Vizebürgermeisterinnen berichten über Flexibilität, Familienarbeit und Chancen

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Lisa Hackl Tips Redaktion Lisa Hackl, 15.06.2022 14:05 Uhr

EFERDING/ GRIESKIRCHEN. Sechs Bürgermeisterinnen sind in den Bezirken Eferding und Grieskirchen aktiv, zwölf Vizebürgermeisterinnen stehen den Ortschefs in der Region zur Seite. Tips ist der Frage nachgegangen, warum nur so wenige Frauen Positionen in der Spitzenpolitik bekleiden. 

„Das Amt des Bürgermeisters ist mit sehr großer Verantwortung, Rechten und Pflichten verbunden. Oftmals müssen auch unangenehme Entscheidungen getroffen werden. Wenn man in der ersten Reihe steht, ist man auch oft von Anfeindungen betroffen und man wird für Entscheidungen verantwortlich gemacht, wo man aus rechtlicher Sicht nicht anders entscheiden konnte“, versucht St. Marienkirchens Vizebürgermeisterin Eva Wahlmüller (ÖVP) eine Erklärung, warum mehr Männer höhere Positionen in der Politik bekleiden als Frauen. Sie sieht bereits viel Förderung für Frauen in der Politik mit Weiterbildungsprogrammen in jeder Partei. „Aber jede Frau hat meist schon eine Doppelbelastung von Kindern, Haushalt und Beruf zu stemmen. Die Leistungsanforderung im Berufsleben steigt ständig. Frauen in der Politik sind sehr wichtig, da Frauen bei Diskussionen und in Ausschüssen andere Sichtweisen ins Spiel bringen. Aber wenn man als Frau gefragt wird, ob man mitmachen möchte, dann muss man auch ‚Ja‘ sagen. Meist scheitert es an einem ‚Nein‘“, so Wahlmüller. Sie selbst habe ihren Einstieg in die Politik nie bereut. Maria Brunner (ÖVP)aus Prambachkirchen ist die erste Vizebürgermeisterin in der Geschichte der Gemeinde. Einen höheren Aufstieg in die Politik kann sie sich nicht vorstellen, sie sei sehr zufrieden mit dem Amt der Vizebürgermeisterin. „Die Bereitschaft, in den ‚vorderen‘ Reihen dabei zu sein, ist eine sehr persönliche Entscheidung“, begründet Brunner die niedrige Zahl an Kolleginnen.

Brückenbauerin

Romana Frandl (SPÖ, Vizebürgermeisterin der Gemeinde Aschach) möchte neben einer Repräsentation nach außen auch eine Brückenbauerin nach innen sein und Informationen zwischen Politik und Bevölkerung weitertragen. Einen weiteren Aufstieg in die Bezirks-, Landes- und Bundespolitik kann sie sich nicht vorstellen. Für ihre Hartkirchner Kollegin Margot Arthofer (ÖVP) ist ein weiterer Aufstieg in der Politik denkbar. Sie denkt, dass Frauen in den nächsten Jahren in der Gemeindepolitik aufholen werden. „Frauen zögern auch bei gleicher Qualifikation oft länger als Männer, wenn es um Karrieresprünge geht. Je mehr Frauen sich mit der Gemeindepolitik vertraut machen und ein- und mitarbeiten, desto mehr werden es sich in Zukunft auch zutrauen. Wir können das auch“, so Arthofer.

Faktor Zeit spielt eine Rolle

Barbara Beham (ÖVP) aus Bad Schallerbach versucht, sich in ihrer Funktion als Vizebürgermeisterin intensiv in die Bereiche Bildung, Familie, Jugend, Generationen und Kultur einzubringen. Einen weiteren Aufstieg möchte sie nicht ausschließen, fühlt sich aber in ihrem Bereich als Vizebürgermeisterin sehr wohl. Auf die Politik bezogen, spielen sicher die Faktoren Zeit und dass sich Frauen immer noch zu wenig zutrauen eine große Rolle. Die wenigsten Frauen drängen sich in den Vordergrund, erklärt Beham.

Flexibilität schwierig

Daniela Wolfschlucker (ÖVP), Vizebürgermeisterin von Steegen, kann sich einen weiteren Aufstieg in der Politik vorstellen, wenn es für Familie und ihren Arbeitgeber passt. „Gerade wenn man Familie hat, ist es sicher schwieriger, die vielen Termine als Bürgermeisterin unter einen Hut zu bringen. Die geforderte Flexibilität ist in der Kinderbetreuung einfach schwieriger“, erklärt sie. „Ich denke, vor allem als Vollzeitbürgermeisterin erlebt man eine gewisse Doppelbelastung durch Familie, Kinder und Haushalt – dessen muss man sich bewusst sein. Bei ernsthaftem Interesse hat meiner Meinung nach jedoch jede Frau die Chance, Bürgermeisterin zu werden“, so Vizebürgermeisterin Ursula Aigner (ÖVP) aus Wallern. Sie hat in ihrer Fraktion einen Frauenanteil von 50 Prozent und berichtet von guter Stimmung. Vanessa Ehrengruber (ÖVP), Vizebürgermeisterin der Gemeinde Scharten, sieht ihre Aufgabe in der Vertretung von Jugendlichen in der Gemeinde. Ihren weiteren politischen Aufstieg will sie von der in Frage stehenden Position abhängig machen. „Die vorderen Reihen sind meist sehr zeitintensiv und das ist nicht mit jeder Lebenssituation leicht zu vereinbaren. Es gibt auch in der Gemeindepolitik noch Möglichkeiten, diese familienfreundlicher zu gestalten“, erklärt sie. „Ich denke, es liegt daran, dass sich prozentuell weniger Frauen einer Direktwahl stellen“, erklärt Weiberns Vizebürgermeisterin Eva Roitinger (ÖVP). „Ich denke, Begeisterung erwächst aus den Aufgaben, die man in der jeweiligen Funktion erhält. Wichtig ist, dass man interessierten Frauen die Möglichkeit bietet, mitzuarbeiten“, erklärt sie.

Bürgermeisterinnen fördern

47 Bürgermeisterinnen gibt es laut oberösterreichischem Gemeindebund in den 438 oberösterreichischen Gemeinden, eine genaue Zahl der Vizebürgermeisterinnen gibt es nicht. Aus einer Umfrage der Bundesorganisation des Gemeindebundes ging jedoch hervor, dass sich Bürgermeisterinnen öfter für das Amt überreden lassen. 27 Prozent von ihnen gaben an, aufgrund des Drängens von anderen für das Amt kandidiert zu haben. Mehr als 70 Prozent der Bürgermeisterinnen haben bereits persönliche Erfahrungen mit Beleidigungen, Bedrohungen und Übergriffen gemacht, aber auch bei ihren männlichen Kollegen sind es mehr als die Hälfte. Der Gemeindebund versucht, die Frauen besser miteinander zu vernetzen, um sie in Führungspositionen zu fördern. Einmal pro Jahr findet ein Bürgermeisterinnen-Treffen in einem anderen Bundesland statt.

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