„Für mich riechen Leim und Leder besser als Chanel Nr. 5“

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Daniela Toth Daniela Toth, Tips Redaktion, 11.03.2014 12:00 Uhr

GMUNDEN. Handgemachte Schuhe sind die Leidenschaft des Gmundners G. Michael Wermescher. Als „Kurator“ verwaltet er den Schuh-Nachlass seines ehemaligen Schuhmachers und setzt sich auch künstlerisch mit dem Thema auseinander. Nun hat er gemeinsam mit dem Fotografen Michael Wittig eine Reihe von Schuh-Bildern geschaffen, die ab 15. März im Wiener Café zu sehen sind. Tips hat mit dem Schuh-Liebhaber gesprochen.

Tips: Was ist das Besondere an handgemachten Schuhen? G. Michael Wermescher: Erstens: Sie sind Unikate - mein Schuh wurde für mich gemacht, er erzählt eine Geschichte. Und zweitens: Schuhe haben eine „Seele“. Tips: Wie ist das gemeint? Wermescher: Natürlich ist ein Schuh nur ein Schuh. Aber: Es ist dein Schuh. Er ist für dich gemacht und er erzählt eine Geschichte. Und dann ist ein handgemachter Schuh auch etwas Besonderes: Es ist etwas, das nicht jeder hat. Ich kenne jemanden, mit dem ist sein Vater als er 18 war nach Wien zum Schuhmacher gefahren - für die ersten Maßschuhe. Etwas Besonderes. Und damit hat er eben gewartet, bis die Füße ausgewachsen waren. Tips: Wie lange „leben“ handgemachte Schuhe? Wermescher: Wenn man mehrere Paare hat sind bei guter „Haltung“ über zehn Jahre nicht unrealistisch, wenn man zwei Paar hat, werden sie natürlich stärker beansprucht. Es hängt aber auch vom Leder ab - man kann von außen oft nicht sehen, wie lange es halten wird. Mein erster handgemachter Schuh ist 20 Jahre alt. Natürlich sieht man ihm sein Alter an, aber ich bekomme für diesen schwarzen, „unscheinbaren“ Schuh immer noch die meisten Komplimente. Tips: Woher kommt Ihre Leidenschaft für Schuhe? Wermescher: Mein Großvater war Schuhmacher, ich bin als Kind immer bei ihm in der Werkstatt gewesen. Jeder sagt: Leim und Leder stinkt: Aber für mich riecht es besser als Chanel Nr. 5 - es riecht nach Kindheit. Tips: Sie verwalten also den Schuh-Nachlass ihres Schuhmachers. Wie kam es dazu? Wermescher: Mit Anfang 20 habe ich mir dann bei einem ungarischen Schuhmacher meine ersten Schuhe machen lassen. Ich habe ihn immer wieder besucht, bis er vor drei Jahren gestorben ist. In Absprache mit seinen Hinterbliebenen versuche ich nun, für die verbliebenen ca. 40 Paar handgemachten Schuhe die passenden Käufer zu finden. Tips: Wie sind die Fotos für die Ausstellung entstanden? Wermescher: Michael Wittig hat die Bilder für ein Paar Schuhe gemacht. Ich habe 17 Paar Schuhe fünf Wochen lang perfekt für die Fotos hergerichtet, und wir haben dann nur mit Kamerablitz in der Hipp-Halle fotografiert. Diese Räume haben viel Energie. Tips: Zum Abschluss ein „Tipp vom Profi“: Was kann man tun, damit man an Schuhen so lange wie möglich Freude hat? Wermescher: Das Wichtigste: So wie sich eine Frau täglich abschminkt, genauso sollte man, wenn man nach Hause kommt, den Schuh reinigen, den Staub abwischen. Und bei Herrenschuhen ganz wichtig: Immer einen Schuhstrecker, am besten aus Holz, verwenden. Diese Investition zahlt sich wirklich aus. Dann muss man auch schauen, dass das Leder nicht austrocknet - das ist wie bei der Haut. Ein Lederbalsam schützt und pflegt. Hände weg von Glanz-Zeugs wie „Picobello“. Das sollte man nicht als Dauerlösung verwenden. Auf Dauer ist das wie Schleifpapier im Gesicht.Ausstellung und Vernissage Unter dem Titel „Schuhbetrachtungen 2 - Die Kunst der Verwandlung“ sind die Fotografien von Michael Wittig ab 15. März im Wiener Café zu sehen. Die Vernissage findet am Samstag, 15. März, um 19 Uhr statt - mit einer Einführung von Architekt Helmuth Reischer und einer Lesung von G. Michael Wermescher.Schuh-NachlassInfos und Anprobe: Carl Fellinger Gasse 6, Gmunden Kontakt: 0699/19014485
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