Waldviertler Geheimnisse der Natur entdecken

Waldviertler Geheimnisse der Natur entdecken

STEINBACH. Buchautor und Waldviertelkenner Roland Kernstock nahm sich Zeit und führte einen Tips-Redakteur zu einem besonderen Platz des Waldviertels, ins Tal des Schwimmbachs. Beim dortigen Naturdenkmal „Kaiblloch“ wurden Spuren von Menschen der Jungsteinzeit entdeckt. Die „Pumperskirchen“ ist ein gewaltiger Felsen mit einer außergewöhnlichen Steinschale.

Nach dem Interview mit Roland Kernstock vor einigen Wochen (Portrait „Der Abenteurer des Waldviertels“, Tips Gmünd KW 24/2017) ließ mich der Gedanke nicht mehr los, mit dem Waldviertelkenner raus in die Natur zu gehen, mir besondere Plätze zeigen zu lassen und das persönlich zu erleben, wovon er mir beim Gespräch erzählt hatte. Also trafen wir uns und er führte mich zu einem einem Ort, „wo man ganz einfach gewesen sein muss, wenn man ein Waldviertel-Fan ist“, wie er in seinem Buch „Expedition Nordwald – Vom Hochland zum Nordkap Österreichs“ schreibt. Die Rede ist von den Naturdenkmälern „Kaiblloch“ und „Pumperskirchen“ beim mitten im Wald gelegenen Tal des Schwimmbachs zwischen Steinbach und Neu-Nagelberg, nahe der Grenze zur Tschechischen Republik.

Das Kaiblloch

Nach einer über zwei Wochen andauernden Schönwetterperiode präsentierte sich uns der Nordwald Mitte Juni bereits im sommerlichen Kleid. Das Summen der Insekten begleitete unsere Schritte, zauberhafte Vogelgesänge verwandelten den Föhrenwald in eine Orchesterbühne, die Sonnenstrahlen hüllten den Wald in ein verwirrendes Licht-Schatten Muster und über allem lag der feine Duft des Baumharzes. Wir schlenderten gemächlich dahin und Roland erzählte von früheren Besuchen dieses Ortes. 1984 war er zum ersten Mal beim Kaiblloch und der Pumperskirche. „Damals gab es noch keine Hinweistafeln, das ganze Gebiet war noch nicht erschlossen. Wir waren mehrere Kilometer und Stunden auf der Suche nach dem Kaiblloch unterwegs“, erinnert er sich.

Im Juni 2017 ist das anders, es dauerte nur einige Minuten und wir standen vor der Granitformation. „Wenn du einmal einen Weg gefunden hast, vergisst du ihn nie wieder“, erzählt Roland.

Der Name Kaiblloch bzw. Kaiblstein leitet sich angeblich von einem verirrten Kalb her, dass bei den Steinen wieder gefunden wurde. Eine andere Erklärung spricht davon, dass Zigeuner hier gestohlene Kälber gebraten haben. Im Jänner 1942 wurde der Kaiblstein zum Naturdenkmal erklärt, im März 1989 wurde das Gelände im Umkreis von 50 Meter um den Stein ebenfalls unter Schutz gestellt.

Granithöhle

Die Freude über die Rückkehr zu diesem Platz war Roland bei unserem gemeinsamen Besuch anzusehen. Und wie es so sein Art ist, begann er im Angesicht der mächtigen Steinformation aus seinem Wissensschatz zu erzählen. „Das Kaiblloch gilt mit einer Länge von ungefähr zehn Metern als die größte Granithöhle des Waldviertels. Das ist nicht zu verwechseln mit der größten Höhle des Waldviertels, die befindet sich im Kremstal im südlichen Waldviertel. Höhlen entstehen meistens ja durch Auswaschungen in weichem Gestein wie Schiefer, Kalk oder Sandstein. Das ist beim Granit nicht möglich. Da entstehen Höhlen nur durch Hohlräume, die durch umgestürzte oder abgerutschte Felsen entstehen. Das hier ist ein Musterbeispiel dafür“.

Jungsteinzeit

1925 wurden archäologische Funde gemacht, die den Beweis erbrachten, dass hier vor mehr als 6000 Jahren Menschen lebten. Beim Kaiblloch handelt es sich um die einzige erhaltene oberirdische Wohnstelle der mittleren Jungsteinzeit in Niederösterreich, eine Besonderheit in archäologischen Kreisen. „Woher diese Menschen gekommen und wohin sie gegangen sind, ist ein Rätsel“, ergänzt Roland.

Steinschale

Witzig auch Geschichte zu einer Steinschale an der Oberseite des gewaltigen, über 500 Tonnen schweren Granitsteins, der die Decke und eine Seitenwand der Höhle bildet. „In einer Sage ist die Rede vom Spieltisch des Teufels, in der Schale wurde das Spielgeld gesammelt. Als der Teufel das Spiel verlor, warf er in seinem Ärger die Steine wild durcheinander. Deshalb liegen sie jetzt so da“, berichtet Roland.

Pumperskirchen

Das Auffinden unseres zweiten Zieles, das Naturdenkmal „Pumperskirchen“, gestaltete sich etwas langwieriger. Obwohl nur wenige Gehminuten vom Kaiblloch entfernt, brauchten es mehr Zeit bis wir den schmalen Pfad entdeckten, der dorthin führte. Von einer mächtigen Felsformation war allerdings weit und breit nichts zu sehen. Roland dazu: „In der Nacht vom 12. auf den 13. Juli 1984 zog der stärkste Sturm seit Menschengedenken über die Region, der hat viele Bäume hier umgelegt und das Tal des Schwimmbachs frei gelegt. Dort drüben – Roland wies mit dem Finger auf eine dichte und undurchschaubare Wand aus Bäumen – ist die Pumperskirchen, eine der größten Felsformationen der Gegend. Das war ein traumhafter Anblick damals 1984 als alles freigelegt war“. 33 Jahre später hat der Wald wieder alles verdeckt.

Wir folgten dem kaum sichtbaren Pfad zum Schwimmbach, überquerten diesen und standen wenige Minuten später auf der Oberseite, der Kanzel der Pumperskirchen. Sofort sprang mir die ungewöhnliche Steinschale ins Auge, zu der Roland natürlich auch wieder einiges zu erzählen hatte:

„Diese Steinschale ist ein Unikum im ganzen Waldviertel. Erstens ist es eine sogenannte Doppelschale, die man selten findet, mit einer kleinen und einer größeren Vertiefung, beide mit Wasser gefüllt. Dann haben wir noch etwas Interessantes, die größere Schale ist nämlich um einige Zentimeter tiefer als die kleine. Und als drittes Phänomen finden wir hier zwei Schalen direkt nebeneinander, von denen eine mit Wasser gefüllt ist und die andere nicht“. Theorien über die Entstehung von Schalen gibt es viele, für Roland ist keine wirklich schlüssig: „Ich habe keine Erklärung dafür“.

Reizvolle Waldviertler Natur

Während unserer spannenden Entdeckungsreise schritt die Zeit in raschem Tempo voran und so machten wir uns auf den Rückweg. Dabei zeigte mir Roland noch die „Mariensteinhöhle“, „die nicht wirklich eine Höhle sondern ein überhängendes Felsdach ist“. Wir kamen am auch am Naturdenkmal „Granitblock-Gruppe“ vorbei. Zum Abschluss besuchten wir noch das Gasthaus Krupik in Steinbach, wo einige der steinzeitlichen Fundstücke vom Kaiblloch ausgestellt sind. Zum Abschied meinte Roland: „Das ist der Reiz meiner Heimat, du findest immer wieder Orte und Dinge, bei denen es sich lohnt, sie zu entdecken und zu erforschen“.

Wer Interesse hat, an der Seite von Roland Kernstock das Waldviertel zu entdecken, ist eingeladen, sich mit ihm in Verbindung zu setzen. Telefon: 0680/2425774. www.roland-kernstock.at.

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