Im Stoff der Liebe treten sie die Reise in den Himmel an

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Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 19.11.2014 08:00 Uhr

SCHÄRDING. 800 Gramm, nur wenige Zentimeter groß – der kleine Jonathan kam als Extremfrühchen zur Welt und verstarb nach nur 48 Stunden in den Armen seiner Mutter an den Folgen der frühen Geburt. Mit unendlichem Schmerz und Trauer fallen Eltern oft in ein tiefes Loch, wenn ihr Kind stirbt. Das Krankenhaus Schärding bietet als erstes Haus in Österreich „Himmelskleider“ an –  so können sich Eltern von ihren Kindern in würdevoller Weise und vor allem in passender Kleidung verabschieden.

Wenn Babys zu früh zur Welt kommen und es nicht schaffen, gibt es oft keine Kleidung, mit der sie ihre „Himmelsreise“ antreten können. Kein Strampler, keine Mützen oder Schuhe sind für die Kleinen passend. Oft müssen sich die Eltern, die von Trauer und Schmerz überwältigt werden, von ihren Kindern in viel zu großen Kleidern verabschieden. Die „Himmelskleider“, die das LKH Schärding anbietet, stammen von Isabel Weber aus Worms in Deutschland. Sie näht diese in liebevoller Handarbeit aus Brautkleidern, die sie als Spende erhält. „Der Grundgedanke des Projekts war, die Kinder in Stoffe der Liebe zu hüllen und ihnen die glückliche Energie eines Tages mitzugeben, die niemals vergeht“, erklärt die dreifache Mutter Isabel Weber. Ihre Zwillinge kamen vor drei Jahren als Extremfrühchen zur Welt. Der Erstgeborene überlebte die Folgen der frühen Geburt nicht und verstarb nur wenige Stunden später in ihren Armen. „Mich hat berührt und schockiert, dass es für mein kleines Kind mit 800 Gramm keine Kleidung gab. Nicht im Handel, nicht im Krankenhaus. Er wurde in einem Body beerdigt, der ihm viel zu groß war. Er hat von mir Mützen und Schuhe bekommen, jedoch war und ist dies kein würdiges, stimmiges Bild für mich gewesen“, erzählt Weber. Im April 2014 hat sie schließlich das Projekt „Himmelskleider“ ins Leben gerufen. „Meine Intention war zu helfen, in liebevoller Weise, in einen Moment, in dem für Eltern die Welt kollabiert und nichts mehr ist, wie es war. Wenn das eigene Kind stirbt, vergisst man, wer man ist, wer man war und man hat keine Ahnung, wie es weitergehen soll“, so Weber weiter. Kleidung gilt als Schutz Warum es für Eltern so wichtig ist, sich in würdevoller Weise von ihren Kindern zu verabschieden und so auch mit der Trauer und dem Schmerz umzugehen, erklärt die Seelsorgerin des Krankenhauses Schärding, Gabriele Dietrich. Sie ist da, wenn Menschen Unterstützung brauchen, und hat immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme der Patienten: „Für die Eltern ist es das erste und letzte Bild ihres Kindes. Egal ob es lebt oder verstorben ist, es ist ihr Kind und somit auch das schönste Kind. Es ist für die Eltern ein Grundbedürfnis ihren Kindern eine Kleidung zu geben, denn dies gilt als Schutz. Dieses Bild von ihrem Kind werden die Eltern für immer mit sich tragen.“   50 bis 60 Kleider gefertigt Zur Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Schärding kam es, da Isabel Weber mit der Schärdinger Hebamme Karin Spalt die Hebammenausbildung in Graz absolvierte. Mittlerweile hat Weber zirka 50 bis 60 Kleider gefertigt. Jede freie Minute ihrer knappen Freizeit widmet sie ihrem Projekt. An einem Kleidchen arbeitet sie zwischen vier und zehn Stunden. Jedes wird mit Stickereien verziert und erhält ein kleines Säckchen, das als Geschenk für die Eltern gedacht ist, das soll ewige Verbundenheit symbolisieren. Die Eltern können so ihre Kinder für immer in Erinnerung behalten.
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