Reportage: Ein Abend mit Ulli Bäer und Josie Gilits in Enns

Reportage: Ein Abend mit Ulli Bäer und Josie Gilits in Enns

Rafael Haslauer Rafael Haslauer, Tips Redaktion, 11.02.2018 15:21 Uhr

ENNS. Austro-Pop-Urgestein und ehemaliger Kapellmeister der Formation „Austria 3“, Ulli Bäer, spielte am vergangenen Freitag gemeinsam mit Josie Gilits im Ennser Hofcafe groß auf. Zuvor habe ich mir ein Interview gesichert.

Nicht nervös aber dennoch eine leise Aufgeregtheit verspürend, betrete ich am vergangenen Freitagabend gegen 18.25 Uhr, also bereits fünf Minuten vor Interview-Termin, was für einen Journalisten höchst ungewöhnlich ist, den vertrauten Eingansbereich des Ennser Hofcafes. Aufgrund des erwarteten Andrangs wurden dort bereits vereinzelt Stehtische aufgestellt – immerhin darf man sich auf ein Konzert bei freiem Eintritt freuen, was aufgrund der Prominenz auf der Bühne schon eine kleine Sensation darstellt.

Vorfreude

Als ich die Glastür aufschwinge und den Duft frischen Zigarettenrauches inhaliere, der zu einem Rockkonzert genauso dazugehört, wie Weißwurst zum Oktoberfest, kommt mir auch schon der Wirt, Samir Sarhan, entgegen und begrüßt mich herzlich – am anderen Ende des Lokals erspähe ich sogleich die Hauptattraktion selbst. Unverkennbar lehnt Ulli Bäer mit seinen aschgrauen Haaren, die lässig in alle Himmelsrichtungen stehen und in eine dunkelblaue Jeansjacke gewickelt an der Bar und unterhält sich. Seine Erscheinung erinnert mich an jene, eines gewissen Keith Richards der sich, offensichtlich wie auch Bäer selbst, wenig um das, „Wie-man-sich-ab-einem-bestimmten-Alter-zu-kleiden-hat“, zu kümmern scheint. Sofort werde ich freundlich empfangen und entdecke zu meiner Erheiterung jenen, eben angesprochenen Keith Richards in Form einer Zeichnung unter der Jeansjacke hervorblitzen.

Aufeinandertreffen

Nachdem ich Bäer und Josie Gilits, der mir, obwohl ich ihn noch nie zuvor gesehen habe, doch irgendwoher bekannt vorkommt, begrüßt habe, bestelle ich ein Bier und zünde eine Zigarette an, um die, sich nun doch leise von hinten anschleichende Nervosität, sofort im Keim zu ersticken und beginne sogleich die Fragestunde, um die Herrschaften nicht zu lange von ihrer Konzertvorbereitung abzuhalten.

Interview

„Sie sind ja nun schon sehr lange im Geschäft“, beginne ich also das Interview an Ulli Bäer gerichtet, „was macht den Reiz auf die Bühne zu gehen, nach so vielen Jahren noch aus?“ Bäer zieht noch einmal an seiner Zigarette und stößt den weißen Qualm durch die Nase wieder heraus: „Es ist die Musik selbst“, beginnt er in seinem unverkennbaren, Wiener Dialekt, der sich irgendwie mit dem Oberösterreichischen zu vermischen scheint – „ich hatte das Glück, mein Hobby zum Beruf zu machen. Ich sag immer: solang ich noch auf meinen zwei 'Schläuchen' stehen und eine Gitarre halten kann, werde ich auch auf der Bühne stehen – oder sitzen, je nach dem.“

Wichtiger Moment

„Haben Sie noch Lampenfieber?“ Sowohl Bäer als auch Gilits bejahen wie aus der Pistole geschossen. „Wenn es mir irgendwann wurscht ist, dann hätte ich auf der Bühne nichts mehr verloren. Das Lampenfieber ist noch immer ein ganz wichtiger Moment“, so Bäer. Im Augenwinkel erspähe ich seine Akustikgitarre und spiele kurz mit dem Gedanken ihn zu fragen, ob er nicht einen seiner Songs anstimmen würde, um ihn als Video, also als Vorbote des Konzertes quasi, auf Facebook zu posten, wohlwissend, es letzten Endes doch nicht zu tun, obwohl ich ansonsten ja nicht gerade auf den Mund gefallen bin. Man will die Zeit allerdings nicht endlos überstrapazieren und ist dankbar, überhaupt die Möglichkeit zu einem Interview bekommen zu haben.

Georg Danzer

„Was war musikalisch gesehen ihre schönste Zeit“, gehe ich also zur nächste Frage über, um den roten Faden, den ich mir zuvor zurechtgelegt habe, nicht zu verlieren. Bäer erzählt daraufhin von den Jahren mit Austria 3, im Speziellen von seiner jahrelangen Freundschaft mit Georg Danzer und vom Genie, das von ihm ausging. Man kann in seinen Augen sehen, wie viel er von Danzer als Mensch, wie auch als Musiker gehalten hat und wie dankbar er für die gemeinsamen Jahre ist. Mittlerweile betritt der eine oder andere Gast das Lokal. Es ist bis auf den letzen Platz ausreserviert.

„Wenn Sie einen Auftritt noch einmal erleben könnten, welchen würden Sie sich aussuchen?“ Auf diese Frage war ich ganz besonders stolz, da sie mich persönlich am allermeisten interessiert hat. Bäer zögert kurz, „weil es da schon einige unvergessliche Konzerte gegeben hat“, und nennt schlussendlich das Donauinselfest im Juni 1998 vor etwa 250.000 Zuschauern. „Man kann sich das kaum vorstellen“, sagt er, sichtlich in Erinnerungen schwelgend. Und das kann man tatsächlich nicht.

Soundcheck

Nachdem ich noch erfahren habe, dass Ulli Bäer große Stücke auf Bands wie Wanda oder Bilderbuch hält, „weil man bei den Liedern immer etwas findet, das es früher auch schon gegeben hat und ich es sowieso geil finde, wenn junge Leute, alte Musik mögen“, oder dass seine erste Gitarre im „Local“ in der Heiligenstätterstraße 33 in Wien hängt – sie sei dort in bester Gesellschaft mit einer Gitarre von Stones-Gitarrist Ron Wood – oder aber, dass sich Bäer, das Gitarrespielen selbst beigebracht hat, machen sich die beiden an die Arbeit und beginnen mit dem Soundcheck. Schon da bekommt man einen kleinen Vorgeschmack auf den bevorstehenden Abend. Die Vorfreude wird größer.

Konzert in Amstetten

Etwa eine halbe Stunde später ist das Lokal voll. Der unverkennbare Sound fährt mir durch Gebein und Glieder und gipfelt in meinem persönlichen Lieblings-Danzer-Klassiker „Ruaf mi net au“, den die beiden Kurz vor Mitternacht zum Besten geben. Wer Austro-Pop nur in irgendeiner Weise etwas abgewinnen kann, der kam an besagtem Freitag im Hofcafe voll auf seine Kosten. Für alle, die es versäumt haben, bietet sich am 6. April in der Remise Amstetten noch einmal die Möglichkeit. Für mich bleibt es ein Abend großer Musik, mit zwei Musikern, die ihr Handwerk noch genauso zu lieben scheinen, wie am ersten Tag.

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