Tolleter Bürgerinitiative will Umwidmung verhindern

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Walter und Barbara Salomon, Thomas Brunmair und Dietmar Weiss (v.l.) wollen sich mit einer Unterschriftenaktion gegen die Widmung stemmen. Foto: privat (Foto: privat)
Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 18.05.2021 18:00 Uhr

TOLLET. In Tollet hat sich eine Bürgerinitiative formiert, die sich gegen die Umwidmung eines 24.200 Quadratmeter großen Gebietes stemmt. Entstehen sollen zirka 20 Bauparzellen für Eigenheime. Das Problem: Noch vor Jahren wurde den Bewohnern der angrenzenden Siedlung Neuwies zugesichert, dass die Fläche nie umgewidmet wird, denn: Es gäbe Hangwasser, die Böschung sei zu steil und der Untergrund zu instabil.

Wenn Walter und Barbara Salomon vom Esszimmer aus dem Fenster blicken, dann entdecken sie auf der angrenzenden Böschung oft Rehe oder Turmfalken und genießen die Stille der Natur. Doch mit dieser Ruhe könnte es bald vorbei sein. Im Tolleter Gemeinderat ist der Beschluss für den Antrag der Umwidmung auf Landesebene mit den Stimmen der ÖVP (7:6) gefallen.

Unterschriften-Aktion gestartet

Nicht gefallen lassen wollen sich das die Bewohner der Tolleter Siedlung Neuwies. Ihnen stoßen mehrere Punkte sauer auf. Zum einen wurde den Anrainern zugesichert, dass das angrenzende Flurstück aus mehreren Gründen nicht umgewidmet werden wird, da dies aufgrund der wasserrechtlichen Situation, der Steilheit - das Grundstück hat einen Hangwinkel von 30 Prozent - und des instabilen Untergrunds zur Bebauung nicht geeignet sei. Selbst der bestehende Ortsteil Neuwies sei bezüglich einer Umwidmung schon grenzwertig gewesen. Wenn die Fläche bebaut wird, werden die Schatten der neuen Gebäude die bestehenden Grundstücke beeinträchtigen. „Wir hätten wohl ab 15 oder 16 Uhr keine Sonne mehr“, meint Barbara Salomon.

Prüfung durch Wasserrechtsbehörde

Bürgermeisterin Gisela Mayr (ÖVP) meint zur Causa: „Es wird ein Bebauungsplan erstellt, in dem die Projektplanung, die Straßenführung, aber auch für die Bebauung angepassten Maßnahmen vorgeschrieben werden. Zur Beseitigung der Hang- und Oberflächenwässer wird ein Projekt durch ein befugtes Ziviltechnikbüro erstellt, welches von der Wasserrechtsbehörde geprüft und genehmigt werden muss. Im Gefahrenzonenplan/Gefahrenhinweiskarte sind keine Einschränkungen hinsichtlich einer Bebauung dargestellt.“ Was den Anrainern noch sauer aufstößt: Die Änderung des Flächenwidmungsplanes sei nicht von der Gemeinde angekündigt oder in irgendeiner Form mit den Betroffenen kommuniziert worden. „Wir wollen nicht nur die Bebauung verhindern, sondern auch, dass die Natur noch weiter zerstört wird. Es wird einfach darübergefahren, wir waren nicht eingebunden, sondern haben vom Vorhaben der Umwidmung nur zufällig erfahren.“ Mit einer Unterschriftenaktion wollen die betroffenen Tolleter nun Aufmerksamkeit erregen und zeigen, dass sie keinesfalls mit einer Umwidmung einverstanden sind. 55 Tolleter unterstützten die Initiative mit ihrer Unterschrift.

Nachfrage an Baugründen groß

„Unsere Gemeinde ist eine lebenswerte Wohngemeinde und als solche soll sie sich auch in Zukunft etablieren. Da Tollet als Wohnort sehr beliebt ist, ist die Nachfrage an Bauparzellen sowohl von den Tolleter Bürgerinnen und Bürgern, aber auch von Auswärtigen sehr groß. Daher ist man als Gemeinde bemüht und gefordert, den Bedürfnissen zu entsprechen“, sagt die Bürgermeisterin. Da das Grundstück an das bestehende Kerngebiet grenzt, biete sich laut Mayr eine Umwidmung auf Wohngebiet nach den Grundsätzen der neuen Raumordnung an. Überteuerter Preis? Der Kaufpreis des Ackerlandes soll 48 Euro pro Quadratmeter - ein Vielfaches des üblichen Marktpreises - betragen, kritisieren die Anrainer. „Da diese Kosten aus Steuermitteln bezahlt werden, ist unserer Ansicht nach die Vergeudung dieser zu prüfen“, meinen die Tolleter und befürchten, dass Mehrkosten zusätzlich durch das Eingraben der 30kV Leitung, die aufwendige Ableitung der Oberflächenwässer und den Straßenbau durch die extreme Hanglage entstehen werden. Verbindliche Gespräche über den Grundstückspreis hätten mit dem Besitzer bereits stattgefunden. Über den Preis kann Mayr aus „Wettbewerbs- und Datenschutzgründen“ keine Auskunft geben, versichert aber, dass für die Gemeinde keine Kosten entstehen werden, da diese von den zukünftigen Käufern getragen werden.

„Wollen wachrütteln“

„Wir wollen wachrütteln und zeigen, dass Widerstand in der eigenen Gemeinde da ist, dass nicht einfach darübergefahren wird und das Projekt gestoppt wird“, sagt Salomon. Alle an das Grundstück angrenzenden Hausbesitzer hätten für einen Hangwasserschutz sorgen müssen. Gemeinsam wurden hier 200.000 Euro investiert. Auch das Grundstück an sich sei bereits um zehn Euro pro Quadratmeter teurer gewesen, weil es am Ortsrand ist. „In Tollet genießt man eine hohe Lebensqualität, wir leben hier sehr gerne und daher wollen wir uns das auch nicht zerstören lassen“, stellt Barbara Salomon klar.<

Kommentare

  1. jojo
    jojo21.05.2021 04:21 Uhr

    - Ist schon interessant, wenn Bewohner einer Siedlung, die selber vor einigen Jahren Bauland gekauft haben, welches selber vorher Ackerland war, jetzt aufregen, wenn weiteres Grünland oder Ackerland verbaut wird. Leute, warum sitzt ihr nicht in einem Wolkenkratzer, damit wird die wenigste Bodenfläche verbaut, wenn der Bodenschutz auf einmal, nachdem ihr selber auf ehemaligen Grünland eure Füße tretet, so wichtig ist. Selbst zuerst die Natur zerstören durch die Nachfrage nach Bauland und dann plötzlich den Naturschützer spielen wollen. Grundpreis mit 48 Euro zu hoch? Über solche Preise wird bei uns im Zentralraum nur gelacht, da bekommen die Landwirte für umgewidmetes Agrarland, welches zu Bauland werden soll, das doppelte. Leider sagen mir die Landwirte, dass reines Agrarland mittlerweile von den Industriellen, welches solches in rauhen Mengen aufkauft, mit Preisen bis zu 25 Euro pro m² gehandelt wird

  2. chi
    chi20.05.2021 09:43 Uhr

    - mit dem kauf eines grundstückes erwirbt man halt keine rechte über nahe stehende flächen. wenn man derartiges will muss man diese auch erwerben od entschädigen

  3. chi
    chi20.05.2021 09:43 Uhr

    - mit dem kauf eines grundstückes erwirbt man halt keine rechte über nahe stehende flächen. wenn man derartiges will muss man diese auch erwerben od entschädigen

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