Montag 22. Juli 2024
KW 30


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt

OÖ. Energiebericht 2023: Ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs kommt aus erneuerbaren Energien

Tips Logo Maya Lauren Matschek, 17.06.2024 18:02

OÖ/LINZ. Oberösterreich gilt laut Wirtschafts- und Energielandesrat Markus Achleitner (ÖVP) mit mehr als 108.000 PV-Anlagen auf Dächern als führend im Einsatz erneuerbarer Energien, unterstützt durch eine Vielzahl von Energiegemeinschaften. Das Land erweitert jetzt seine Förderungen für PV-Anlagen auf Parkplatzüberdachungen. Kritik übt Achleitner an den Modalitäten der Solarstrom-Speicherförderung des Bundes.

V. l.: Energie-Landesrat Markus Achleitner und Gerhard Dell (Geschäftsführer OÖ. Energiesparverband und Landesenergiebeauftragter) präsentierten am Montag, 17. Juni, aktuelle Daten zur Umsetzung der Energiewende in Oberösterreich, darunter auch den OÖ. Energiebericht 2023. (Foto: Land OÖ / Daniel Kauder)
V. l.: Energie-Landesrat Markus Achleitner und Gerhard Dell (Geschäftsführer OÖ. Energiesparverband und Landesenergiebeauftragter) präsentierten am Montag, 17. Juni, aktuelle Daten zur Umsetzung der Energiewende in Oberösterreich, darunter auch den OÖ. Energiebericht 2023. (Foto: Land OÖ / Daniel Kauder)

Mit mehr als 108.000 Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) auf Oberösterreichs Dächern, sieht Energie-Landesrat Achleitner das Land als Vorreiter beim Umstieg auf erneuerbare Energien. Eine Erhebung der E-Control zeigt beispielsweise, dass die Hälfte aller bundesweiten erneuerbaren Energiegemeinschaften hier in Oberösterreich sind. Zählt man auch die Bürger-Energiegemeinschaften und gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen mit, sind es mehr als 1.000 Energiegemeinschaften mit mehr als 10.000 Beteiligten.

Modelle zur gemeinsamen Nutzung von Energie-Erzeugungsanlagen

Eine Energiegemeinschaft ist ein Zusammenschluss von mindestens zwei Teilnehmenden zur gemeinsamen Produktion und Verwendung von Strom. Dabei gibt es grundsätzlich drei verschiedene Modelle:

  • Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA) können innerhalb eines Gebäudes genutzt werden. Alle, die am selben Hausanschluss angeschlossen sind - das ist bei Zwei- und Mehrfamilienhäuser oder Bürogebäude der Fall - können mitmachen.
  • In erneuerbaren Energiegemeinschaften kann Strom lokal (Verbraucher sind alle am gleichen Ortstrafo angeschlossen) oder regional (am selben Umspannwerk angeschlossen) geteilt werden. Ausgenommen sind große Unternehmen.
  • In einer Bürgerenergiegemeinschaft können alle VerbraucherInnen österreichweit Strom teilen, auch große Unternehmen können hier mitmachen. Der Austausch kann auch über die Grenzen verschiedener österreichischer Stromnetzbetreiber hinweg erfolgen.

Am Dienstag, 16. Juli, informiert außerdem der Oö. Energiesparverband über organisatorische, technische und rechtliche Aspekte rund um EEGs, bespricht Fragen aus der Praxis und klärt über die Förderungen auf.

Eine-Million-Dächer-Programm

Vergangenen Donnerstag, 13. Juni, hat das Klimaministerium eine PV-Strategie vorgestellt, um bis 2030 mit einem Eine-Million-Dächer-Programm elf Terawattstunden Strom aus Photovoltaik zu erzeugen. 42,5 Prozent davon sind laut Klimaministerium bereits umgesetzt. Oberösterreich hat mit 108.000 PV-Anlagen bereits 54,2 Prozent seines eigenen Ziels (200.000 bis zum Jahr 2030) erreicht. Mit 1.682 Megawatt an PV-Leistung liegt das Land zudem 88 Prozent über dem geplanten Ziel für Juni 2024, was bei 897 Megawatt gewesen wäre.

Landesförderung wird ausgeweitet

Zusätzlich zur Bundesförderung soll jetzt auch die Landesförderung für Parkplatzüberdachungen mit PV-Anlagen ausgeweitet werden. Hier ergeben sich laut Achleitner gleich mehrere Vorteile: „Für Parkplätze versiegelte Flächen werden mehrfach genutzt, die Fahrzeuge werden vor Sonne und Schnee geschützt, die Überdachung erzeugt Strom und dieser kann beispielsweise im jeweiligen Unternehmen direkt genutzt werden oder in einer Ladestation zur 'Betankung' von E-Autos genutzt werden.“

Die neue Förderungssumme vom Land beläuft sich jetzt auf 500 Euro pro Kilowatt Peak, Projekte werden mit bis zu 250.000 Euro gefördert. Zuvor waren es 150 Euro pro Kilowatt Peak, Projekte konnten mit bis zu 100.000 Euro gefördert werden. Bisher wurden acht Projekte mit 3.000 Kilowatt Photovoltaikleistung gefördert.

Kritik an Bund: „Solarstrom-Speicherförderung zu gering dotiert“

Achleitner übt aber auch Kritik an der „zu gering dotierten Solarstrom-Speicherförderung des Bundes“. Die Förderung wurde im April gestartet, war aber schon nach dreieinhalb Wochen ausgeschöpft. Seit diesem Zeitpunkt gibt es nur noch für Solarstromspeicher, die direkt bei der Errichtung einer neuen PV-Anlage mit errichtet werden, Unterstützung in Form der Mehrwertsteuerbefreiung, sowie eine Förderung für Groß-Speicher mit mehr als 50 Kilowattstunden. Für die Erweiterung oder die nachträgliche Errichtung einer Solarstromspeicheranlage gibt es hingegen keine Förderung mehr.  Achleitner appelliert daher an Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne), die Förderung wieder aufzulegen und ausreichend zu finanzieren, um die Energiewende zu unterstützen.

Achleitner kündigte dazu an, bei der Konferenz der Landesenergiereferenten kommenden Donnerstag und Freitag einen Antrag einzubringen, in dem das Klimaministerium aufgefordert werde, die Mittel für den Solarspeicherausbau bereitzustellen und die Förderaktion wieder aufzulegen.

Oberösterreichischer Energiebericht 2023

Präsentiert wurde am Montag auch der finale Oö. Energiebericht 2023. Die Daten zeigen demnach, dass ein Drittel des Energieverbrauchs in Oberösterreich aus erneuerbaren Energien stammt, wobei 76 Prozent des Stroms, über 45 Prozent der Wärme (inklusive Industriewärme) und mehr als 64 Prozent der Raumwärme aus diesen Quellen kommen, führte Gerhard Dell vom OÖ. Energiesparverband und Landesenergiebeauftragter aus.

Der Energieversorgungs-Mix in Oberösterreich zeigt, dass ebenfalls knapp ein Drittel des Bruttoenergieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen stammt, während Öl mit einem Verbrauchsanteil von 20,9 Prozent den niedrigsten Stand seit 25 Jahren erreicht hat. Biomasse ist unter den erneuerbaren Energieträgern am häufigsten vertreten, gefolgt von Wasserkraft, Sonne/Umgebungswärme, Wind und Geothermie.

In Oberösterreich zeigt sich außerdem deutlich, wie unterschiedliche Sektoren Energie nutzen: 16,1 Prozent entfallen auf Eisen/Stahl/Chemie und 26,8 Prozent auf den sonstigen produzierenden Bereich. Verkehr/Transport verbrauchen rund ein Viertel, private Haushalte und Landwirtschaft 23,6 Prozent, während Dienstleistungen 6,9 Prozent der Endenergie benötigen.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden