Nach sozialem Jahr in Bolivien: „Alalay hat mein Leben auf den Kopf gestellt“

Susanne Winter, MA Tips Redaktion Susanne Winter, MA, 25.10.2016 11:00 Uhr

WINDISCHGARSTEN. Die gebürtige Windischgarstnerin Anna Antensteiner wollte eigentlich Tierärztin werden, doch ein soziales Jahr nach der Matura veränderte ihre Zukunftspläne. Bolivien lässt sie seitdem nicht mehr los.

Nach einem gemeinnützigen sozialen Jahr wurde Bolivien für Anna Antensteiner zur zweiten Heimat. Bereits neunmal war die 27-Jährige seitdem im südamerikanischen Land. Insgesamt hat sie über drei Jahre dort verbracht.

Soziale Arbeit statt Urlaub

Ihr jährlicher Aufenthalt ist jedoch keineswegs Urlaub. Die 27-Jährige engagiert sich für das bolivianische Projekt „Alalay“, das es seit 1990 gibt. Der ehemalige ORF-Moderator Walter Witzany und seine bolivianische Frau Cecilia Baldivieso de Witzany begannen 1995 mit dem Aufbau der privaten Non-Profit-Organisation in Österreich. Vor fünf Jahren wurde der Verein Alalay Austria gegründet, wodurch die Spendenabsetzbarkeit möglich ist. Das Wort „Alalay“ stammt aus der Aymara-Sprache und bedeutet: Mir ist kalt.

Kinder von der Straße holen

Ziel des Projektes ist es, bolivianische Kinder zwischen zwei und 18 Jahren von der Straße wegzuholen. Streetworker versuchen mit den Straßenkindern ins Gespräch zu kommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. In den vier „offenen Häusern“ in den Stadtzentren werden die Kinder aufgenommen. „“Dort lernen sie Selbstachtung, Körperpflege, Kommunikation untereinander und vieles mehr. Wenn man Entwicklung und Stabilität sieht, dürfen sie in eines der beiden Kinderdörfer in Santa Cruz und La Paz einziehen“, berichtet Anna Antensteiner. Eine Besonderheit von Alalay – im Vergleich zu staatlichen Einrichtungen – ist, dass die Kinder freiwillig kommen und so eine nachhaltige Veränderung möglich ist. Ihnen wird eine Schul- und Berufsausbildung ermöglicht.

Von der Berufung zum Beruf

„Alalay hat mein Leben verändert und vollkommen auf den Kopf gestellt. Ich habe mein Studium der Veterinärmedizin abgebrochen und mich stattdessen für Gesundheits- und Krankenpflege entschieden“, berichtet Anna Antensteiner, die, sofern sie nicht in Bolivien ist, in Wien lebt. Das bolivianische Projekt ist ihr Leben: „Es ist das, was ich machen will und soll, es fühlt sich sinnvoll an. Ich habe eine zusätzliche Familie und eine zweite Heimat gefunden. Ich liebe Bolivien und die Mentalität. Die Leichtigkeit trotz der Schwere.“

Patenschaften geben Kraft

Zuerst Freiwilligenkoordinatorin hat Anna Antensteiner vor drei Jahren den Bereich der Patenschaften bei Alalay übernommen. Aktuell betreut sie 220 Patenschaften. Österreichische Pateneltern überweisen jährlich 270 Euro an ihr Patenkind. „Wir wünschen uns Leute, die auch mit dem Kind in Kontakt treten, also Fotos und Briefe übermitteln. Der Großteil der Kinder schöpft Kraft in den Patenschaften. Das ist unser Herzstück in Oberösterreich“, erzählt Antensteiner und ruft zur Beteiligung auf, „wir suchen noch Pateneltern!“

Bewusstsein schaffen

Als Bildungsreferentin für Alalay hält Antensteiner Workshops zum Thema Straßenkinder in Schulen: „Es liegt mir persönlich sehr am Herzen, zur Bewusstseinsbildung in Österreich beizutragen und jungen Leuten Wege aufzuzeigen, dass jeder etwas zu einer gerechteren Welt beitragen kann, egal wie viel Geld man hat.“

Diese intensive Arbeit ist nur möglich, weil das Benediktiner-Stift Admont der 27-Jährigen eine Jahresanstellung ermöglicht hat. „Das ist ein großes Geschenk. Wie intensiv die Bildungsprojekte und die Patenschaften weitergeführt werden können, hängt davon ab, ob wir nächstes Jahr wieder die Möglichkeit einer Stellenfinanzierung erhalten“, so Antensteiner.

Musik und Fußball

Neben dem Schutz der Kinder beschäftigt sich Alalay auch seit 2007 mit Prävention, damit dieses Schicksal anderen Kindern erst gar nicht widerfährt. Unterstützung bekommt der Verein vom Brucknerorchester Linz. Die bolivianischen Kinder erhalten Instrumental- und Orchesterunterricht und hatten sogar bereits die Möglichkeit, einmal nach Österreich zu kommen und mit den Wiener Philharmonikern zu spielen. Aktuell wird ein Vertrag zwischen Alalay und dem Brucknerorchester abgeschlossen, welcher den Musikunterricht auch Kindern aus den umliegenden, armen Dörfern ermöglichen soll sowie ein jährliches Konzert in Österreich.

Gemeinsam mit der Fundación Real Madrid, einem der berühmtesten Fußballclubs der Welt, wurden seit 2013 bereits fünf pädagogisch-soziale Fußballschulen in Bolivien gegründet.

Alalay unterstützen

Will man keine freiwillige Arbeit leisten oder Patenschaft eingehen und trotzdem helfen, besteht die Möglichkeit zu spenden. Außerdem werden selbst gefertigte Produkte der Jugendlichen aus der kinderdorfeigenen Textilwerkstatt auf den Adventmärkten in Spital am Pyhrn und Kremsmünster verkauft.

„Man merkt weltweit, dass sich die Hilfe vermehrt auf Afrika und die Flüchtlingssituation konzentriert. Leider wird es immer schwieriger, für unser Projekt Spenden zu bekommen“, so Antensteiner, „die Schere zwischen Arm und Reich geht in Bolivien immer weiter auseinander.“ 2014 zählte die Regierung 3768 Straßenkinder. Die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches höher geschätzt, da aus wirtschaftlichen Gründen versucht wird, das Land in ein besseres Licht zu rücken. Zudem gibt es in Bolivien etwa 900.000 Kinder und Jugendliche, die auf der Straße arbeiten.

Spenden

Allgemeine Sparkasse

IBAN: AT83 2032 0000 0006 6010

BIC: ASPKAT2LXXX

Kontoinhaber: ALALAY Austria

www.alalay.at

 

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