Reaktion auf das Papst-Schreiben: Pfarrer Willi Eichinger geht mit der Katholischen Kirche hart ins Gericht

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Mag. Susanne  Überegger Mag. Susanne Überegger, Tips Redaktion, 14.02.2020 16:24 Uhr

PREGARTEN. Keine Lockerung des Zölibats und keine Frauenweihe: Das Schreiben von Papst Franzikus zur Amazonien-Synode (siehe Infobox) enttäuscht viele Kirchenvertreter und Gläubige. Pfarrer Willibald Eichinger aus Pregarten kämpft schon seit Jahrzehnten dafür, veraltete Denkmuster und Strukturen in der Kirche aufzubrechen – und nimmt sich dabei kein Blatt vor den Mund.

Mit seiner Meinung hat Pfarrer Willibald Eichinger, der vor kurzem seinen 80. Geburtstag feierte, noch nie hinterm Berg gehalten.

„Man muss Klartext reden“

„Man muss Klartext reden, sonst wird sich in der Kirche nie etwas ändern“, sagt Eichinger, der 1964 zum Priester geweiht wurde und von 1975 bis 2000 Pfarrer in Pregarten war.

„Schon beim zweiten Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965, Anm.) ist über das Zölibat und die Frauenweihe diskutiert worden, und seither hat sich nichts getan“, ärgert sich Eichinger, der bereits mehrere Briefe mit Reformvorschlägen an Kardindal Christoph Schönborn sowie Papst Franziskus geschickt hat und sich bei dem Thema durchaus in Rage reden kann.

„Die Kirche ist zutiefst gespalten“

„Die Kirche ist zutiefst gespalten. Auf er einen Seite haben wir die autoritäte, diktatorische, männerdominierte, körper- und frauenfeindliche, machtbesessene, gegen Reformen resistente, klerikale Oberkirche mit ihren Exzellenzen, Eminzenzen und seiner Heiligkeit. Auf der anderen Seite ist die zum Gehorsam und Schweigen verurteilte laikale Unterkirche“, sagt Eichinger und fragt sich: „Wann begreift die klerikale Oberkirche endlich, dass die Kirche Jesu eine gleichberechtigte und gleichwertige Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern ist und alle als gleichwertige Mitglieder zu behandeln sind?“

Vom Papst enttäuscht

Von der Amazonien-Synode sei er ebenso enttäuscht wie vom Papstschreiben dazu. „Das muss man sich mal vorstellen: Bei der Synode entscheiden lauter alte, ergraute Männer über das Schickal Millionen Gläubiger. Diese dürfen zwar gnädigerweise mitreden, aber nicht mitbestimmen. Dabei geht es um ihr Leben, nicht um das Leben der Kardinäle und Bischöfe“, sagt Eichinger, der eine „Welle von Kirchenaustritten erwartet, weil die Menschen es satt haben, sich von oben herab behandeln zu lassen. Mir tut es um jeden leid, der aus der Kirche austritt, aber ich kann es sehr gut verstehen.“

„Meiner Meinung nach gehören die Kardinäle abgeschafft. Diese alten Männer stellen ein Machtinstrument dar, das in der Kirche nichts zu suchen hat.“

Die Angst vorm Machtverlust an die Frauen

Für das Argument von Papst Franziskus gegen die Frauenweihe – Jesus war ein Mann, deswegen sind Priester Männer – hat Eichinger nur fassungsloses Kopfschütteln übrig: „Ein hirn- und geistloseres Argument als dieses gibt es nicht. Hätte Jesus als Zwitter auf die Welt kommen sollen? Was spricht denn gegen eine Frau als Priesterin? Diese männerdominierte Bande hat doch nur Angst, ihre Macht an die Frauen zu verlieren!“

In Papst Franziskus habe Eichinger Hoffnungen gesetzt, weil „er so hoffnungsvoll angefangen hat. Aber ich bin Realist, ich weiß, dass der Papst ein Gefangener der klerikalen Oberkirche ist.“

Hoffnung liegt bei den Bischöfen

„Meine Hoffnungen liegen jetzt bei den Bischöfen. Dass sie jetzt sofort aufstehen, sich solidarisieren, sich geschlossen nach Rom bewegen und sagen: Das ist gegen die Menschenwürde, wir lassen uns nicht mehr von oben herab behandeln!“, hat Eichinger gerade vor wenigen Tagen einen entsprechend kritischen Brief an Bischof Manfred Scheuer geschickt.

„Der Zölibat soll frei wählbar sein“

Den Zölibat sieht der Pregartner als Verstoß gegen die Menschenrechte. „Es wird immer von der Abschaffung des Zölibats gesprochen, dieser Ausdruck gefällt mir persönlich aber nicht. Ein positiveres Wort wäre ,Freistellung“. Ein Priester soll frei wählen dürfen, ob er den Zölibat leben möchte oder nicht. Aber leider spricht man zu tauben Ohren.„

“Gott ist ein den Menschen zugewandter Gott, ohne erhobenem Zeigefinger„

Willibald Eichinger selbst stammt aus einer streng religiösen Familie und ist in St. Nikola (Bezirk Perg) aufgewachsen. Schon als Volksschüler wollte er Priester werden. “Zuerst war ich ein Kind der alten theologischen Schule. Bis ich dann im Priesterseminar die hervorragende Theologie von Karl Rahner genossen habe. Das war für mich eine Theologie der Befreiung: Gott ist ein den Menschen zugewandter Gott, nicht ein Gott mit erhobenem Zeigefinger. In meinem Leben habe ich mich stets bemüht, den lebensspendenden, befreienden Gott zu verkünden.„

Die Amazonas-Synode

„Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien): So lautet der Titel des Papstschreibens zur Amazonien-Synode, das am 12. Februar 2020 im Vatikan präsentiert worden war.

In dem 50-seitigen Schreiben beschäftigt sich Papst Franziskus mit der Amazonien-Synode, bei der im Oktober 2019 im Vatikan rund 280 Bischöfe der Amazonasregion, Vertreter kontinentaler Bischofskonferenzen sowie der Römischen Kurie, Indigene und hinzugeladene Fachleute über aktuelle Herausforderungen im Amazonasgebiet diskutierten.

Unter dem Motto „Amazonien – neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie“ ging es unter anderem um ökologische und soziale Folgen des Raubbaus in der ressourcenreichen Region Südamerikas, die Stärkung der indigenen Bevölkerung sowie um neue Wege in der Seelsorge.

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