Wirtschaftlich neue Wege gehen: „Es wird kein ständiges Wachstum geben“

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Die Peerevaluierungsgruppe Linz mit Freistädter Bier, Holzbau WIEHAG und Saphenus. Foto: GWÖ Klien
Die Peerevaluierungsgruppe Linz mit Freistädter Bier, Holzbau WIEHAG und Saphenus. Foto: GWÖ Klien
Jürgen Affenzeller Jürgen Affenzeller, Tips Redaktion, 01.07.2020 15:23 Uhr

FREISTADT/ALTHEIM/KREMS/LINZ. Wie gelebte Gemeinwohl-Ökonomie in der Praxis aussieht, haben die Braucommune in Freistadt, Holzbau-Spezialist WIEHAG (Altheim) und das niederösterreichische Start-Up Spahenux Medical Technology (Krems) jetzt in ihrer Gemeinwohl-Bilanz dokumentiert.

Eine solche Gemeinwohl-Bilanz bietet einen umfassenden Blick auf die soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung und liefert weine wertvolle Basis für strategische Entscheidungen. Darüber hinaus erfüllt es – wie in einem juristischen Gutachten vom Institut für Umweltrecht an der JKU bestätigt – die Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. 

Auch die Coronakrise bekräftigt verantwortungsvolles Wirtschaften und die Entscheidung zur Gemeinwohl-Bilanzierung.

Kooperation statt Konkurrenz

Das GWÖ-Prinzip „Kooperation statt Konkurrenz“ ist bei der Braucommune in Freistadt schon seit vielen Jahren gelebte Realität: Gemeinsam mit acht anderen, privaten Brauereien – den „Culturbrauern“ – setzt sie sich für die Erhaltung der Biervielfalt und das Überleben von österreichischen Privatbrauereien ein.

Ein weiterer Bereich, wo das Unternehmen punktet, ist die regionale Rohstoffbeschaffung: Der Hopfen kommt zu hundert Prozent aus kontrolliertem, naturnahem Anbau aus dem Mühlviertel. 35 regionale Hopfenbauern liefern die kostbaren Dolden. „Wir glauben, dass wir in Zukunft andere Wege gehen müssen. Es wird kein ständiges Wachstum geben“, so Ewald Pöschko, Geschäftsführer der Braucommune. Die Gemeinwohl-Bilanz dient für ihn als Grundlage dafür, das gesamte Unternehmen strukturell neu auszurichten und der Nachhaltigkeit und Regionalität noch mehr Gewicht zu geben.

Nächste Generation setzt neue Impulse

Seit einem Jahr arbeitet Katharina Wiesner im elterlichen Betrieb, dem oberösterreichischen Familienunternehmen WIEHAG mit. Der Holzbauspezialist, der mit weltweiten Vorzeigeprojekten für Pionierleistungen im klimafreundlichen Bauen steht, beweist seit 170 Jahren, dass es möglich ist, ökologisch und sozial zu handeln und dabei langfristig ökonomisch erfolgreich zu sein.

Die von Wiesner initiierte und soeben fertiggestellte Gemeinwohlbilanz bestätigt mit ihrem sehr positiven Bilanzergebnis diesen ganzheitlichen Erfolg. „Als Vertreterin der nachfolgenden Generation ist es mir wichtig, dass wir die vielseitigen Aspekte der Nachhaltigkeit noch stärker in unser Leitbild einbinden und so als Unternehmen Bewusstsein für verantwortungsvolles Wirtschaften schaffen“, so Wiesner.

Inmitten der sehr ressourcenintensiven Bauindustrie nimmt WIEHAG damit eine aktive Rolle in der Wende hin zu einer material- und energieeffizienteren Bauweise ein.

Von Beginn an gemeinwohlorientiert

Einen Gegenentwurf zur gängigen Start-Up-Strategie, nämlich schnell zu wachsen und das Unternehmen bald teuer zu verkaufen, verfolgt Rainer Schultheis, Geschäftsführer von Saphenus Medical Technology.

Den Gründern des jungen Medizintechnikunternehmens, das die weltweit erste fühlende Prothese entwickelt hat, war wichtig, die drei Säulen der Nachhaltigkeit von Beginn an holistisch zu verwirklichen. „Gerade in der Medizintechnik-Branche steckt die Gemeinwohl-Orientierung noch in den Kinderschuhen, und es ist schwierig, Kooperationspartner zu finden, die ethisch handeln“, so Schultheis. Eine Herausforderung, die das junge Unternehmen gerne annimmt. Darüber hinaus sieht Schultheis es als seine Aufgabe, andere Start-Ups für den Gemeinwohlgedanken zu begeistern.

Nutzen auch für kleinere Unternehmen

Die Gemeinwohl-Bilanz erfüllt gesetzliche Vorgaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung vorbehaltlich weniger Anpassungen.

„Das Gutachten zeigt, dass große Unternehmen, die nach der Gemeinwohl Bilanz berichten, ihre vom europäischen bzw. nationalen Gesetzgeber geforderte Berichtspflicht (NFI1-RL bzw. NaDiVeG2) zu nicht-finanziellen Informationen (Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption und Bestechung) bzw. zur Diversität weitestgehend erfüllen. Zudem bietet die Gemeinwohl-Bilanz einen über die Erfüllung dieser gesetzlichen Pflichten hinausgehenden Nutzen für große, aber auch für nicht berichtspflichtige kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). Sie hat das Potential, unser Wirtschaftssystem nachhaltiger und ethischer zu gestalten,“ so die beiden Gutachten-Autor.

„Als nachhaltiges Wirtschaftsmodell eröffnet die GWÖ Unternehmen einen Weg in die Zukunft“, so Christian Felber, GWÖ-Initiator und Buchautor-

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