Caritas-Entwicklungshilfe: Baumgartenbergerin unterstützt im Kongo die Ärmsten der Armen

Markus Hochgatterer Markus Hochgatterer, Tips Redaktion, 31.07.2012 13:00 Uhr

BAUMGARTENBERG. Seit August 2010 ist die gebürtige Baumgartenbergerin Andrea Fellner bei der Caritas Auslandshilfe OÖ als Projektreferentin für die Demokratische Republik Kongo zuständig. Im Tips-Interview spricht die Entwicklungshelferin über ihre Einsätze und ihre verantwortungsvolle Aufgabe.

Tips: Welches konkrete Aufgabengebiet umfasst deine Tätigkeit als Projektreferentin für den Kongo? Andrea Fellner: Ich bin im Grunde die Schnittstelle zwischen den Spendern in Oberösterreich und den Menschen im Kongo. Mehrmals pro Jahr fahre ich nach Afrika, besichtige vor Ort alle unsere Projekte und bespreche mit unseren Projektpartnern laufende und zukünftige Aktivitäten. In Österreich kümmere ich mich unter anderem um die Abrechnungen und Berichte für die Spender und Fördergeber, präsentiere die Projekte an Schulen, vor Spendern und interessiertem Publikum. Grundsätzlich haben wir 20 unterschiedliche Projekte in der Demokratischen Republik Kongo laufen. Dazu zählen etwa Kinderernährungsstationen, Gesundheitszentren, ein Altenheim, Landwirtschaftsprojekte für Kleinbauern, Projekte für Menschen mit Behinderungen, ein Schulprojekt für 148 Kinder oder Trinkwasserprogramme. Ein spezielles Projekt, das kürzlich abgeschlossen wurde, war die Errichtung von zwei Fotovoltaikanlagen auf Gesundheitszentren und der Bau eines Trinkwasserbrunnen mit einer Fotovoltaikpumpe in der Kinderernährungsstation. Ich war gemeinsam mit vier freiwilligen Elektrikern der HTL Litec Abendschule vor Ort. Die vier haben im Rahmen ihrer Diplomarbeiten die Anlagen berechnet, entworfen und dokumentiert. In Kinshasa haben wir dann die kongolesischen Techniker und Mitarbeiter geschult und die Anlagen installiert. Nun gibt es in den Zentren Strom, Licht bzw. Wasser und technisches Personal, welches das Ganze warten kann.   Tips: Was war deine persönliche Motivation, um dich für diesen Job zu bewerben?   Fellner: Seit meinem ersten außereuropäischen Auslandsaufenthalt während meines Wirtschaftsstudiums, als ich drei Monate in Indien an einer Schule unterrichtete, war mir klar, dass ich sozial für Menschen in ärmeren Ländern tätig sein möchte. Als Kongoreferentin bei der Caritas OÖ habe ich mich beworben, weil ich mich bei meinem Studium der humanitären Hilfe in Brüssel dann besonders für das französischsprachige Afrika bzw. für den Kongo zu interessieren begann und gerne dort arbeiten wollte. Tips: Welche Anforderungen muss man für diesen Job mitbringen? Fellner: Auf alle Fälle muss man gut Französisch können und Englisch schadet aufgrund des internationalen Kontextes auch nicht. Fachlich muss man das Projektmanagement beherrschen und sich finanztechnisch gut auskennen. Auch in der Welt der Entwicklungszusammenarbeit und ihrer Netzwerke sollte man sich zurechtfinden. Von Vorteil sind auf alle Fälle Auslandserfahrung und Kommunikationsfähigkeit. Man muss darüberhinaus sehr selbstständig sein, weil man oft auf sich alleine gestellt ist. Tips: Gab es während deiner bisherigen Tätigkeit positive bzw. negative Ereignisse, die dir besonders in Erinnerung sind? Fellner: Das Positive überwiegt. Auch wenn die Wetterbedingungen (es ist neun Monate im Jahr sehr heiß und schwül) das Arbeiten für einen Mitteleuropäer alles andere als leicht machen, ist es einfach schön, den Menschen helfen, ihnen etwas geben zu können. Ein besonderes Ereignis für mich war, als wir in der Gesundheitsstation einen Trinkwasserbrunnen gebohrt haben und dann die Pumpe das erste Wasser heraufgepumpt hat. Die Leute aus dem Dorf und die Schwestern der Station haben gejubelt und getanzt. Es ist überwältigend zu sehen, wie ein für uns so normales, alltägliches Gut, wie Wasser, für Menschen dort so etwas Rares, schwer Erreichbares und deshalb Kostbares sein kann. In diesem Moment fühlte ich mich sehr glücklich … als hätte ich Menschenleben gerettet. Tips: Auf welchen Zeitraum sind die Hilfsprojekte für die Demokratische Republik Kongo angelegt? Fellner: Das kommt auf das jeweilige Projekt an. Grundsätzlich versuchen wir unsere Partner, meist die lokale Caritas vor Ort, längerfristig zu unterstützen. Es ist aber wichtig, dass man auf lange Sicht die Selbstständigkeit der Menschen vor Augen hat. Das Kinderernährungsprojekt werden wir aufgrund der Armut in der Demokratischen Republik Kongo wohl noch länger unterstützen, bei den Landwirtschaftsprojekten sind die Bauern relativ schnell mal unabhängig.
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