Leben mit einem Demenzkranken: „Es ist sehr schwer, immer die nötige Kraft und Geduld aufzubringen“

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Mag. Susanne  Überegger Mag. Susanne Überegger, Tips Redaktion, 18.09.2018 17:35 Uhr

ST. OSWALD/FR. Seit 50 Jahren ist Anni Grünhagen mit ihrem Mann Karl Heinz verheiratet. Das Paar führte ein normales Leben, bis der heute 77-Jährige immer öfter Dinge vergaß und sich sein Wesen veränderte. Vor gut sieben Jahren stellten Ärzte dann die Diagnose „Demenz“. Seitdem ist für das Ehepaar Grünhagen nichts mehr so, wie es vorher war.

„2011 sind mir und unserem Sohn erste Anzeichen von Demenz an meinem Mann aufgefallen. Er verhielt sich oft auch ganz anders als gewohnt“, erinnert sich Anni Grünhagen zurück. „Mein Mann selbst wollte davon allerdings nichts hören.“

„Die Diagnose war ein Schock“

Ein kompletter Check im Wagner Jauregg ergab schließlich, dass Karl Heinz Grünhagen an Demenz leidet. „Die Diagnose war erstmal ein Schock. Wobei mein Mann nach wie vor überzeugt ist, dass ihm gar nichts fehlt“, sagt Anni Grünhagen, die ihren Mann quasi rund um die Uhr betreut.

Gute und schlechte Tage

Wie es Karl Heinz Grünhagen geht, komme auf seine Tagesverfassung an: „Manchmal hat er wirklich gute Tage, an denen man ihm kaum etwas anmerkt. Schöne Tage, an denen er ruhig ist und zuhört. An schlechten Tagen allerdings muss ich einiges aushalten. Er hat dann das Gefühl, ich mache Sachen, um ihn zu ärgern“, schildert die 68-Jährige. Ihr Mann leide dann sehr unter Stimmungsschwankungen, kann auch sehr laut werden.

„Es ist anstrengend für mich, immer die nötige Kraft und Geduld aufzubringen“, sagt Anni Grünhagen. Ein anerkennendes Wort oder ein Lob bekommt sie von ihrem Mann nicht: „Gefühle zu zeigen fällt ihm sehr schwer.“

Unangenehme Situationen

Wenn das Paar spazieren oder einkaufen geht, kann es auch schon mal zu unangenehmen Situationen kommen: „Er meint, etwas sagen zu müssen, wenn er glaubt, jemand macht etwas falsch. Dadurch, dass er schlecht hört, spricht er auch sehr laut“, versucht Anni Grünhagen, in so einer Situation zu vermitteln.

Vor kurzem erst ist das Ehepaar, das ursprünglich aus Deutschland stammt, von einer Wohnung in Freistadt zur Miete in ein Häuschen in St. Oswald gezogen. „Da ist es nicht so tragisch, wenn mein Mann einmal laut wird. Den Nachbarn habe ich erklärt, was mit ihm los ist“, hofft Grünhagen auf Verständnis für die Situation der Familie.

Paar sah sich mit Mobbing konfrontiert

Denn oft könnten sich Außenstehende nicht vorstellen, wie das Leben mit einem Demenzkranken ist. Das erlebte das Paar auch, als es noch in seiner Wohnung in Freistadt lebte: „Wegen der Krankheit meines Mannes wurden wir von einigen Nachbarn sehr gemobbt. Einige Mieter im Haus konnten die Demenzerkrankung nicht akzeptieren. Es ist schade, dass es manchen Mitmenschen an Empathie gegenüber den Demenzkranken und auch deren Partnern fehlt“, meint Anni Grünhagen.

„Möchte kein Mitleid“

„Ich möchte weder Mitleid noch bedauert werden, aber ich wünsche mir, ernst genommen zu werden“, sagt Anni Grünhagen.

„Manchmal will ich alles hinschmeißen“

Sie versucht, ihrem Mann durch einen geregelten Tagesablauf Struktur und damit Sicherheit zu geben. „Im Grunde ist das bei Demenzkranken genauso wichtig wie bei Kindern“, sagt die zweifache Mutter und mehrfache Oma und Uroma.

Oft brauche der 77-Jährige viel Ruhe. Er schlafe dann oder sehe fern. „Dann schimpft er eben mit dem Fernseher“, schildert Grünhagen, die schon öfter den Gedanken hatte, einfach alles hinzuschmeißen.

„Es ist schwer, an die nächsten Jahre zu denken. Auch der Gedanke, dass ich früher gehen muss als er, beschäftigt mich.“

Austausch mit anderen betroffenen Angehörigen

Kraft würde die pensionierte Einzelhandelskauffrau aus dem Austausch mit anderen betroffenen pflegenden Angehörigen schöpfen.

„Ich habe schon mehrmals versucht, eine entsprechende Gruppe zu gründen. Leider habe ich es noch nicht geschafft. Vielleicht ist die Hemmschwelle zu groß. Viele möchten nicht, dass die Außenwelt erfährt, wenn ein Angehöriger an Demenz oder Alzheimer erkrankt ist. Dabei tut es so gut zu wissen, dass man nicht alleine ist.“

Wer Interesse an einem Austausch hat, kann sich gerne per E-Mail an Anni Grünhagen wenden: annigruenhagen@hotmail.de

Am Freitag, 21. September ist Welt-Alzheimertag. Der Tag wird auf der ganzen Welt zum Anlass genommen, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen.

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