. Auch beim Distance Learning ist es so, dass meine Tochter teilweise nicht mehr richtig mitkommt.“ Langfellners 16-jährige Tochter ist seit der Geburt hörgeschädigt.

Verein als Hilfestellung

Der Alkovener Verein wurde 1988 von Eltern für Eltern gegründet und ist derzeit für rund 100 Mitgliedsfamilien zuständig. Die Gemeinschaft setzt sich seitdem für die rechtlichen und sozialen Bedürfnisse von hörbeeinträchtigten Menschen ein. Aktuell sind die Themen Familienbeihilfe und das Integrieren der Gebärdensprache als Unterrichtsfach zwei große Anliegen der Community. „Hörbeeinträchtigung bringt viele Ängste und Fragen mit sich. Was bedeutet das für mich? Was heißt das für mein Umfeld? Wer Austausch wünscht und braucht, soll sich bei uns melden.“ Doch nicht nur Eltern können sich barrierefrei mit anderen Eltern austauschen: „Hörgeschädigte Kinder sind im Alltag oft Einzelkämpfer. Bei uns können sie andere Kinder mit ähnlichen Problemen kennenlernen, Freundschaften schließen und voneinander lernen“, so Langfellner. Gemeinsame Veranstaltungen und die Schneckenpost, die dreimal im Jahr erscheint, sorgen für ein Gemeinschaftsgefühl. Gemeinsam mit den Barmherzigen Brüdern Linz ist heuer noch ein Wochenende für Kinder mit Mehrfachbeeinträchtigung geplant.

Medizinische Betreuung ist große Herausforderung

Auch im Bereich der Gehörlosenbetreuung musste man während der Pandemie flexibel werden. Das Team der Gehörlosenambulanz der Barmherzigen Brüder in Linz war stark gefordert. Der Bereich Telemedizin wurde rasch ausgebaut. Knapp 2.000 Videochats in den letzten beiden Jahren waren das Resümee. In deren Zentrum standen vor allem die Symptomabfrage, eine eigene Corona-Test-Hotline, die Unterstützung bei der Quarantänehandhabung sowie die Therapiemöglichkeiten samt Medikamentenversorgung. Bisher konnte das Team des Gesundheitszentrums für Gehörlose und Menschen mit Hörbeeinträchtigung auch 200 Schutzimpfungen organisieren und betreuen. „Gehörlose verstehen die Bedeutung der Impfung sehr gut“, meint dazu Johannes Fellinger, Leiter des Zentrums und Leiter des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie und Initiator der Gehörlosenambulanz.

Taubheit des Vaters als Motivator für Ambulanz

Fellingers „Gehörlosenambulanz“ gilt als Vorreiter in der barrierefreien Versorgung in Österreich – seine Motivation für die Eröffnung des Zentrums im Jahr 1993 war die Taubheit seines Vaters. Neben medizinischen Leistungen wird dort eine umfassende Unterstützung für hörbeeinträchtigte Menschen und deren Angehörige geboten.

Wichtige Adressen für Gehörbeeinträchtigte und Angehörige:

Gemeinschaft Eltern und Freunde Hörgeschädigter, Alkoven

www.elternundfreunde.at

Gehörlosenambulanz Linz

www.facebook.com/glamblinz

Gehörlosenverband OÖ

www.gehoerlos-ooe.at

Notruf für Gehörlose

0800/133133 oder DEC112

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