Textil in Weitra: global - lokal - regional

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Olivia Lentschig Olivia Lentschig, Tips Redaktion, 10.07.2020 09:00 Uhr

WEITRA. Das Museum Alte Textilfabrik in Weitra eröffnete am 4. Juli 2020 die heurige Sonderausstellung zur Geschichte und Gegenwart der Textilerzeugung im Waldviertel und wagt damit auch einen Blick in die Zukunft.

Die alte Textilgeschichte Europas birgt mehr Zukunftspotential, als man vermuten möchte. In Zeiten wie diesen, in denen die europäischen und regionale Selbstversorgung eine neue Bedeutung bekommt, haben sich viele Waldviertler Betriebe bewährt und zum Beispiel rasch mit der Produktion von dringend benötigten Atemschutzmasken begonnen. Diese besonders auch für Kulturveranstalter und Museen herausfordernde Zeiten haben die Obfrau des Museums Alte Textilfabrik Brigitte Temper-Samhaber auf eine neue Idee gebracht.

„Wir hätten heuer im in unserem Haus das Thema HOCHZEIT als Sonderausstellung zeigen wollen – es ist mir jedoch emotional einfach nicht möglich, dieses so fröhliche Thema, in Zeiten wie diesen, zu bearbeiten. Nun haben wir beschlossen, es auf das kommende Jahr zu verschieben. Da wir hoffen, das Museum jedoch ab Mitte Juni oder Anfang Juli wieder aufsperren zu können, möchte wir ein Thema zum 30jährigen Jubiläum präsentieren, das besser in diese eigenartige Zeit passt. Ich denke, es macht Sinn, sich mit der Vergangenheit und der Zukunft der TEXTILERZEUGUNG in unserer Region auseinanderzusetzen, gerade jetzt, da durch die Corona - Krise sichtbar wird, welche großen Lücken in der Versorgung durch die Globalisierung entstanden sind.

Die Sonderausstellung zeigt Anhand exemplarisch ausgewählter Betriebe mittels Geschichten und Exponaten aus deren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf, welche großartigen Unternehmen sich in unserer Region noch - und hoffentlich zukünftig verstärkt – mit Textil beschäftigen“ (Obfrau Brigitte Temper-Samhaber).

Das Museum, das von Prof. Albert Hackl und Dr. Andrea Komlosy vor 30 Jahren im Gebäude der alten „Hacklfabrik“ begründet wurde und heuer einen runden Geburtstag feiert, kann bei der Sonderausstellung auf die Initiativen der letzten Jahre aufbauen. Im Vorjahr hatte man in Kooperation mit dem Südböhmischen Museum in Budweis zwei internationale Textilkongresse organisiert und dabei auch positive Blicke in die Zukunft werfen können.

So meinte der Handelswissenschafter und frühere Sekretär der europäischen Textilgewerkschaft Rudolf Godesar aus Belgien: „Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, Sozialdumping und Umweltverschmutzung nicht mehr belohnt werden, dann werden in Europa auf die Textilindustrie wieder prosperierende Zeiten zukommen.“ Die Zahlen geben ihm recht. Es ist bereits wieder ein Rückzug aus Asien zu bemerken, vermehrt wird wieder in Europa produziert, in Portugal kann man sogar von einem richtigen „Boom“ sprechen. Besonders die Innovationen im Bereich „smart textiles“ sind europäisch und Österreich macht hier eine gute Figur: So wird das erste energiesparende Handtuch der Welt, das 1/3 Wasser, Strom und Prozesschemie einspart, im Waldviertel gewebt.

 

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