Montag 20. Mai 2024
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BAD ISCHL. In der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 23. April, diskutierte der Gemeinderat heftig über ein geplantes Biomasse-Heizkraftwerk in Bad Ischl. Einige Argumente sprachen dafür, einige dagegen – der Stein wurde damit aber offenbar ins Rollen gebracht.

Im Gemeinderat Bad Ischl wurde diesmal viel über Flächenwidmungen und Erneuerbare Energiequellen diskutiert. (Foto: Wimmer)
Im Gemeinderat Bad Ischl wurde diesmal viel über Flächenwidmungen und Erneuerbare Energiequellen diskutiert. (Foto: Wimmer)

Nicht absehbar war die emotionale Diskussion um eine Flächenwidmungsplan-Änderung im Ortsteil Reiterndorf – genauer gesagt ging es um die Sulzbach-Felder beim Siriuskogl an der B145. Offenbar möchte die Energie AG als Betreiber dort ein Biomasse-Heizkraftwerk bauen, um die Kaiserstadt mit umweltfreundlicher Energie zu versorgen.

Standort am Siriuskogl laut Ortsplaner geeignet

Baustadtrat Hannes Bauer (Liste Zukunft ISCHL) zitierte aus der Stellungnahme des Ortsplaners, dass dieser die Einleitung eines Stellungnahmeverfahrens empfiehlt, nachdem bereits verschiedene Standorte geprüft und verworfen werden musste. Dieser Standort würde sich laut ihm dafür eignen, da zum einen zu lange Leitungswege vermieden werden sollten – was in diesem Fall ein Punkt sei, da es in erster Linie um große Abnehmer wie das Krankenhaus und das geplante Schulzentrum gehe – und zudem die Lieferung von geschätzt 4.300 Atro-Tonnen (Anm. absolut trockenes Holz) Biomasse „mehr oder weniger über die B145“ geliefert werden können.

Ein grünes Mascherl für Gas mit Kraftwerk

Lorenz Müllegger (ISCHL), Obmann des Landwirtschaftsausschusses, bezweifelt die Absichten der Energie AG als Betreiber, da diese „eng mit der Gasversorgung zu tun hat“. Nachdem eine Versorgungssicherheit garantiert werden müsse, sei er sicher, dass der Betreiber im Falle zu einem Gaskessel greife. Freilich würde in der kalten Jahreszeit, etwa ein halbes Jahr, mit umweltfreundlicher Biomasse geheizt, ansonsten müsse der Betreiber aber auch wirtschaftlich denken und so wahrscheinlich zum kostengünstigeren Gaskessel greifen. „Mit dem Heizwerk hängen wir ein grünes Mascherl aufs Gas“, ist sich Müllegger sicher.

Fehlendes Mitspracherecht ein Problem

Ein weiterer Kritikpunkt in der Diskussion war, dass laut dem derzeitigen Vertrag die Energie AG kein Mitspracherecht der Stadtgemeinde Bad Ischl vorgesehen hat. Neben der Liste Zukunft Ischl wurde dieser Punkt von Vertretern aller Fraktionen stark kritisiert. Horst Wagenhofer (SP) sagte etwa: „Ich denke wir können es uns nicht leisten, kein Mitspracherecht zu haben. Das fängt bei der Lieferung an und geht bis zur Preisbestimmung“. Johannes Kogler (ISCHL) bezeichnet das Projekt als „Hauruck-Aktion“, denn wenn sich die Stadt ein Mitspracherecht aushandeln könne, „dann jetzt. Nach der Umwidmung ist es zu spät“.

GRÜNE-Stadtrat Martin Schott stimmte für das Projekt: „Unsere Aufgabe ist es, Lösungen zu finden, wie wir möglichst klimaneutral heizen können. Das Heizkraftwerk bietet eine Möglichkeit, ins Gespräch und von russischem Gas wegzukommen – und da ist jeder Schritt ein richtiger“.

Hackschnitzel-Kraftwerke als weitere Alternative

Ein Konzept zu einer weiteren Möglichkeit wurde im letzten Landwirtschaftsausschuss vorgestellt: Demnach soll das geplante Schulzentrum mit einem Hackschnitzel-Kraftwerk geheizt werden. Martin Aigner (GRÜNE), Mitglied in ebenjenem Ausschuss, erklärte auf Nachfrage, dass das Konzept ein ähnliches Werk vorsieht, wie es bereits eines im Bad Ischler Wirtschaftshof gibt. Dieses könne dann von der Stadtgemeinde oder dem Wirtschaftshof betrieben werden. In dem Fall gäbe es mehrere Gewinner, denn bezüglich der Lieferung von Hackschnitzel seien „auch die Bauern daran interessiert“.

In einem ist sich der Gemeinderat jedenfalls einig: Dass Bad Ischl eine Alternative zu Gas braucht. Mit diesem Tagesordnungspunkt wurde eine Diskussion angestoßen, die nun hoffentlich weitergeführt wird – und damit sind alle Fraktionen gefragt.  


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