Mühlviertler Arzt nach abenteuerlicher Heimreise aus Peru in Corona-Quarantäne

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Mag. Susanne  Überegger Mag. Susanne Überegger, Tips Redaktion, 29.03.2020 12:02 Uhr

LEOPOLDSCHLAG. Eine abenteuerliche Heimreise aus Peru liegt hinter Markus Durstberger. Der Arzt war in Südamerika von der Corona-Pandemie überrascht worden und schaffte es nur mit sehr viel Glück heim nach Leopoldschlag. Momentan befindet sich der 33-Jährige in zweiwöchiger Quarantäne.

Wie Tips bereits berichtete, war Markus Durstberger auf seiner mehrmonatigen Südamerika-Reise wegen der Corona-Krise in Peru gestrandet. Mitten in den Anden erfuhr er davon, dass die Grenzen in derselben Nacht noch dicht gemacht und der Überlandverkehr eingestellt würde. Mit einem der letzten Busse schaffte es der gebürtige Mühlviertler Arzt noch aus dem peruanischen Bergdorf in die Hauptstadt Lima. Einen Flug ins Ausland zu bekommen war vorerst aussichtslos, und so stieg der 33-Jährige mit Kanadiern, Schweizern und Briten in einem Hostel ab.

Alle Hebel in Bewegung gesetzt 

„Aufgrund meines Berufs war mir der Ernst der Lage natürlich klar und ich wollte deshalb so schnell wie möglich zurück nach Österreich. Ich stand ständig in Kontakt mit dem österreichischen Außenministerium und dem österreichischen Botschafter in Lima; hatte mich sogar bei der Schweizer und der deutschen Botschaft registriert, in der Hoffnung, irgendwie heim zu kommen“, berichtet Durstberger. Parallel dazu ließ er nichts unversucht, auf eigene Faust einen Flug zu organisieren.

Trauriger Abschied von den internationalen Freunden 

„Mehr oder weniger durch Zufall habe ich erfahren, dass offenbar Frankreich ebenso eine Art Repatriierungsflug durchführt und Reisende, die auf diesen Flug gebucht waren, irgendwo in Peru festsaßen und es nicht nach Lima zum Flughafen schafften. Also habe ich immer wieder bei KLM und Air France angerufen, hing ewig in Warteschleifen, bis es plötzlich am 22. März hieß, es wäre noch ein einziger Platz in dem Flieger nach Paris frei, der noch am selben Abend abheben sollte.“

Groß war die Freude, als er das Ticket für den Flug bestätigt kam. Diese wurde jedoch gleich wieder gedämpft, als es galt, sich auf die Schnelle von seinen internationalen Freunden im Hostel zu verabschieden. „Das war echt traurig, weil ich sie zurücklassen musste“, sagt der Leopoldschläger.

„Stimmung wie in einem Weltuntergangsfilm“ 

Die größte Herausforderung war aber, überhaupt von der Unterkunft bis zum Flughafen zu kommen. „Es durften nur mehr Taxis mit Sondergenehmigung fahren und die Straßensperren passieren. Außerdem musste ich das gültige Flugticket und einen Passierschein auf Spanisch, ausgestellt vom österreichischen Botschafter, vorweisen“, erzählt der 33-Jährige.

Der überaus hilfsbereite Hostel-Betreiber Jorge organisierte den Taxifahrer, der Markus Durstberger zur französischen Botschaft brachte. „Mit hunderten anderen, die meisten von ihnen Franzosen, ging es dann, begleitet vom Militär, durch die menschenleere Stadt zum Militärflughafen. Es war eine Stimmung wie in einem Weltuntergangsfilm“, erinnert sich Markus Durstberger. Am Flugfeld durchsuchten Drogenspürhunde alle Rucksäcke, den Reisenden wurde die Temperatur gemessen und sie erhielten Gesichtsmasken.  

„Es war extrem emotional, als das Flugzeug endlich abhob“

„Es war extrem emotional, als das Flugzeug endlich abhob. Der sehr nette Pilot meinte vor dem Start in einer kurzen Rede, dass er sich sehr freue, uns heimfliegen zu dürfen. Als der Flieger dann in der Luft war, klatschten und weinten die Passagiere vor Erleichterung.“

Nach einem zwölfstündigen Flug landete Markus Durstberger dann am 23. März in Paris, wo er zwei Tage in einem Flughafenhotel verbrachte. Wieder hatte der Arzt Glück und konnte zwei Flüge von Paris nach Amsterdam und weiter nach Wien, wo er lebt und arbeitet, buchen. Bis zuletzt fürchtete er, dass diese Flüge noch gestrichen werden könnten, aber es lief alles glatt. Mit dem beinahe menschenleeren Zug ging es von Wien weiter nach Linz, und von dort mit dem eigenen Auto in seine Heimatgemeinde Leopoldschlag.

„Bin einfach nur froh, wieder daheim im schönen Österreich zu sein“

In seinem Elternhaus befindet sich der 33-Jährige nun für insgesamt 14 Tage in Quarantäne. „Es ist nicht auszuschließen, dass ich mich auf der Reise mit Covid-19 angesteckt habe , aber bis jetzt geht es mir sehr gut. Für die Zeit der Isolation bleibe ich in der ehemaligen Wohnung meiner Oma. Da habe ich alles, was ich brauche. Ich bilde mich fort - vor allem was das Virus betrifft, lese viel, gestalte die Wohnung etwas um, koche, höre Musik, schaue Filme, gehe in den Garten und sitze am Sonnenbankerl. Außerdem habe ich jede Menge zu organisieren und Fotos auszusortieren. Ich bin einfach nur froh, wieder gut daheim in Österreich zu sein. Nach meiner Zeit im schönen Mühlviertel freue ich mich schon wieder auf mein Leben in Wien, auf meine Arbeit und ein baldiges Treffen mit meinen besten Freunden.“

Übrigens: Gestern, Samstag, 28. März, landete ein Austrian Airlines Flug aus Lima in Wien, an Bord waren mehrere hundert im Ausland gestrandete Österreicher und EU-Bürger.

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