Leitungsdiskussion: Parteien aus den Bezirken Kirchdorf und Gmunden sind sich einig

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Jakob Weiermair, Leserartikel, 23.06.2015 10:00 Uhr

STEINBACH/ZIEHBERG. Seit mittlerweile fünf Jahren ist das Projekt einer Freileitung von Vorchdorf über den Ziehberg nach Kirchdorf heftig umstritten. Die Bezirksparteien bekräftigten nun ihr Eintreten für eine Alternative zur Freileitung und für einen anderen Umgang mit der Bevölkerung.

Es ist eine breite Parteien-Koalition, die sich in den Bezirken Kirchdorf und Gmunden gebildet hat, um für eine Alternative zur geplanten 110 kV-Freileitung einzutreten. Langjährige Projektgegner wie die Bürgerinitiative „110 kV-adé!“ bekommen damit einmal mehr Unterstützung. 

Landtagsabgeordneter und Kirchdorfer ÖVP-Bezirksparteiobmann Christian Dörfel erklärte beim Treffen im Gasthaus Krapfenmühle in Steinbach, dass die Politik die Entscheidungen des Projektwerbers nicht direkt beeinflussen könne. Man könne nur appellieren sowie Wünsche und Bedenken äußern.

Landeshauptmann Josef Pühringer, so Dörfel, hole aufgrund der Diskussion in den letzten Wochen nocheinmal umfangreiche Informationen ein und auch die Netz OÖ GmbH wurde um neuerliche Stellungnahmen ersucht.

Entscheidung erwünscht

In der Diskussion spielen verschiedene Pro- und Contra-Argumente eine Rolle. So etwa das Kostenargument, wonach die Freileitung in der Errichtung günstiger und so in der Folge, eine gewisse Zeit lang, profitabler sei. Franz Radner, Obmann der Agrargemeinschaft Pettenbach, wies daraufhin, dass das Argument grundsätzlich fragwürdig sei. Denn für andere Großprojekte würden sehr wohl Sonderkosten in Kauf genommen, wenn Mensch und Umwelt dadurch geschont würden.

Bürgermeisterin Bettina Lancaster (SPÖ) erklärte, dass es ihr um eine Entlastung der Bürger ihrer Gemeinde gehe. Dass 55 Enteignungsverfahren entlang der Freileitungstrasse im Raum stehen, nicht nur in Steinbach, verursacht große Sorge. Deshalb gehe es jetzt darum, Rechtssicherheit zu schaffen und auch politisch eine Entscheidung zu treffen.

Der Brief an den Landeshauptmann, der von allen Parteiobleuten unterzeichnet wurde, soll die regionale Position nun klarstellen.

Sabine Promberger, Gmundner Landtagsabgeordnete der SPÖ, betonte, dass der Umgang mit den Bürgern bei dem Projekt seitens der Projektwerber ein fragwürdiger sei. Auch deshalb habe man sich nun über Parteigrenzen hinweg auf eine Position verständigt.

Robert Cicona, neuer Kirchdorfer Bezirksobmann der FPÖ, erklärte, dass die Freileitung keine Berechtigung habe, da es mit der Erdleitung eine gute Alternative gebe. Walter Mayrhofer von den Grünen Gmunden machte sich bei dem Treffen Sorgen, dass die ökonomischen Überlegungen für den Projektwerber schwerer wiegen könnten und hoffte auf ein Umdenken.

Einig waren sich die politischen Spitzenfunktionäre bei dem Treffen auch über einen weiteren wesentlichen Punkt. Dass nämlich die Entscheidung in der Frage Freileitung oder Erdkabel Signalwirkung auf den Rest des Landes haben wird. Wird jetzt bei einem großen Projekt, wie dem in der Region in der Diskussion stehenden, auf Erdverkabelung umgestellt, könnte es in Zukunft schwierig werden, noch Freileitungen zu bauen. Daher gelte es vonseiten der Projektwerber umso besonnener vorzugehen.

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