Der Mensch als Kunstobjekt

Der Mensch als Kunstobjekt

Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 13.01.2016 14:55 Uhr

ANDORF/RIED/LINZ. Mimik, Gestik und Körperhaltung von Menschen stellen die Künstler Hermine Reidinger aus Andorf und Michael Sardelic aus Ried auf spektakuläre Weise ins Zentrum ihres künstlerischen Schaffens. Fotografien von Menschen hängen an sprichwörtlich „seidenen Faden“ und verführen ihre Betrachter in eine bunte Welt zwischen Faszination und Abstraktheit und liefern durchaus Stoff zum „Nachdenken“.

Tips: Sie beschäftigen sich bei Ihrer Kunst hauptsächlich mit dem Thema „Mensch“ – warum?

 

Hermine Reidinger und Michael Sardelic: Dies hat unter anderem mit unserem Künstlernamen HuM-ART zu tun, der sich aus den Anfangsbuchstaben unserer Vornamen zusammensetzt. Gleichzeitig steckt darin auch ein Teil des Wortes „Humanitas“ – das Menschsein sowie die Normen und Verhaltensweisen, die den Menschen ausmachen. Für uns war die Verknüpfung von Menschen, Fotografie und kinetischem Objekt neu und hat uns von Anfang an fasziniert. Mit unseren Objekten wollen wir ein abstraktes Abbild unserer Realität erzeugen und einen eigenen symbolischen Kosmos erschaffen, in dem sich Handlungen und Geschichten herausgelöst aus der Umgebung in der Fantasie des Betrachters abspielen.

 

Tips: Warum eignet sich der Mensch gut als Kunstobjekt?

 

Reidinger und Sardelic: Der Mensch, sein Leben, sein Sozialverhalten und seine Psyche stellen für uns ein unerschöpfliches Reservoir an Ideen bereit, wir brauchen mit unserer Fantasie nur danach zu greifen.

 

Tips: Was wollen Sie mit Ihrer Kunst erreichen?

 

Reidinger und Sardelic: Unsere Arbeiten erzählen Geschichten, die sich infolge der permanenten Bewegung und unterschiedlichen Stellung der kinetischen Objekte zu einander durch den Luftstrom im Raum verändern. Damit wollen wir den Betrachter überraschen, faszinieren und seine Fantasie zum Schweben bringen, um ihn dadurch zum Nachdenken anzuregen.

 

Tips: Mit welchen Materialien arbeiten Sie?

 

Reidinger und Sardelic: Besonders wichtig ist, dass die Materialien, die wir für die Objekte verwenden, langlebig und lichtbeständig sind. Außerdem spielt das Materialgewicht eine große Rolle. Um dies so gering wie möglich zu halten, verwenden wir vorwiegend Aluminiumverbundplatten, Aluminiumrohre und -profile. Der Druck erfolgt im Solventverfahren auf Alu-Dibond. Für die Hängung und Fixierung der Teile verwenden wir Industriekletter, gedrehtes Kunststoffseil – je nach Gewicht in verschiedenen Tragestärken bis 90 Kilogramm, Stellringe und O-Ringe. Teilweise kommen auch Acrylglas oder Glas zum Einsatz.

 

Tips: Was inspiriert Sie?

 

Reidinger und Sardelic: Unsere Inspirationsquellen sind bei jeder Arbeit unterschiedlich. Das kann ein persönliches Erlebnis, ein Traum, ein Fernsehbericht, ein Zeitungsartikel, ein Foto oder ein Gespräch sein. Meistens setzen daraufhin gedankliche Assoziationsketten ein, die wir mit unseren Fantasiebildern und Vorstellungen über unsere Arbeiten in Verbindung bringen. In Gesprächen entwickeln wir unsere Vorstellungen weiter, bis sie in unseren Gedanken immer konkretere Formen annehmen. Das ist ein für uns wichtiger und faszinierender Prozess, der uns gegenseitig beeinflusst und unsere Gedanken wechselseitig hochschaukelt. Am überraschendsten ist es für uns aber immer, wenn einer von uns beiden ausspricht, was der andere gerade denkt. Das zeigt uns, dass wir mit der Arbeit auf dem richtigen Weg sind.

 

Tips: Bei Ihren Werken hängen die dargestellten Menschen ja oft „in der Luft“ – hat dies eine besondere Bedeutung?

 

Reidinger und Sardelic: Stimmt, manche Menschen hängen an Seilen und schweben in der Luft. Andere wiederum sitzen oder stehen auf den Mobilestangen. Zwar wollen wir mit unseren Arbeiten beim Betrachter einen Eindruck des Schwebens, ein Gefühl der Schwerelosigkeit erzeugen, doch gleichzeitig ist es uns wichtig mit unseren Werken zu zeigen, dass in unserem Leben und in allen Bereichen alles zusammenhängt, dass jede Bewegung, jede Handlung auch eine Gegenbewegung, eine Reaktion auslöst, damit alles im Gleichgewicht bleibt. Würde nur ein Teil fehlen, wäre das Gleichgewicht gestört und das gesamte Objekt würde aus dem Lot geraten.

 

Tips: Was erwartet Besucher bei Ihrer aktuellen Ausstellung in Linz?

 

Reidinger und Sardelic: In dieser Ausstellung werden die Neuaufnahmen in die Vereinigung Kunstschaffender Oberösterreichs – BVOÖ gezeigt. Wir freuen uns, dass wir nun auch dazugehören, und stellen in der Galerie im Ursulinenhof mit vier weiteren künstlerischen Positionen drei unserer Arbeiten aus: Im Glasfensterbereich des Schauraums hängt auch von außen sichtbar unsere Arbeit „Kaì oudèn ménei“, ein kinetisches Objekt auch mit echten Pflanzenteilen in Glasampullen, das die Auswirkung auf die Natur durch den Eingriff des Menschen thematisch behandelt. Weiters bewegen sich ein 2,50 Meter hohes Objekt mit dem Titel „Gender Roles“, in dem die Rollen der Geschlechter in ironischer Form aufgegriffen werden, und ein kleineres mit dem Titel „Speechless“, ein Mobile aus schwebenden menschlichen Figuren, Büchern und Drahtschrift, mithilfe der Luftzirkulation in der Galerie hängend.

 

AUSSTELLUNG

Präsentation der Neuaufnahmen in die Vereinigung Kunstschaffender Oberösterreichs – BVOÖ Linz

12. Jänner – 3. Februar

Galerie der BVOÖ, Ursulinenhof im OÖ Kulturquartier, Landstraße 31

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 15 – 19 Uhr, Samstag 10 – 17 Uhr

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