Ennserin meistert das Leben trotz einer Sehleistung von nur acht Prozent mit viel Humor
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Ennserin meistert das Leben trotz einer Sehleistung von nur acht Prozent mit viel Humor

Rafael Haslauer Rafael Haslauer, Tips Redaktion, 05.03.2018 13:09 Uhr

ENNS. Geboren in Enns wurde Theresa Scheinecker mit zwölf Jahren mit einer Diagnose konfrontiert, die ihr einen rasanten Sehverlust bescheinigte. Heute, 14 Jahre später, ist ihre Sehleistung bei acht Prozent angelangt. Freude am Leben scheint sie aber mehr als alle anderen zu haben.

Mit einem Visus von 0,08 befindet sich Scheinecker im Moment in den USA, um mehr über die Welt, vor allem aber mehr über die urbane Tanz-Kultur zu erfahren. Unterwegs ist sie alleine. Mit im Gepäck: jede Menge Mut, Lebensfreude und vor allem eine große Portion Humor.

Neben der Tatsache, dass nur der eigene Blickwinkel auf bestimmte Lebenssituationen die Einstellung formt, ist es nämlich vor allem das Tanzen oder ganz im Allgemeinen: die Körperlehre, die die 26-Jährige ihre Welt mit etwas anderen Augen sehen lässt.

Diagnose

Während man sich in der Pubertät ohnehin mit unzähligen Problemen herumschlagen muss, kam für Scheinecker mit ihrer Augenkrankheit also ein zunächst sehr schwerwiegendes dazu, aber: „Es hat sich herausgestellt, dass meine Persönlichkeit über meiner Diagnose steht und ich mich durch die Beeinträchtigung nicht von meinem Weg und meinen Träumen abbringen lassen will“, erzählt die junge Ennserin. Schon damals ließ es sich Scheinecker nicht nehmen, ihr Leben so normal wie möglich zu leben. Und auch der Sport spielte schon immer eine große Rolle.

Psychologiestudium

Mit 19 Jahren verließ Scheinecker ihre vertraute Umgebung und brach auf in die große weite Welt. Die erste Station: Wien. „Es war keine bewusste Entscheidung, aber der Zufall wollte mich offenbar an der Universität Wien im Studiengang Psychologie sehen, obwohl ich lange nicht sicher gewesen bin, ob diese Entscheidung tatsächlich die richtige ist.“ Nun aber, am Ende ihres Masters angelangt, weiß sie es. „Da es für mich ohnehin nie eine Option gewesen wäre, den Führerschein zu machen, konnte ich mich in Wien, dank der öffentlichen Verkehrsmittel uneingeschränkt bewegen und auch Freizeitaktivitäten bietet Wien mehr als genug. Irgendwann stolperte ich – Zufall oder auch nicht – in einen Freerunkurs. Und von da an, war es um mich geschehen.“

Durch ihre Krankheit wurde der Drang und das Interesse am restlichen Körper immer größer, wodurch sie erkannte, „dass meine Augen nicht alles sind was ich habe. Also stieg mein Interesse, mich in dem was ich habe an meine Grenzen zu bringen. Und das mache ich jetzt schon ziemlich lange.“

Der eigene Weg

Mehr und mehr kam Scheinecker zu der Gewissheit, dass es darum geht, seinen eigenen Weg zu gehen, ganz unabhängig davon, ob es der ist, den die klassische Gesellschaft vorsieht. „Ich stellte schnell fest, dass ich ja ohnehin kein klassischer Bürger der Gesellschaft bin: mit 90 Prozent wird meine Behinderung eingestuft – somit also schon ziemlich besonders anders.“

Humor

Vom Freerunnen ging es weiter zum Tanz – ab dem siebten Semester Psychologiestudium wusste die 26-Jährige dann nicht mehr, was genau der Mittelpunkt ihres Lebens ist – der Sport oder das Studium. Aber eins wusste sie: „Es fühlte sich richtig an! Die positive Einstellung zum Leben, die Liebe zum Lachen, das Schicksal meiner Krankheit und das Interesse an der Psyche brachten mich nun zu meiner Masterarbeit mit dem Thema: “Der Einfluss von Humor und Heiterkeit auf das psychische Wohlbefinden und die Krankheitsverarbeitung blinder und hochgradig sehbeeinträchtigter Menschen„. Der wissenschaftliche Zugang zu Humor und Lachen hatte mich also erreicht und ich konnte somit wirklich in jenem Gebiet forschen, in dem ich auch forschen wollte.“

Die Welt entdecken

In den letzten Jahren hat Scheinecker nun so viel Selbstvertrauen gewonnen, dass sie es sich nicht nehmen lassen wollte, die große, weite Welt zu erkunden. „Ich will verschiedene Kulturen kennenlernen und meine Leidenschaft des Bewegens in neuen Kulturen erleben. Deshalb reise ich gerade fünf Monate durch die USA mit dem Fokus, mehr über die urbane Tanz-Kultur zu lernen.“ Herausgestellt habe sich: die Augen sind auch auf einem anderen Kontinent nicht das Zentrum. „Es sind wie immer die Gedanken und die eigene Einstellung und die nehme ich mit, egal wo ich bin. Der ganze Weg der letzten Jahre ergibt nun Sinn: das Zentrum ist Lachen und Humor! Und ein Lächeln wird in der ganzen Welt gleich 'geschrieben'.“

Das Schicksal annehmen

„Ich hab ein Schicksal mit auf den Weg bekommen, das Leben mit einem sehr beschränkten Sehsinn zu meistern und ganz viele andere Menschen haben andere Schicksale. Schicksale, die sich leider oft nicht ändern lassen, mit denen wir leben müssen, weil wir sie niemals rückgängig oder weg machen können. Was wir aber können: zu wählen wie wir damit leben. Ich sage nicht, dass es leicht ist und schon gar nicht, dass das Leben fair ist, aber: ja, ich bin dafür, niemals das Lachen zu verlernen. Denn es ist unglaublich was es bewirkt in uns Menschen. Alles im Leben hat zwei Seiten, drum lass uns doch die schlechten in den Schatten stellen und die guten in der Sonne erleuchten. Es ist nur eine Frage der Einstellung.“

 

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Kommentare

  1. Gastuser 08.03.2018 10:41 Uhr

    Sehverlust - Das ist kein Einzelfall. Meine Mutter, auch Ennserin, hat nur mehr ein Auge, mit minnimaler Sehleistung. Und das seit sie 17 ist. Sie meistert ihr Leben auch. Hilfe bekommt man sowieso nur von der Familie.

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