„Ich mag Sachen nicht konstruieren“

Philipp Seelmann, Leserartikel, 14.08.2012 09:55 Uhr

AMSTETTEN. Sigrid Horn, Sängerin der Band wosisig spricht im Interview mit Meike Kolck-Thudt über die Entstehung des neuen Albums und darüber, wie man die Welt verändern kann.

Tips: wosisig gibt es inzwischen seit mehr als fünf Jahren. Wie habt ihr euch als Band verändert?   Horn: Anfang 2007 hatten wir unseren ersten Auftritt, beim FM4 Protestsongcontest. Da war ich gerade erst 16. Wir haben stilmäßig seitdem viel durchprobiert. Jetzt kann man sagen, dass wir unsere musikalische Mitte gefunden haben. Die Grundbesetzung Klavier, Bratsche, Bass, Schlagzeug, bleibt meist bestehen, und wir singen oft zwei- bis vierstimmig. Textlich zieht sich jetzt auch viel mehr ein roter Faden durch als früher. Die Texte der aktuellsten Songs sind außerdem alle in der Mostviertler Mundart. Nach wie vor geht es aber um die Verarbeitung meiner Lebenswelt, wie der Bandname wosisig, was ich sehe, auch sagt.   Tips: Welche Lieder „aus der ersten Stunde“ spielt ihr heute noch gerne?   Horn: „Sommerlied“ entstand im Frühjahr 2007. Wir haben es für das erste Studioalbum musikalisch aufgewertet, und vor ein paar Wochen für einen Auftritt in Koplarn auch noch den Text verändert. Es heißt jetzt „Pudlnockad“. Das spielen wir bei fast allen Konzerten, es bringt die Leute zum Tanzen und macht Stimmung. Auch „Puppenspiel“ ist ein Evergreen: Das Thema verliert für mich nie an Brisanz.   Tips: Wie entstehen eure Liedtexte?   Horn: Die Texte stammen seit circa einem Jahr ausschließlich von mir. Das hat sich einfach so ergeben. Es ist zum Beispiel so, dass die anderen mit Liedergerüsten kommen, und ich dann etwas dazutexte. Mir ist es aber ganz wichtig, dass das nicht alleine in meinem Kämmerchen geschieht, sondern dass ich während der Probe einfach spontan dazu singe was mir in den Kopf kommt. Das sind dann meistens die stimmigsten und authentischsten Texte. Ich mag Sachen nicht konstruieren. Entweder es stimmt so wie es entsteht und es wird ein Lied, oder eben nicht.   Tips: Was war der schönste Moment während eines Auftrittes?   Horn: Es gibt in fast jedem Konzert außergewöhnliche Momente. Wenn du siehst, dass jemand aus dem Publikum Tränen in den Augen hat. Wenn auf einmal Leute, die du noch nie gesehen hast, bei deinen Texten mitsingen. Wenn es jemandem aus der Band nicht gut geht, und wir dann alle vier während des Konzerts an einem Strang ziehen. Aber hey, von Dirk Stermann anmoderiert zu werden und mit ihm auf der Bühne des Rabenhoftheaters zu scherzen war natürlich auch geil.   Tips: Ihr arbeitet gerade an einem neuen Album. Was erwartet uns?   Horn: Momentan sind erst sieben Lieder fertig aufgenommen. Wir haben uns dazu entschieden das Album einfach wachsen zu lassen. Es wird auf jeden Fall besser als alles sein, was man je von uns gehört hat. Wir nehmen gerade bei Walther Soyka in Wien auf, bei dem unter anderem Ernst Molden und auch der Nino aus Wien schon im Studio waren. Mit ihm haben wir ein Riesenglück. Er bringt uns zu Höchstleistungen und wir fühlen uns sehr wohl, es ist eine unglaublich familiäre Stimmung, in der die Musik einfach geschehen und sein darf.   Tips: Ihr habt viele politische Lieder im Repertoire. Kann man als Musiker/Künstler die Welt verändern?   Horn: Die Welt verändern ist vielleicht zu viel gesagt. Aber man kann die Leute dazu bringen, ihre eigene Welt zu hinterfragen. Man kann etwas lostreten, ein Feuer entfachen. Oder eine vorherrschende Grundstimmung einfangen und die dann verstärken und so eine Handlung auslösen. Aber vielleicht ist das auch schon zu viel verlangt. Hier würde ich gerne Ernst Molden zitieren, der beim diesjährigen FM4 Protestsongcontestfinale Juror war und über unser Lied „Erwin“ gesagt hat: „Wenn diese Band dieses Lied noch fünf mal vor Leuten spielt, passiert was Großartiges. Ich freu mich drauf.“   Tips: Letztes Jahr habt ihr beim FM4 Protestsongcontest den 3. Platz geschafft. Euer nächstes Ziel?   Horn: Also, wenn wir im Dezember ein Lied haben das passen würde, dann schicken wir das definitiv ein. Aber unser größtes gemeinsames Ziel ist momentan das Album. Und das nächste konkrete Ziel ist ein Kühlschrank und eine Kaffeemaschine für den Proberaum.
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