KEM Thayaland ist auf einem guten Weg in Richtung Energieautarkie

Corina Schäfer, Leserartikel, 13.07.2012 10:19 Uhr

BEZIRK. Diesel, Benzin, Öl und Strom werden immer teurer und doch werden die kostbaren Ressourcen im Alltag oft verschwendet. Die Klima- und Energiemodellregionen haben es sich zum Ziel gesetzt, die Eigenversorgung mit Energie aus regionalen Quellen in die Realität umzusetzen.

85 Klima- und Energiemodellregionen (kurz KEM) gibt es in ganz Österreich, 100 sollen es werden. Seit 2011 besteht die KEM Thayaland, die ihren Sitz in Dobersberg hat und der die Gemeinden des Bezirks Waidhofen angehören. Ihr erklärtes Ziel ist die Energieautarkie, die Eigenversorgung mit Energie. In 20 Jahren soll es möglich sein, dass das Thayaland ausreichend Strom aus erneuerbaren Ressourcen produzieren kann. Zwei Punkte bilden die Eckpfeiler des Konzeptes: Energie sparen und Energie erzeugen. „Wir wissen, dass die Autarkie ein sehr ambitioniertes Ziel ist, doch wir werden konsequent unseren Weg gehen und versuchen, die Energiewende einzuleiten“, erklärt Ansbert Sturm, der Modellregionsmanager. Öl wird knapp werden Die Ölvorkommen neigen sich unweigerlich dem Ende zu. Laut einer Studie wird die Ölproduktion bis 2035 um 75 Prozent einbrechen. Daher ist es wichtig, den fossilen Energieträger zur rechten Zeit durch erneuerbare und umweltfreundliche Produktionsmethoden zu ersetzen sowie den Verbrauch zu reduzieren. „Im Waldviertel haben wir die besten Vorraussetzungen, soviel Energie zu produzieren, dass wir sie in Gebiete exportieren können, die weniger gut aufgestellt sind“, erzählt Ansbert Sturm. Wie Erhebungen zeigten, steckt im Waldviertel ein großes Potenzial für die Nutzung von Windenergie und Photovoltaik. Dezentralisierung Sturm warnt jedoch davor, den großen Reichtum durch eine Investition in eine Photovoltaikanlage zu erwarten. Dennoch sieht er vor allem die Dezentralisierung der Energieproduktion als gute Möglichkeit, dem Ziel Energieautarkie ein Stück näher zu kommen. „Jeder kann und soll mithelfen“ ist das Motto der KEM. Durch thermische Sanierungen oder die Verwendung von Geräten mit hoher Energieeffizienz sowie einfachen Maßnahmen kann jeder Haushalt den Stromverbrauch senken, ohne dass die Lebensqualität vermindert wird. Wer regionale Produkte kauft, verhindert lange, kostspielige Transportwege und eine unnötige Belastung der Umwelt. „Ich selbst habe in meinem Haus den Stromverbrauch durch die Anschaffung von energiesparenderen Geräten und die Durchführung einer thermischen Sanierung drastisch senken können“, beweist Ansbert Sturm, dass jeder etwas beitragen kann, wenn er möchte. Thermische Sanierung Die Verwendung von biologischen Dämmstoffen ist oft aus Kostengründen nicht möglich. Wesentlich günstiger und daher sehr beliebt ist die Nutzung von Styropor. Kritikern, die von Styropor abraten, weil es aus Rohöl produziert wird, nimmt Sturm den Wind aus den Segeln: „Ich denke, in einigen Jahren wird Styropor, gerade weil es aus Rohöl hergestellt wird, recycelt werden können.“ Er empfiehlt, wöchentlich den Stromzähler zu kontrollieren und durch Messgeräte zu überprüfen, welches Gerät ein Stromfresser ist. Auch Wasser- und Gaszähler sollten regelmäßig – zumindest monatlich – abgelesen werden. Diese Maßnahmen sind auch wichtig, um den Energieverbrauch zu kennen. Jeder Bürger kann eine Energiebuchhaltung einfach selbst durchführen. Einfache Listen oder Tabellen zur Auswertung sind auf der Homepage der KEM unter www.klimaundenergiemodellregionen.at verfügbar. Auch im Bereich der Mobilität wird langfristig umgedacht werden müssen. Elektroautos sind auf dem Vormarsch und werden leistbarer. Sie verbrauchen nur etwa ein Drittel der Energie eines herkömmlichen PKW. Wird das leise Gefährt mit Strom aus der Photovoltaikanlage geladen, freut sich auch die Umwelt. Gemeinde als Vorreiter In diesen Punkten kommt den Gemeinden eine wichtige Rolle zu. Sie können Vorreiter in Sachen Umweltfreundlichkeit sein. Zur Zeit sind vier geförderte Projekte als „Solarmobil Waldviertel“ in den Gemeinden Karlstein, Waidhofen, Groß Siegharts und Dietmanns sowie Heidenreichstein eingereicht. Mit einem Elektroauto könnten Gemeindebedienstete dann ihre Wege kostengünstig und umweltfreundlich zurücklegen. Ab 2. Juli wird in der KEM mit der online-Einreichung für Gemeinden für Investförderungen von 30 Prozent für Photovoltaikanlagen anzusuchen begonnen. 27 kW können in jeder Modellregion gefördert werden. Ob die Ziele erreicht werden können, wird auch von den Entwicklungen der technischen Möglichkeiten abhängen. Durch Neuerungen auf dem Gebiet der Speicheroptionen, wie etwa der Akkus für Elektroautos, werden energiesparende Fortbewegungsmittel einen völlig neuen Stellenwert erhalten. Tipps und Tricks zu den Themen Energiesparen, Elektromobilität und Modellregionen erfährt man auf der Airshow, die von 3. bis 5. August am Flugplatz in Dobersberg stattfindet.

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