Kuriose Ausstellung im Steinbrecherhaus

Margarete Frühwirth Margarete Frühwirth, Tips Redaktion, 12.08.2014 17:00 Uhr

 PERG. Musik erklingt, als die Wanderer auf einer Etappe des Donausteiges, dem Kugelmanderlweg Richtung Perger Ortszentrum marschieren. Kurz darauf ist aus der Ferne eine markante Männerstimme zu hören. Die Anrainer in der Mühlsteinstraße wissen Bescheid: Im Steinbrecherhaus wird eine Ausstellung eröffnet und „Bütz“ alias Gerhard Pilz philosophiert über Nachttöpfe und andere Utensilien für dringende menschliche Bedürfnisse.  Na dann, nichts wie hin!  

„Wer wollte schon, in der Nacht von einem dringenden Bedürfnis befallen, ins Freie zu dem hüttenartigen Gebilde mit einem Herzerl in der Türe? Die frühere Art des Wohnens, die hygienischen Umstände brachten es mit sich, dass der Nachttopf als überaus nützlicher, der Bequemlichkeit dienender Gegenstand empfunden wurde. Auch andere Bezeichnungen wie Nachtgeschirr, Scherm, Potschamperl, Schiff sind uns bekannt. Historiker vermuten, dass das Nachtgeschirr bereits in der Antike Verwendung fand, “ weiß der „Häusl-Philosoph Bütz“ zu berichten. Amüsiert verfolgen die Besucher seine Ausführungen, ehe sie sich die Ausstellung zu Gemüte führen.  Musikalisch begleitet wurde der Eröffnungsnachmittag von Gerhard Pilz und Martin „Kneli“ Mörwald, der an diesem Tag seinen Geburtstag feierte.Anna Mitterlehners und Prinz Charles' Sammelleidenschaft Über 300 Nachttöpfe besitzt Anna Mitterlehner aus Perg. In der kürzlich eröffneten Ausstellung im Steinbrecherhaus zeigt die Sammlerin eine Auswahl verschiedener Nachtgeschirre aus Keramik, Email, Blech, Glas und Plastik. Sie sind teilweise witzig beschriftet oder romantisch bemalt. „Seit fast 30 Jahren sind die Nachttöpfe zu meinem Hobby geworden. Sie stehen im Garten und im Haus, manche verwende ich als Blumenübertöpfe“, sagt Mitterlehner und lässt den Blick durch den Ausstellungsraum schweifen. Ihre Augen glänzen, wenn sie von ihren Schätzen erzählt. Die meisten Töpfe stammen von Flohmärkten. Einige hat sie geschenkt bekommen, als ihre Sammelleidenschaft bekannt wurde. „Manche, wie etwa die Serie aus Gmunder Keramik habe ich in Geschäften gekauft. Einen Topf habe ich aus der Perger Apotheke, der ist mit einer Produktwerbung versehen.“  Sie zeigt auf ein besonders hübsches Objekt: „Der hier ist aus Enns, mein Lieblingsstück. Für den habe ich eine hübsche Summe bezahlt. Der ist der Schönste von allen, aus ihm haben wir in einer gemütlichen Runde sogar schon Suppe gespeist, “ lacht die Sammlerin. Ihre Sammelleidenschaft verbindet sie übrigens mit einem prominenten Kollegen – Prinz Charles von England. Genauere Informationen über die Sonderausstellung und laufende Veranstaltungen findet man auf der neuen Homepage des Vereines Steinbrecherhaus. Die Sonderausstellung „Nachttöpfe“ ist noch bis 26. Oktober 2014 zu sehen. Anmeldung unter 07262/52387.  Info ÜBER DAS MUSEUMDie seit dem vorletzten Jahrhundert erloschene Zunft der Mühlsteinhauer ist seit dem Mittelalter belegt. Im Gelände des ehemaligen Mühlsteinbruchs Scherer ist das Steinbrecherhaus erhalten geblieben. Es ist das letzte derartige Gebäude. 1802 errichtet und 2007 renoviert. Man kann hier noch sehr gut die Lebensbedingungen einfacher Menschen nachempfinden. Sorgsam wurde auf die Erhaltung des ursprünglichen Charakters des Arbeiterwohnhauses geachtet. Neu im Internet: www.steinbrecherhaus.at 
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