Artegra wird Partner für neues Nahversorger-Zentrum in St. Stefan-Afiesl

Petra Hanner Petra Hanner, Tips Redaktion, 30.09.2019 09:30 Uhr

ST. STEFAN-AFIESL. Für das Nahversorger-Modellprojekt, an dem die Gemeinde St. Stefan-Afiesl seit Monaten intensiv arbeitet, konnte ein starker Partner gewonnen werden: Die Artegra Geschützte Werkstätte aus Altenfelden, die Menschen mit Beeinträchtigungen beschäftigt und für den Arbeitsmarkt qualifiziert. Geschäft, Café und Veranstaltungszentrum sollen im bisherigen Gasthaus Mayr entstehen. Nun kommt mit der Einbindung von Artegra eine weitere regionale und soziale Komponente hinzu.

 

 

„Ob wir es hören wollen oder nicht, es kommt auf die Menschen in der Region an. Es nimmt ihnen niemand ab, ihre Probleme selbst in die Hand zu nehmen. Die Chancen sind da, sie müssen nur entdeckt und genutzt werden.“ Entsprechend diesem Zitat des ehemaligen EU Kommissars haben sich die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde St. Stefan-Afiesl des Themas Nahversorgung angenommen. Unter der Leitung von Bürgermeister Alfred Mayr und Prozessbegleiter Johannes Brandl von der SPES Akademie, wurde im Rahmen eines Agenda 21-Projektes ein für kleinere Orte maßgeschneidertes Pilotmodell ausgearbeitet. 

Ein Standort – viele Möglichkeiten

Die wesentliche Erkenntnis aus dem Prozess ist, dass in einer kleinen Gemeinde derartige Projekte nur dann funktionieren können, wenn das Angebot möglichst breit gefächert ist. Daher werden an einem Ort  - nämlich dem bisherigen Gasthaus Mayr - ein Veranstaltungszentrum, ein Gasthaus, ein Café und ein kleines Geschäft angeboten. Mit einem Genossenschaftsmodell sollen so viele Menschen wie möglich ermutigt werden, dieses Konzept auch finanziell mitzutragen.

Das Ziel ist, viele Menschen zu motivieren an diesem Ort zu feiern, sich zu treffen und die Dinge des täglichen Gebrauchs wieder im Ort zu kaufen. Mit dem Umbau der bestehenden Substanz soll bereits in den kommenden Wintermonaten begonnen werden. „Wir streben eine Eröffnung im späten Frühling an“, freut sich Bürgermeister Alfred Mayr schon auf die Umsetzung.

Partnerschaft mit Artegra

„Wir sind immer wieder auf der Suche nach Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen mit Beeinträchtigung. Das Begegnungszentrum in St. Stefan-Afiesl bietet hier nun mit der Gastronomie ein weiteres interessantes und für Integration und Inklusion bestens geeignetes Berufsfeld für unsere Klienten,“ betont Franz Höglinger, der mit 1. Oktober gerade frisch die Geschäftsführung der Artegravon Werner Gahleitner übernommen hat. Artegra, ein Tochterunternehmen des Arcus Sozialnetzwerkes aus Sarleinsbach, bietet bislang Arbeits- und Ausbildungsplätze in Gärtnerei, Wäscherei und Einzelhandel für Menschen mit Beeinträchtigung an. In diesem neuen Projekt sieht ArtegraBeschäftigungsmöglichkeiten in Küche & Service, bei Vorbereitungsarbeiten in Gastronomie und Café sowie im Nahversorger in der Regalbetreuung und im Verkauf. Auch das Zusammenstellen und Gestalten von Mitbringseln wie beispielsweise regionale „Bschoadbinkerl“ oder Geschenkkisten könnten willkommene Tätigkeiten und Trainingsfelder für Menschen mit Beeinträchtigungen sein.

„Ich freue mich, dass wir hier in ein sehr innovatives Projekt – getragen von einem sehr engagierten Team vor Ort – einsteigen können. Das kann schon zu einem 'Leuchtturmprojekt' mit Strahlkraft werden!“, so Franz Höglinger.

 Regionale Anbieter im Boot

„Vor allem durch das Angebot einer Bäckerei, eines regionalen Fleischereibetriebes, die bereits ins Boot geholt werden konnten, und das neu gestaltete Panorama Café erhoffen wir uns, dass auch viele Nicht-Gemeindebürger zum Gelingen unseres Projektes beitragen. Außerdem bietet das völlig neugestaltete Veranstaltungszentrum die Möglichkeit, Feiern aller Art und Veranstaltungen der Vereine und der Gemeinde durchzuführen. Gemeinsam mit unserer schönen Kirche ist es vor allem für Hochzeiten hervorragend geeignet!“, ist sich Bgm. Mayr der vielen Möglichkeiten des künftigen Nahversorgungszentrums bewusst.

Nahversorgung neu definiert

Bgm. Mayr: „Es ist eine einzigartige Chance, Nahversorgung ganz neu zu denken und zu definieren. Nahversorgung ist nämlich nicht nur die Möglichkeit “billig„ einzukaufen – Nahversorgung am Land bedeutet auch: gut funktionierendes Ehrenamt, das Angebot günstiger (Start)Wohnungen und leistbarer Baugründe, aber auch ein gutes Zusammenwirken von Vereinen, Pfarre und Gemeinde.“

Er bedankt sich nicht nur bei den vielen fleißigen Mitarbeitern an diesem von der RMOÖ begleiteten Projekt, sondern auch bei Willi Mayr, dem bisherigen Betreiber des „Mayrwirt“. Dieser hat letztendlich durch seine Bereitschaft, der Genossenschaft seinen Betrieb zu äußerst günstigen Konditionen zu überlassen, einen wesentlichen Anteil am Zustandekommen des rund 700.000 Euro-Projektes beigetragen.

 

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