Zwölf Ausbrüche aus Justizanstalt Asten verunsichern die Bevölkerung
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Zwölf Ausbrüche aus Justizanstalt Asten verunsichern die Bevölkerung

Rafael Haslauer Rafael Haslauer, Tips Redaktion, 09.10.2018 13:41 Uhr

ASTEN. Das Forensische Zentrum in Asten gilt weitläufig als die Vorzeigeanstalt, was den Strafvollzug von geistig abnormen Rechtsbrechern betrifft. Dennoch zeigt sich die Bevölkerung verunsichert, musste sie in diesem Jahr doch recht häufig den Polizeihubschrauber über Asten kreisen sehen. Was die Bevölkerung bisher nicht wusste: Seit Jahresbeginn sind zwölf Personen aus der Justizanstalt Asten ausgebrochen.

Es ist ein offenes Geheimnis, das aufgrund des nicht existierenden Informationsflusses die Astener Bevölkerung beizeiten in Angst und Schrecken versetzt. Sobald nämlich dort der Polizeihubschrauber gesichtet wird, scheint eine erneute Entweichung traurige, allerdings nicht bestätigte Gewissheit zu sein. Neben der Gerüchteküche beginnt nach jeder Polizeihubschraubersichtung auch das Gemüt so manches Asteners zu brodeln. „Ist es zu viel verlangt, die Bevölkerung darüber in Kenntnis zu setzen, wenn Abgänge aus dem Gefängnis zu verzeichnen sind?“, zeigt sich so mancher Bürger irritiert. In diversen Facebook-Gruppen wird der Polizeihubschrauber aufgrund der häufigen Einsätze gar als Astens Deckenventilator bezeichnet.

Keine Informationen

„Unsicherheit herrscht auch darüber, dass niemand so wirklich weiß, welche Straftäter in Asten einsitzen, darüber hinaus werden immer wieder Gruppen von mehreren Personen gesichtet, die mit einer Aufsichtsperson, beispielsweise in den nahegelegenen Frunpark, einkaufen gehen. Dass generell kaum Informationen aus der Justizanstalt Asten zu den Bürgern durchdringen, trägt zusätzlich zur Verunsicherung bei“, weiß auch NEOS-Gemeinderat Thomas Madler, der selbst in Asten beheimatet ist. Wir gingen der Sache auf den Grund.

Strafvollzug

Zunächst sei gesagt, dass zwischen Strafvollzug und Forensik zu unterscheiden ist. Der Wissensstand der Bürger, es würden hauptsächlich sogenannte Kleinkriminelle in Asten einsitzen, trifft zumindest auf den Strafvollzug zu. „Bis zu einer maximalen Haftstrafe von 18 Monaten sind Straftäter in Asten untergebracht“, bestätigt auch Gefängnisleiter Martin Kitzberger in einem Gespräch mit Tips. Im forensischen Teil der Haftanstalt sieht das allerdings ganz anders aus.

Forensik

Bei den geistig abnormen Rechtsbrechern gäbe es nämlich keine Einschränkungen, was die Schwere der Delikte betrifft. Außerdem seien speziell im Frauentrakt – auch das bestätigte der Gefängnisleiter –, die 15 schwersten psychisch gestörten Täterinnen Österreichs untergebracht. Ein Gespräch mit zwei anonymen Quellen wirft allerdings einen dunklen Schatten auf das Forensikzentrum Asten.

Ausbrüche

Markus R. (Name von der Redaktion geändert) berichtete unter anderem von einem höchst besorgniserregenden Umgang mit den Insassen. Besorgniserregend aber nicht etwa für die Insassen selbst, sondern in erster Linie für die Mitarbeiter und in weiterer Folge für die Bevölkerung. „Seit Jahresbeginn sind zwölf Personen nicht mehr von ihrem Freigang zurückgekehrt – im jüngsten Fall handelt es sich um einen irakischen Staatsbürger, der im September 2014 wegen versuchten Mordes verurteilt wurde und bereits im Jänner 2016 in den Genuss der 'Lockerungsstufe zwei' gekommen ist“, so R., dessen Aussage ebenfalls von Kitzberger bestätigt wurde. Die Lockerungsstufe zwei ermöglicht es den Straftätern, sich in Begleitung eines Sozial- oder Pflegemitarbeiters frei auf der Straße zu bewegen. Von den zwölf Entweichungen seien laut Kitzberger noch drei flüchtig.

Entscheidungen über Lockerungsstufen

Und auch die Frage, wie es überhaupt möglich sein kann, dass Straftäter, die wegen versuchten Mordes einsitzen, in die Lockerungsstufe zwei herabgesetzt werden, weiß der Gefängnisleiter zu beantworten. „Über jede Herabsetzung in eine andere Lockerungsstufe entscheidet letzten Endes ein Richter. Darüber hinaus muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass man durchaus krank sein darf, nicht aber gefährlich. Täter, die bei uns in der Forensik untergebracht sind, haben ihre Taten aufgrund einer meist psychischen Erkrankung begangen, was nicht heißt, dass sie ein Leben lang krank sind.“ Geistig abnorme Rechtsbrecher auf das Leben danach vorzubereiten, sieht Kitzberger als eine der Hauptaufgaben seiner Arbeit.

Übergriffe häufen sich

Anders sehen das unsere anonymen Quellen. Denn wie Markus R. spricht auch Waltraut M. (Name von der Redaktion geändert) mit einer Sprache und bezeichnet dieses Vorgehen als höchst sicherheitsgefährdend. „Die Sicherheit der Mitarbeiter, aber auch die der Bürger wird mit Füßen getreten, das hat nichts mehr mit Resozialisierung zu tun.“ Vor allem intern käme es gehäuft zu Übergriffen. „Einer der Mitarbeiter war nach einer Attacke eines Häftlings drei Monate im Krankenstand. Im letzten Jahr wurden bei einem Einsatz gleich drei Beamte verletzt, zwei von ihnen mussten ins Krankenhaus. Herausgekommen ist da natürlich nichts, das Verfahren wurde eingestellt, wodurch der Anspruch auf Schmerzensgeld für die Beamten nicht tragend wurde. Von Einzelfällen kann hier also schon lange nicht mehr die Rede sein“, erzählt R.

Straftat muss gemeldet werden

Auch den Gefängnisleiter haben wir zu einem früheren Zeitpunkt über etwaige Übergriffe innerhalb der Gefängnismauern befragt: „Meist handelt es sich bei sogenannten Übergriffen um Selbstverletzungen oder Ordnungswidrigkeiten, manchmal auch um Sachbeschädigungen.“ Außerdem müsse jeder Verdacht einer Straftat umgehend gemeldet werden.

Freigänge

Wie eingangs erwähnt, besteht für Täter der Lockerungsstufe zwei die Möglichkeit, mit einer Begleitperson im nahegelegenen Frunpark einzukaufen. „Man darf sich nicht wundern, wenn zehn Häftlinge mit einem Sozialarbeiter unterwegs sind und dann nicht wieder in die Einrichtung zurückkommen“, so M. verständnislos. Ein Justizwachebeamter sei bei den Ausgängen in der Regel nicht dabei, da die Beamten ausschließlich für die Abteilung des Strafvollzugs vorgesehen seien oder für Häftlinge der Lockerungsstufe drei. Etwas anders wird die Sachlage von Kitzberger geschildert. Demnach sei bei Ausgängen von zehn Personen nicht nur einer, sondern immer zwei diplomierte Sozialarbeiter dabei, „außerdem ist hier niemand mit realem Geld unterwegs. Natürlich kommt es vor, dass jemand versucht zu fliehen, in der Regel kommen die meisten aber von selbst wieder zurück.“ Und auch besagter irakischer Staatsbürger konnte laut Kitzberger wieder gefasst werden, in der Schweiz, bei einem Asylantrag.

Unterbesetzung

Ein weiteres Sicherheitsrisiko sehen M. und R. in der Unterbesetzung der Astener Justizanstalt. „Bei dieser Dichte an Häftlingen wäre deutlich mehr Personal nötig, um die Sicherheit für die Mitarbeiter gewährleisten zu können“, zeigt sich R. wenig verständnisvoll. Oder umgekehrt betrachtet: eine kürzlich gestellte parlamentarische Anfrage von Irmgard Griss, Abgeordnete zum Nationalrat, ergab, dass die JA Asten für 171 Häftlinge ausgelegt ist, aktuell seien dort allerdings 190 Personen untergebracht, was einer zehnprozentigen Überbelegung entspricht.

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Kommentare

  1. Ludwig 11.10.2018 12:50 Uhr

    Ausbrüche Strafanstalt Asten - Schaut wieder einmal nach reiner Panikmacherei einer Partei aus. Habe seit 17 Jahren einen Garten in der Nähe. Begegne des öfteren diesen Spaziergängern, und hatte noch nie das geringste Problem. Man sollte sich vorher vor Ort Informieren, bevor man die Bevölkerung in Panik versetzt. P.s Hier ist der Bund zuständig, und nicht der Bürgermeister

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    • Markus 12.10.2018 08:24 Uhr

      Kommentar von Ludwig - Nur weil Sie keine Probleme haben nimmt das den Insassen nicht ihre Gefährlichkeit. Und sie gehen ja nicht nur in Begleitung hinaus, sondern auch alleine. Aber ihr Argument könnten Sie dann einem/einer Betroffenen vorbringen, welche/r gerade zum Opfer geworden ist. Oder auch den schon betroffenen. Erzählen Sie das einmal jemanden, der einen geliebten Menschen durch solche "Spaziergänger" verloren hat. Und es ist ja nicht so, dass sich jeder Bürger vor Ort einen Termin zur Besichtigung machen kann. Haben Sie schon einmal mit den unscheinbaren Spaziergängern gesprochen und wissen warum sie Inhaftiert sind? Und es ist keine parteiinduzierte Panikmacherei, ich weiß aus Erfahrung wovon ich spreche.

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    • Ludwig 12.10.2018 11:52 Uhr

      Kommentar von Markus - Tag täglich erleben wir Übergriffe von Menschen auf Menschen, sei es in der Familie, in Krankenhäusern, in Altenheimen, im Rettungsdienst, im Polizeidienst und natürlich auch in Justizanstalten.
      Diese potential gefährlichen Menschen laufen alle frei herum, ohne Begleitperson.
      Das ist die Realität, in der wir leben müssen.
      Ich habe noch von keinem einzigen Fall in Asten gehört, in dem es zu einem Übergriff gekommen ist. Soll nicht heißen, dass es nicht passieren kann, aber die Wahrscheinlichkeit von einem (Normalbürger) angegriffen zu werden ist sicher nicht minder einzuschätzen.
      Würde hier genauso Panik betrieben,dürfte sich keiner mehr auf die Strasse trauen.
      Ich habe mir die Zeit genommen, mich zu Informieren.
      Dinge in den Raum zu stellen, und gleichzeitig zu sagen, ich habe keine Zeit mich zu Informieren, ist einfach zuwenig.
      Ich lese immer von Betroffenen, oder Erfahrungen.
      Wie weit seit ihr Betroffen in Asten, welche Erfahrungen habt ihr gemacht in Asten.
      Es geht hier um Asten, und nur um Asten.
      Asten ist in der Vergangenheit schon zu oft schlecht geredet worden, und wir sollten endlich aufhören damit.

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  2. Marie 11.10.2018 11:45 Uhr

    Ausbrüche aus Justizanstalt Asten - Als betroffene Bürgerin VERLANGE ich von den zuständigen Behörden die sofortige Untersuchung und Beseitigung dieser mehr als beängstigenden Zustände! Ich VERLANGE die sofortige Verstärkung und größtmögliche Unterstzützung der betroffenen Justizbeamten, die ebenso wie die Bevölkerung schutzlos der Willkür von Richtern oder sonstigen "Experten" ausgesetzt sind, die gemeingefährliche Verbrecher auf österreichische Staatsbürger loslassen, die keinerlei Möglichkeit haben, sich dagegen zu schützen! Ja, ich habe Angst - und zwar vor irren Verbrechern, die frei herumlaufen, und auch vor einem Gesetzgeber, der dies ermöglicht und fördert.

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  3. Posch Herbert Asten 10.10.2018 20:15 Uhr

    Ausbrüche Strafanstalt Asten - Astner Bürger wehrt euch doch endlich und beg ügt eu h nicht mit Ausreden des Bürgermeisters und anderer Mandatare aller Parteien In Asten sind wir zusätzlich auch noch durch die täglichen immer lä nger andauernden Dauerstaus gefährdet Medien sind aufgefordert sich all dieserUnzumutbarkeiten anzunehmen Bitte helft uns endlich

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