„Papa, muss ich sterben?“

Sabrina Lang Sabrina Lang, Tips Redaktion, 11.07.2017 18:40 Uhr

BRUCK-WAASEN. Mit ein bisschen Bauchweh veränderte sich das Leben des 13-jährigen Jonas Sinzinger aus Bruck-Waasen im Herbst des vergangenen Jahres drastisch. Was anfänglich von den Ärzten als Bauchgrippe oder Verdacht auf Blinddarm diagnostiziert wurde, stellte sich kurze Zeit später als bösartiger Tumor heraus. Die Folge: eine Not-OP und Chemotherapie. Für seine Eltern Barbara und Reinhard war es eine enorme Belastung, hatten doch auch seine beiden jüngeren Schwestern Lena und Amelie einen schweren Start ins Leben.

„Papa, muss ich sterben?“ – diese Worte vom eigenen Sohn zu hören und keine Antwort darauf zu wissen, war für Reinhard Sinzinger wie ein Schlag, von dem er sich bis heute nicht erholen konnte. „Wenn das Kind im Krankenbett liegt, mit Schnitten von der Operation gezeichnet und mit Schläuchen ans Bett gefesselt und man keine Antwort auf diese Frage weiß, ist das sehr, sehr hart“, erzählt der Vater. Immer wieder stockt sein Atem beim Erzählen, denn unweigerlich kommen die Erinnerungen an diese Zeit hoch, an dem die ganze Familie um das Leben von Jonas bangte.

 

Not-Operation

Jonas konnte nichts mehr essen, übergab sich ständig. Die Familie fuhr ins Krankenhaus. Bauchgrippe, Blinddarm wurde zuerst vermutet. Nach einigen Untersuchungen im Krankenhaus wurde die Familie wieder nach Hause geschickt. Bis um ein Uhr nachts die Ärzte erneut anriefen und Jonas sofort wieder ins Krankenhaus holten, denn die untersuchten Blutwerte seien extrem schlecht. Der bösartige Tumor wurde noch in der Nacht in einer Not-OP entfernt. Am 19. Dezember, genau an Jonas„ Geburtstag, kam er in die Onkologie, kurz vor Weihnachten. Der Tumor war zu diesem Zeitpunkt schon wieder auf 14 Zentimeter angewachsen. Diesen Umstand beurteilten die Ärzte nicht als gänzlich negativ, würde bei einem schnell wachsenden Tumor doch die Chemotherapie besser anschlagen.

 

Zeit im Krankenhaus hinterließ Spuren

Für den 13-Jährigen begann nun eine Zeit, die sein Leben nachhaltig verändern sollte. Er verlor seine langen Haare, da tat ihm besonders weh. “Aus Solidarität habe auch ich mir meine Haare abgeschnitten, damit er sich nicht alleine fühlt„, erzählt sein Vater. Die Zeit im Krankenhaus hat an dem 13-Jährigen Spuren hinterlassen. “Jonas wurde ein Teil seiner Jugend genommen, er hat mit seinen jungen Jahren schon viele Entscheidungen treffen müssen, ist reifer geworden und er ist gealtert„, meint sein Vater. “Dennoch ist er sehr tapfer und hat uns viel Kraft gegeben. Er hat es genossen, dass wir da waren. Es hat uns auch als Familie wieder mehr zusammengerückt, weil man gesehen hat, wie schnell es gehen kann, dass man jemanden verliert„, so Barbara Sinzinger.

 

Unterricht im Krankenhaus

Auch in die Schule konnte Jonas nicht mehr gehen. Er wurde schließlich im Krankenhaus unterrichtet. “Einer der größten Sorgen war auch, dass er in der Schule nicht mehr mitkommt oder seine Mitschüler nicht mehr sehen kann. Das wäre das Schlimmste für ihn gewesen. Aber er ist nun wieder dabei und hat sogar den PC-Führerschein im Krankenhaus gemacht. Das alles wurde von der Kinderkrebshilfe organisiert. Man wurde nie alleine gelassen„, erzählt Jonas“ Mutter.

Jonas geht es heute wieder gut. Die nächsten fünf Jahre muss er regelmäßig zur Untersuchung. Nach fünf Jahren gilt die Krankheit als geheilt.

 

Kette an Schicksalsschlägen

Die Diagnose „Burkitt Lymphom“, ein Lymphknotenkrebs reihte sich im Herbst wie eine weitere Perle an die Kette an Schicksalschlägen der Familie an. Im Fünfjahrestakt hätte die Familie mit großen Herausforderungen zu kämpfen, denn auch die beiden anderen Kinder hatten einen schweren Start ins Leben. „Es ist wie am laufendenden Band“, meint Vater Reinhard. Die elfjährige Lena kam bereits in der 24. Schwangerschaftswoche mit nur 405 Gramm zur Welt und musste das erste halbe Jahr im Krankenhaus verbringen. Die sechsjährige Amelie musste nach einem Gebärmutterriss während der Geburt durch einen Not-Kaiserschnitt geboren und reanimiert werden. Sie lag wochenlang auf der Intensivstation. Beiden Töchtern geht es heute gut, sie brauchen dennoch nach wie vor Therapien, um den Entwicklungsrückstand aufzuholen.

 

Goodstock-Fest

Das vergangene halbe Jahr war für die Familie psychisch aber auch finanziell extrem belastend. Einerseits wollten die Eltern sooft wie möglich im Krankenhaus bei Jonas sein, dadurch entstanden hohe Kosten für die PKW-Benützung. Medikamente, Therapien für alle drei Kinder – das alles belastet die finanzielle Situation der Familie schwer. Erst vor drei Jahren erfüllte sich die Familie den Traum vom Eigenheim. Die Schulden müssen abbezahlt werden, daher ist es notwendig, dass beide Elternteile arbeiten gehen. Die GripoAG hat sich heuer entschlossen, Familie Sinzinger im Rahmen des „Goodstock-Festes“ im Naturfreundehaus Mühlbrenning zu unterstützen.

 

WANN & WO

Samstag, 5. August, 16 Uhr

Sonntag, 6. August, 10 Uhr

Eintritt: freiwillige Spende

Naturfreundehaus Mühlbrenning

 

 

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