Heimische Wirtschaft braucht zum Neustart Unterstützung der Konsumenten

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Martina Gahleitner Martina Gahleitner, Tips Redaktion, 14.04.2020 11:25 Uhr

BEZIRK ROHRBACH. Schritt für Schritt will man zurück zum Normalzustand kommen, wobei die Öffnung der kleinen Geschäfte mit 14. April der Anfang war. Für die krisengeplagten Unternehmen ist jetzt ein guter Neustart wichtig.

„Jetzt muss sich zeigen, wie kauffreudig die Leute sind – ob sie gleich mit vollem Eifer einkaufen, was für uns wichtig wäre, oder ob sie zurückhaltend sind“, meint Gerald Laher, Obmann der Rohrbacher Innenstadtkaufleute, die sich mit heutigem Dienstag wieder auf Kundschaft freuen. Er selbst hat sein Optik-Fachgeschäft auch bisher öffnen dürfen. „Drei Stunden täglich waren wir für Notfälle da und wir haben doch einigen helfen können. Aber der klassische Verkauf hat einfach nicht stattgefunden“, erklärt Laher. Deshalb ist der Unternehmer erleichtert, dass jetzt die Lockerung der Geschäftsöffnung erfolgt ist. „Jeder unserer Mitglieder war kreativ und hat sich überlegt, wie das Geschäft ohne persönlichen Kundenkontakt weiterlaufen kann. Aber die Verlockung durch den großen Online-Handel ist doch enorm.“ Laher hofft jetzt wie wohl alle Kaufleute, dass die Leute regional denken und regional einkaufen. Zumindest die Gutscheinmünzen-Aktion der Rohrbacher Innenstadtkaufleute, die sehr gut gelaufen ist, hat gezeigt, dass regionales Bewusstsein da ist.

„Wie soll ich das überstehen?“

Die Situation der Handelsbetriebe in den letzten Wochen war sehr bitter, viele Unternehmen blieben auf ihrer Ware sitzen. „Meine Branche lebt hauptsächlich von Anlässen, heuer sind Erstkommunion, Firmung und Ostern komplett ausgefallen“, berichtet Juwelierin Petra Kothbauer, Inhaberin des adoro in Altenfelden. Als sie am Freitag, 13. März, die Verkündung von Bundeskanzler Kurz gehört hat, dass alle Geschäfte zu schließen sind, war sie entsetzt. „Mein erster Gedanke: Das war's jetzt, wie soll ich das überstehen?“ Nach anfänglicher Schockstarre, unzähligen Telefonaten mit Steuerberater, Bank, Lieferanten begann sie sich neu zu ordnen. Und nun freut sie sich, dass es (mit teilweise eingeschränkten Öffnungszeiten bis Ende April) wieder weitergeht – „obwohl das Einkaufen ein anderes sein wird, als wir es gewohnt sind“, weist Kothbauer auf die Hygienevorschriften, Desinfektionsmittel und Mundschutz, den sie bei Bedarf zur Verfügung stellt, hin. Nur wenn sich alle an die strengen Auflagen halten, wird wieder Normalität einkehren können, ist die Geschäftsfrau überzeugt. Und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass durch diese Krise ein Umdenken in den Köpfen der Menschen vorgeht. Wir sollten mehr auf uns schauen, die regionalen Anbieter unterstützen und nicht unser Geld an diverse “Mega-Onlineanbieter„ verschwenden.“ Die adoro-Juwelierin hat selbst einen Onlineshop für Schnäppchen und Abverkaufsware, aber wirklich Umsatz mache sie damit nicht: „Man hat keine Chance gegen ausländische Konkurrenz. Wenn schon online, dann bitte regional“, appelliert sie an die Konsumenten. Wobei die persönliche Kundenberatung nach wie vor nicht zu ersetzen sei.

Lockdown nach Neueröffnung

Regina Zinöcker traf die Geschäftsschließung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Ihr Spielwarengeschäft LaLeLu in Haslach wurde nur ein paar Tage vor dem Lockdown nach einem Umbau und Erweiterung neu eröffnet und musste dann sofort wieder schließen. Mit einem Lieferservice, der viel besser angenommen wurde, als erwartet, konnte sie zumindest etwas Umsatz retten – und trotzdem: „Wir haben heuer nicht einmal ein Drittel davon geschafft, was in einem normalen Jahr vor Ostern umgesetzt wird. Da hat es sehr weh getan, dass Supermärkte quasi an uns vorbei auch Spielwaren verkaufen durften und auch der Online-Handel blüht“, berichtet Zinöcker. Sie ist ihren Kunden dankbar, die sich solidarisch gezeigt und bei LaLeLu bestellt haben, und auch den Stammlieferanten, die „enorm entgegenkommend“ waren. Seit Dienstag hat das Haslacher Fachgeschäft wieder ganz normal geöffnet. „Wir werden es sicher schaffen und weitermachen, andere haben da viel größere Sorgen“, zeigt sich Regina Zinöcker optimistisch.

Lagerhausmärkte sind wieder geöffnet

Zu den ersten Geschäften, die wieder öffnen durften, gehören auch Bau- und Gartenmärkte. Auch in den Lagerhausmärkten heißt es deshalb „Alles will raus, wir freuen uns auf das Lagerhaus“. „Als verantwortungsbewusstes Lagerhaus haben wir uns an die Coronavirus-Verordnungen der Bundesregierung strikt gehalten und die letzten Wochen überwiegend nur das Sortiment für unsere landwirtschaftlichen Kunden angeboten. Zum Vorteil der Gesundheit der Menschen in unserer Region, aber auch zum wirtschaftlichen Nachteil unseres Lagerhauses“, resümiert Direktor Martin Obernberger.

Jetzt kann es unter Einhaltung der Corona-Sicherheitsbestimmungen für Kunden und Mitarbeiter wieder losgehen und der Lagerhaus-Geschäftsführer ist zuversichtlich: „Die Sonnentage nach Ostern bieten noch viele Möglichkeiten zum Anbau von Pflanzen und Blumen im Garten oder zum Bauen oder Sanieren von Terrassen, Schwimmbädern oder Kinderspielplätzen.“ Der Lagerhausmarkt in Rohrbach zählt übrigens wegen der breitgefächerten Artikel-Auswahl für Haus, Hof, Garten, Energie, Technik, Bau und Landwirtschaft zu den erfolgreichsten Lagerhausmärkten in Österreich.

Corona-Krise wird lange nachwirken

Als Teil des Einrichtungsfachhandels hat auch Küchenspezialist Eilmannsberger den Schauraum schließen müssen und  auf Kurzarbeit umgestellt, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter und den Fortbestand des Betriebes zu sichern. „Der durch die verordneten Geschäftsschließungen verloren gegangene Umsatz wird für viele Firmen auch verloren bleiben“, gibt Silke Eilmannsberger zu bedenken. Weil auch das Konsumverhalten der Kunden nicht absehbar ist, sei es gerade in der Küchen- und Einrichtungsbranche schwierig, Zukunftsstrategien zu entwickeln. „Viele Menschen werden aufgrund von Job- und Einkommensverlusten so manche geplante Investition aufschieben müssen. Es wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wie stark sich die Corona-Krise tatsächlich in den Geldbörsen und damit im Kauf- und Investitionsverhalten der Österreicher niederschlägt“, ergänzt die Unternehmerin aus Rohrbach-Berg.

Sie appelliert an die Regierung, einen Notfallhilfe-Fonds, der Unternehmen mit über zehn Mitarbeitern, wie Eilmannsberger es ist, Zuschüsse und Hilfen gewährt, zu realisieren. Ihr Appell: „Gebt für kleine Betriebe ab zehn Mitarbeitern rasch finanzielle Direkthilfen frei, um ihre Umsatzeinbußen einzudämmen und dadurch ihr Weiterbestehen zu sichern. Denn Klein- und Mittelbetriebe sind bekanntlich das Rückgrat der Wirtschaft.“ Zudem soll eine Steuerreform mit einer entsprechenden Entlastung der Unternehmen, die ohnehin längst überfällig ist, im Angesicht der derzeitigen Krise forciert werden - nicht zuletzt, um Arbeitsplätze zu sichern.

Schrittweises Hochfahren in den Agenturen

Spürbar war und ist die Corona-Krise auch in den Werbe- und Kommunikationsagenturen. „Bereits in den Tagen vor der Ausgangsbeschränkung und den Schul- und Geschäftsschließungen merkten wir deutlich den Rückgang an Anfragen. Termine und Aufträge wurden abgesagt, es wurde ruhiger und ich arbeitete einen Notfallplan aus. Das garantierte zumindest für die nächsten eineinhalb Wochen noch ausreichend Arbeit. Danach wurden meine Kollegen auf Kurzarbeit umgestellt“, schildert Harry Wimmer die Situation in seiner Agentur in St. Martin. Dank Kurzarbeit musste er keinen Mitarbeiter entlassen - ein „absolut geniales Instrument, um Arbeitsplätze und das finanzielle Überleben von Mitarbeiter und Firma zu sichern“, sagt Wimmer. Überrascht habe ihn dann doch, dass sein Arbeitsleben relativ normal weiterging. „Ein Teil unserer Kunden wickelt ihre Aufträge wie zu 'normalen' Zeiten ab“, ist er dankbar für diese Normalität, die zumindest die laufenden Kosten deckten.

Seit 14. April wird die Firma wieder schrittweise hochgefahren. Es wurden kontaktlose Desinfektionsmittelspender installiert, Einweghandschuhe und Mundschutz liegen für Kunden und Mitarbeiter auf. „Unsere Normalität nach der Krise wird eine andere sein, aber alle sind wieder bereit, anzupacken“, spürt er eine gewisse Aufbruchstimmung.

Finanzielle Erste Hilfe für Unternehmen

Die Wiederöffnung ist ein Lichtblick für Unternehmen, die von der Corona-Krise gebeutelt wurden, ist man in der Rohrbacher Wirtschaftskammer überzeugt. Nach den kleinen Geschäften und Bau- und Gartenmärkten wird für alle weiteren Geschäfte, Einkaufszentren und Friseure eine Wiedereröffnung mit 1. Mai anvisiert. „Entscheidend wird sein, dass die Unternehmen möglichst rasch wieder zum Normalzustand gelangen und ihre Waren und Dienstleistungen anbieten können. Dafür brauchen die Firmen aber auch klare Informationen, was zu beachten sein wird“, betont WK-Bezirksstellenleiter Klaus Grad. Er lobt das Verantwortungsbewusstsein, mit dem die Unternehmen und ihre Mitarbeiter mit der herausfordernden Situation umgehen. Neben den gesetzlichen Vorgaben brauche es  nämlich auch die Verantwortung jedes Einzelnen, die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Der Weg zurück in eine (neue) Normalität wird allerdings noch einige Zeit beanspruchen. WK-Bezirksobmann Andreas Höllinger begrüßt die von Bund und Land bereitgestellten finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten, trotz vereinzelter Kritik. „Der Corona-Hilfs-Fonds stimmt mich vorsichtig optimistisch, dass Unternehmen, die immense Einbußen hinnehmen mussten und noch immer müssen, auch wirklich eine hilfreiche Entschädigung in Form von Garantien und Zuschüssen erhalten werden“, sagt Höllinger.

Daheim einkaufen

Für ihn steht im Vordergrund, die Kaufkraft in der Region zu halten und nicht globale Online-Plattformen zu Krisengewinnern zu machen. Dazu wurde etwa die regionale Plattform www.lieferserviceregional.at geschaffen, die sich großer Beliebtheit erfreut. Mit der Initiative „Kauf hier“ können Unternehmen ihre Waren und Dienstleistungen mit speziellen Papiertaschen in den sozialen Medien bewerben. Diese Initiative hat auch Unterstützer in der Kunst- und Kulturszene gefunden: Musiker JackTheBusch würdigte das Sackerl gesanglich in einem Facebook-Video, Autorin Annika Höller verfasste eine Geschichte dafür und Maler Gottfried Derndorfer verewigte das Kauf hier-Sackerl künstlerisch.

Tips fördert das Regionalitätsbewusstsein mit dem Online-Portal www.kaufein-daheim.at. Dort können sich regionale Unternehmen mit ihren Produkten und Dienstleistungen präsentieren.

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