Regionalprogramm für Fließgewässer in Niederösterreich reguliert künftige Kraftwerkbauten

Regionalprogramm für Fließgewässer in Niederösterreich reguliert künftige Kraftwerkbauten

Alexandra Munk, Leserartikel, 15.07.2015 12:29 Uhr

UNTERLOIBEN. Bei einem Pressegespräch in Unterloiben (Gemeinde Dürnstein) stellte VP-Umweltlandesrat Stephan Pernkopf das Regionalprogramm zum Schutz der NÖ Fließgewässer vor.  

Nach der Regulierung der Windkraftanlagen in Niederösterreich wurde nun ein Programm zum Schutz der Fließgewässer und zur Reglementierung von Wasserkraftwerken präsentiert.

Berücksichtigt wurden dabei unter anderem Faktoren wie Natur- und Artenschutz, Landschaftsbild, Erholungsräume sowie auch der Tourismus.

Drei Schutzkategorien

Das Regionalprogramm wird ab 2016 für rund 8.100 Kilometer Gewässerstrecke gelten und drei Schutzkategorien beinhalten: In der niedrigsten Schutzkategorie (hellgrün) werden neue Wasserkraftanlagen nur noch dann bewilligt, wenn sich dadurch der ökologische Zustand nicht verschlechtert. Die zweite Schutzkategorie (dunkelgrün) hat zusätzlich besonders fischereiwirtschaftliche Strecken im Blick, während in der höchsten Schutzkategorie (blau) neue Wasserkraftanlagen generell nicht mehr zugelassen werden. Diese Kategorie schützt die „Juwele“ der niederösterreichischen Flusslandschaften: Von der Donau in der Wachau und östlich von Wien, der March und den Thayaschlingen im Nationalpark Thayatal, den Oberläufen von Ybbs und Erlauf bis zur Großen und Kleinen Ysper im südlichen Waldviertel, der Schwechat im Helental und noch einigen wertvollen Abschnitten mehr. Die gesamte Liste der nun am strengsten geschützten Gewässerstrecken umfasst rund 480 Flusskilometer.

Die fachlichen Grundlagen wurden vom Land Niederösterreich in enger Zusammenarbeit mit dem Umweltdachverband, dem NÖ Landesfischereiverband, BirdLife Österreich und der Knollconsult Umweltplanung ZT GmbH erstellt.

Rahmenbedingungen geschaffen

„Neben dem Schutz der wertvollen Gewässer schaffen wir mit dem Programm klare Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung der Kleinwasserkraft und die Modernisierung bestehender Anlagen. Erneuerbare Energie in Form von Kleinwasserkraft kann so optimal mit Natur- und Gewässerschutz vereinbart werden,“ so Landesrat Pernkopf.

In Niederösterreich bestehen derzeit rund 570 Kleinwasserkraftanlagen, die ca. 140.000 Haushalte mit sauberer Energie versorgen. In den letzten fünf Jahren wurden über 100 Wasserkraftanlagen ökologisch verbessert, indem zum Beispiel Fischwanderhilfen eingebaut wurden. Gleichzeitig konnte meist auch die energetische Leistung optimiert werden. Diese Musterbeispiele, bei denen Naturschutz und Erneuerbare Energie Hand in Hand gehen, sollen durch das neue Regionalprogramm noch weiter forciert werden.

 „Heute ist ein historischer Tag für den Schutz der NÖ Gewässer, da endlich ein rechtlicher Schulssstrich gezogen wird“, erklärt Gerhard Heilingbrunner vom Umweltdachverband. Er sieht das bisherige Problem für Flüsse und Bäche bei Kleinstkraftwerken, die wie „Fertigteilhäuser hergestellt“ würden und relativ günstig wären. Jedoch können dadurch laut Heilingbrunner beeinträchtigungen beim Landschaftsschutz entstehen.

Stromboje bleibt außen vor

Die in der Wachau geteste Stromboje ist im neuen Regionalprogramm nicht enthalten. Laut Pernkopf und dem Ziviltechniker Thomas Knoll gilt die Boje nicht als herkömmliches Wasserkraftwerk und könne deshalb nicht berücksichtigt werden. Der Einsatz der Stromboje wird aufgrunddessen wie bisher nach den Bestimmungen der Naturschutz-, Wasser,- und Schifffahrtsgesetze geregelt und muss standortbezogen genehmigt werden.

 

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