Aufruhr um neue LED-Beleuchtung: Anwohnern ist das Licht zu grell

Hits: 2474
Susanne Winter, MA Susanne Winter, MA, Tips Redaktion, 27.04.2016 11:45 Uhr

MICHELDORF. Wie in vielen anderen Gemeinden auch wurden in Micheldorf bereits 480 Beleuchtungskörper durch neue energiesparende LED-Lampen ausgetauscht. Einigen Anwohnern ist das neue Licht der Straßenlaternen jedoch zu grell.

„Grundsätzlich ist es sehr energieeffizient, dass auf die LED-Beleuchtung umgestellt wird. Damit ist eine punktgenaue Ausleuchtung und die Dimmbarkeit der Lampen möglich“, erklärt Herbert Petter, Sprecher des Energienetzwerkes E-GEM (Energiespargemeinde) Micheldorf, der selbst betroffen ist. Doch in der Planung sei einiges schief gelaufen. So wurden, laut Petter, in der Siedlung „Am Steinfeld“ Zylinderlampen montiert, die rundherum strahlen, nicht nur auf die Straße. Weiters sei die Lichtfarbe „kaltweiß“ blendend. „Warmweiße Lampen, wie sie in Kremsmünster installiert wurden, würden nicht so blenden“, so Petter.

Keine Nachtabsenkung

Bisher wurde im betroffenen Siedlungsgebiet jede zweite Lampe ab 22.30 Uhr abgeschalten. Jetzt brennen alle die ganze Nacht lang. „Das stört den biologischen Rhythmus von Pflanzen, Tieren und Menschen“, ist Ursula Forster, eine direkt Betroffene, überzeugt und fügt hinzu, „nicht alle haben und wollen Rollläden.“ Die Micheldorferin ist aufgebracht: „Mein Grundstück ist nun ausgeleuchtet wie ein Kasernenhof. Das ist für Grundstücksbesitzer unzumutbar und ein Eingriff in die Privatsphäre, der einer Gemeinde nicht zusteht.“ Sie habe sich bei der Gemeinde beschwert und ist damit nicht die Einzige.

Licht zur Sicherheit

„Wir haben bereits 480 Beleuchtungskörper in Micheldorf ausgetauscht und seither erst sechs direkte Beschwerden erhalten“, nimmt Bürgermeister Ewald Lindinger (SPÖ) dazu Stellung, „uns und vielen Eltern geht es darum, mit dem Licht die Sicherheit zu erhöhen.“ Ursula Forster ist sich sicher: „Eine Straßenlaterne schützt nicht vor Einbrüchen. Sie sollte die Straße und nicht den Garten beleuchten. Viele haben ohnehin einen Bewegungsmelder, das ist jedoch Privatsache.“ Der Micheldorferin fehlt die Transparenz und Bürgerbeteiligung: „Weder die Bürger noch die E-GEM Micheldorf wurden im Vorhinein über das Vorhaben informiert.“

Einstimmiger Beschluss

Als Sprecher des Energienetzwerkes wäre Herbert Petter gerne in die Planung einbezogen worden denn, „die Gemeinderäte waren mit dem Thema entweder überfordert oder sie wurden falsch beraten. Sie haben wahrscheinlich nicht gedacht, dass etwas schiefgehen kann“. Bürgermeister Ewald Lindinger betont: „Ich akzeptiere andere Meinungen zur Beleuchtung, aber es ist alles ordnungsgemäß erfolgt. Experten und Projekteure, alles Profis, waren an der Entwicklung beteiligt. Die LED-Lampen waren im Vorhinein zu besichtigen und wurden im Gemeinderat einstimmig beschlossen.“ Ursula Forster und Herbert Petter sind sich einig, dass sie nicht informiert wurden, dass sie die Lampen vor dem Beschluss besichtigen hätten können. Die einzige Info an Bürger war, laut den beiden Anwohnern: „Es wurde eine Erneuerung der Straßenlaternen beschlossen.“ Ewald Lindiner habe unterdessen ein Gespräch mit einem Techniker geführt: „Dieser bestätigt, dass das Licht normgerecht und nicht gesundheitsgefährdend ist.“  Lindinger kündigt an, sich diese Bestätigung auch schriftlich zu holen.

Zu den nächsten Schritten meint der Bürgermeister: „Wir werden uns die betreffenden Einzelfälle ansehen und das persönliche Gespräch suchen. Wir haben schon einmal eine Lampe niedriger gesetzt. Außerdem könnte man eine Blende hinter die Laterne einbauen.“ Damit sind Ursula Forster und Herbert Petter nicht zufrieden. „Es sollen alle einen Lösungsvorschlag bekommen, nicht nur jene, die sich am lautesten beschweren. Viele Leute haben einen Respekt vor der Gemeinde und wollen sich nicht mit ihr anlegen. Ich kenne mindestens 30 Leute, die sich von der neuen Beleuchtung gestört fühlen“, so Herbert Petter, der von der Gemeinde eine Lösung fordert, die für alle Bürger gleich ist: „Es muss zu Änderungen und Nachbesserungen kommen.“

Treffen der Betroffenen

Bei einem Treffen mit allen Betroffenen am Mittwoch, 4. Mai, um 19 Uhr im Gasthaus Schwarzer Graf in Micheldorf werden Lösungen erarbeitet, eine Unterschriftenliste aufgelegt und anschließend die Forderungen gemeinsam an die Gemeinde herangetragen. „Alle, die sich von den Laternen gestört fühlen, sollen wissen, es gibt Alternativen“, so Herbert Petter. Weitere Infos sind in der Broschüre vom Land OÖ und vom OÖ Energiesparverband zu finden (online unter www.energiesparverband.at).

 

Artikel weiterempfehlen:

Kommentar verfassen



Statistische Kennzahlen aus dem Bezirk Kirchdorf: Raser fuhr um 92 km/h zu schnell

BEZIRK KIRCHDORF. Die Bezirkshauptmannschaft (BH) Kirchdorf veröffentlichte die neuesten Kennzahlen rund um die Leistungen der Verwaltungsbehörde für den Bezirk Kirchdorf.

Jeder kann bei Zeitbank 55 + helfen

MICHELDORF IN OÖ. In einer der vergangenen Ausgaben erschien ein Bericht über den Verein „Zeitbank 55 + Micheldorf“. Aufgrund vieler Rückfragen und regen Interesses werden nun nähere ...

Tips-Leser spendeten 40.386 Euro für Witwe und ihre vier Kinder

STEINBACH AM ZIEHBERG. Tips-Leser öffneten rund um Weihnachten ihr Herz und spendeten im Rahmen der Glücksstern-Aktion unglaubliche 40.386 Euro an Karin Hubinger und ihre vier Kinder, die ...

Bildungsangebote für Eltern im Oberen Kremstal: Elternbildungskalender gibt einen Überblick

SCHLIERBACH. Die SPES Familien-Akademie gibt im neuen Elternbildungskalender „Gemeinsam Eltern sein“ allen Eltern einen Überblick über Veranstaltungen von Januar bis Juni 2021 in der ...

Auszeichnung für Roßleithens Gesunde Küche

ROSSLEITHEN. Die Schulküche der Volksschule Roßleithen darf sich nun „Gesunde Küche“ nennen.

Gefahr eines Blackouts: Zivilschutz fordert mehr Eigenvorsorge in der Bevölkerung

BEZIRK KIRCHDORF. Die Gefahr eines Blackouts, eines längeren, großflächigen Stromausfalles, steigt. Es müssen immer häufiger stabilisierende Netzeingriffe durchgeführt ...

„Wunderbar-Schöne“ Partnerschaft verlängert

MICHELDORF IN OÖ/SCHLIERBACH. Mit dem Jahresbeginn 2021 begann eine für drei Jahre vereinbarte, besondere Partnerschaft zwischen dem Schlierbacher Unternehmen Höller Gitter & Langeneder-Bau ...

Berufserlebnistage Kirchdorf: Lehre digital in Szene gesetzt

KIRCHDORF AN DER KREMS. Insgesamt 832 Besucher nahmen an den Chats der Plattform https://ki.jugendundberuf.info, den digitalen Berufserlebnistagen der Wirtschaftskammer Kirchdorf, teil. Mit der Plattform ...