Mit Shakespeare gegen Handy-Autismus

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unser ständiger Begleiter
Barbara Reindl Barbara Reindl, Tips Jugendredaktion, 28.08.2014 23:46 Uhr

Es ist unser ständiger Begleiter, immer und überall. Das Handy. Wenn es einmal ausfällt kommt die  Panik. 

Etwas stimmt nicht. Es ist zu hell. Ein panischer Blick auf das Handy. Das kleine rotblinkende Licht bestätigt die schlimme Vorahnung. Kein Akku. Kein Wecker. Ein zweiter Blick auf die analoge Weckuhr, die schon seit geraumer Zeit nicht mehr in Verwendung ist – halb neun. Das ist anderthalb Stunden zu spät! Panik kommt auf. Und Wut. Auf das eigene Handy und die Technik im Allgemeinen. Alles muss jetzt schnell gehen. Ladekabel gefunden und Handy schnell angesteckt. Ein paar bange Sekunden vergehen bis das rote Licht in orange umschwenkt. Die Erleichterung, die folgt ist groß – es lädt. Als ich das Haus endlich verlasse zeigt der Akkustand 22 Prozent. Genug um zu funktionieren, nicht genug um den ganzen Tag zu überstehen. Das ist nicht gut. Das Handy ist Lebensgrundlage. Alleinunterhalter, Kommunikationsmittel, Straßenkarte, Kochbuch, Terminplaner, Fotoapparat, Taschenlampe, Langeweilevertreiber, Egobooster. Zwei Whatsappnachrichten, drei auf Facebook, eine E-Mail und eine SMS. Frustriert packe ich das Handy in die Tasche. Die zweiundzwanzig Prozent müssen für Notfälle aufgespart werden. Die Hände wirken so leer, ich nehme ein Buch, entschließe mich dann aber doch die Leute zu beobachten. Zwei Mädchen vor mir, mit Handys. Ein Bursch schräg gegenüber, mit Handy und iPod. Ein älterer Herr hinter mir, redet zu laut in sein Handy. So weit das Auge reicht Handys. Die Gesichter der Leute kann ich nicht erkennen, zu tief sind sie über die kleinen Bildschirme gebeugt, gespenstisch bläulich erleuchtet. Keiner spricht, selbst die, die offensichtlich zusammen unterwegs sind wie etwa die zwei Mädchen vor mir. Meine Sitznachbarin geht einen Schritt weiter. Sie fischt weiße Ohrenstöpsel aus der Handtasche und verschwindet gänzlich in ihrer Welt. Handy-Autisten denke ich. Die Straßenbahn hält und eine Mutter mit Tochter steigt ein. Die Kleine ist wohl fünf Jahre alt, die Beinchen baumeln dreißig Zentimeter über dem Bode, fordernd streckt sie das Ärmchen aus. Die Mutter reicht ihr ein Tablet. Zufrieden versinkt die kleine in ihrer digitalen Welt. Meine Sitznachbarin ist ausgestiegen. Eine Dame mit brauner Kurzhaarfrisur nimmt ihren Platz ein. Plötzlich  merke ich, das mich jemand anstarrt. Eine junge Frau mit schwarzen fransigen Haaren. Das Handy in der Hand, aber ihr Blick haftet an  mir, es ist mir unangenehm. Ich möchte nach meinem Handy greifen, beschäftigt wirken. In meiner Welt verschwinden, aber meine Welt beginnt schon wieder rot zu blinken. Stattdessen schlage ich mein Buch auf, Shakespeares „A Mindsummer Nights“s Dream„. Ich habe erst drei Seiten gelesen, als ich höre: “Ein Mittsommernachtstraum?„ Die Worte hängen in der Luft. Ich drehe meinen Kopf. Meine Sitznachbarin sieht mich interessiert an. Kein Handy. “Bist du vom Theater?„, fragt sie. Ich verneine, fürs Studium erkläre ich. Und dann reden wir. Bis ich aussteigen muss. Ich blicke zurück. Noch immer kein Handy. Es geht also auch ohne. Wie Stunden später ist mein Akku endgültig leer. Am frühen Nachmittag überkommt mich kurzzeitig leichte Panik – was wenn mich jemand dringend erreichen wollte? Aber auch das vergeht. Wieder zuhause vergesse ich bis spätabends es aufzuladen. Irgendwie ist es sehr friedlich..

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