Seit 16 Jahren Akkordeon-Künstler in Steyr: Verordnung bedroht Straßenmusiker-Existenz

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Angelika Mitterhauser Angelika Mitterhauser, Tips Redaktion, 23.09.2014 09:37 Uhr

STEYR. Valentin Konecovski hofft seit Mai auf die Ausnahmegenehmigung, in der Innenstadt seinem Broterwerb – dem Akkordeonspiel – als solchem nachgehen zu dürfen. Mit der neuen Straßenmusikverordnung haben sich die Bedingungen des vielen Steyrern bekannten Musikers, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, drastisch verschlechtert.

    Laut der am 15. Mai beschlossenen Verordnung darf Konecovski wie seine Straßenmusiker-Kollegen nur noch Dienstag und Donnerstag, von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr, sowie Samstag, von 10 bis 13 Uhr spielen. Zwischen vier festgelegten Innenstadtzonen muss halbstündlich gewechselt werden; gespielt werden darf nur mit vom Magistrat in begrenzter Zahl ausgestellten Platzkarten.   620 Unterschriften   Dem freischaffenden Straßenmusiker Valentin Konecovski zu schaffen macht vor allem der reduzierte Zeitrahmen für seine öffentlichen Auftritte. Um etwa die Hälfte weniger Einkommen bedeutet die neue Verordnung für ihn.   Dabei ist der Bulgare, der fünf Jahre lang Akkordeon studierte und sich ein mehrere hundert Stücke umfassendes Repertoire erarbeitet hat, bei den Steyrern sehr beliebt und gern gehört – unterscheidet sich von so manchem Kollegen, der wenige Melodien in Endlosschleife abspult, nicht zuletzt in Qualität und Spielfreude. Das untermauern 620 Unterschriften, davon zahlreicher Geschäftstreibender, die seine musikalische Präsenz als willkommene Bereicherung des Stadtzentrums empfinden. Die Unterschriftenliste liegt jenem Ansuchen bei, das der 44-Jährige gleich nach Gemeinderatsbeschluss an die Zuständigen abschickte. Hoffnung hatte ihm Paragraph 6 der Verordnung gemacht, wonach der Stadtsenat im Interesse des Tourismus und der Innenstadtbelebung Ausnahmen bewilligen könnte.   Konecovski lebt seit 16 Jahren von der Straßenmusik. 1997 kam er 27-jährig auf der Suche nach einem besseren Leben nach Österreich. In Steyr konnte er rasch viele Kontakte knüpfen. Am Stadtplatz ist er meist mit seinem besten Freund und Landsmann Saxofonist Valeri Kostadinov anzutreffen. Den vier Kilometer langen Weg von der Unterkunft zur Arbeit bewältigen die beiden samt Instrumente zu Fuß.   Mit den freiwilligen Spenden der Zuhörerschaft wird nicht nur der eigene, sondern auch der Lebensunterhalt der Familie finanziert. Valentins Zwillinge Darina und Stanislav (9,5 Jahre) und der 15-jährige Veselin leben mit ihrer Mutter zuhause im bulgarischen Vratsa. Wenn von ihnen die Rede ist, leuchten die Augen des lebensfrohen Vollblut-Musikers. In Bulgarien zu bleiben würde, wenn er denn am trostlosen Arbeitsmarkt eine Stelle finden könnte, eine Pension von maximal 200 Euro bedeuten. Deshalb kommt Valentin Konecovski nach Österreich, zahlt hier seit Jahren Pensionsversicherung. Erst Weihnachten wird er seine Familie wiedersehen.   „Wenn es mit der Ausnahmeregelung nichts wird, hoffen wir, dass uns private Engagements über die Runden helfen. Wir umrahmen Geburtstagsfeiern, Ausstellungseröffnungen, Hochzeiten, auch Begräbnisse.“ Das Integrationszentrum Paraplü hat ihn eingeladen, am 25. September, von 10 bis 12 Uhr bei der Aktion „Humanität – Interkulturalität: Aufgedeckt“ vor der Marienkirche zu spielen und hofft auf zahlreiche Solidaritätsbesuche.   Kleine Hoffnung   Nach Auskunft des Magistrat sind die Aussichten für Valentin Konecovski wenig rosig: Unbefristete Ausnahmeregelungen seien im Gesetz nicht vorgesehen. Bewilligungen gebe es etwa für Einzelveranstaltungen mit fixem Zeitrahmen.   Der zuständige Stadtrat Helmut Zöttl (FPÖ) zur Thematik: „Einzelschicksale sind natürlich bedauerlich, aber die Verordnung ist im Gemeinderat klar entschieden worden.“ Er wolle den konkreten Fall aber dem Bürgermeister als ein Thema für die nächste Fraktionsvorsitzenden-Konferenz vorschlagen.
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